WECHSEL: Glücksschal für jungen Präsidenten

Der 26-jährige Claudio Altwegg übernimmt von Jigme Shitsetsang den Vorsitz der Wiler FDP. Die Senkung des Steuerfusses bleibt eine zentrale Forderung der Freisinnigen.

Philipp Haag
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Der abtretende FDP-Präsident Jigme Shitsetsang (rechts) übergibt seinem Nachfolger Claudio Altwegg eine weisse tibetische Schleife, die ihm Glück bringen soll. (Bild: Philipp Haag)

Der abtretende FDP-Präsident Jigme Shitsetsang (rechts) übergibt seinem Nachfolger Claudio Altwegg eine weisse tibetische Schleife, die ihm Glück bringen soll. (Bild: Philipp Haag)

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Es hatte wahrlich feierliche Züge: Jigme Shitsetsang überreichte Claudio Altwegg eine tibetische Glücksschleife, welche dieser den Rest des Abends um den Hals trug. Das blütenweisse Tuch soll Altwegg in seinem neuen Amt begleiten, vollzogen die beiden mit der Übergabe doch den Wechsel an der Spitze der Wiler FDP. Altwegg übernimmt von Shitsetsang das Präsidium. Mit klaren Zielen: Er möchte aus den Kommunalwahlen in drei Jahren «als Sieger» hervorgehen und den Mitgliederbestand der Ortspartei steigern. Altwegg fühlt sich den liberalen Werten verpflichtet, «da Freiheit ein hohes Gut ist», wie er am Dienstagabend sagte. Er wird sich für eine «ausgewogene Finanzpolitik» für Private und KMU einsetzen, eine Steuerfusssenkung inbegriffen, für attraktiven Wohnraum sowie die Tagesstrukturen an den Wiler Schulen. Trotz seines für einen Parteipräsidenten jungen Alters – Altwegg hat Jahrgang 1991 – sieht er sich im Stande, den Wiler Freisinn zu führen. Unvorbereitet übernimmt er das Amt nicht. Er war im vergangenen Jahr zum Vizepräsidenten gewählt worden, quasi als Einarbeitungsphase für den Präsidiumsposten. In seinem Vize-Jahr konnte er sich in der Parteileitung einbringen, wie Altwegg sagte, und sich mit der Parlaments- und Fraktionsarbeit vertraut machen.

Zuvor war Altwegg einige Jahre im Vorstand der Wiler Jungfreisinnigen aktiv, bei denen er sein politisches Engagement intensiviert hatte. Im Jahr 2016 kandidierte Altwegg sowohl für den Kantonsrat als auch für das Stadtparlament, wobei er bei der Kommunalwahl ein gutes Ergebnis erzielt hatte, wie er meinte. Beruflich ist der in Wil aufgewachsene Freisinnige Mitglied der Geschäftsleitung des Bildungszentrums Wios an der Titlisstrasse. Mit der Übernahme des Präsidiums durch den Mittzwanziger geht an der Spitze der FDP-Ortspartei ein Generationenwechsel einher.

Bei Stadtparlamentswahl das Ziel erreicht

Der 46jährige Shitsetsang, der die Partei seit dem Jahr 2009 geführt hat, ging in seinem Jahresbericht im Besonderen auf die Erneuerungswahlen ins Stadtparlament vom vergangenen September ein. «Ziel war es, die Sitze zu halten.» Trotz der Reduktion der Legislative von 45 auf 40 Parlamentarierinnen und Parlamentarier sei dies gelungen. Die Fraktion hat nach wie vor eine Grösse von acht Mitgliedern, wobei eines der Jungfreisinnige Jannik Schweizer ist. Ein Wermutstropfen bleibt: Die FDP konnte keine vollständige Liste mit 20 Personen einreichen, sondern eine mit lediglich 16 Namen. Trotzdem konnte die FDP den Wähleranteil steigern. Auch das Stadtratsmandat von Daniel Meili konnte verteidigt werden. Stolz ist Shitsetsang, dass er innerhalb seiner acht Präsidiumsjahre den Frauenanteil in der Parteileitung von inexistent auf drei erhöhen konnte (Manuela Ebneter, bisher, Cornelia Kunz, neu, Salome Zeintl, neu). Mit einem persönlichen Fazit beendete Shitsetsang seinen letzten Präsidenten-Jahres­bericht: «Früher habe ich in Wil gewohnt, heute lebe ich in der Stadt. Meine Familie bezeichnet Wil als Heimat.»

Projekt «Schule 2020» pragmatisch umsetzen

Zu den «harten» Fakten, den Politgeschäften kehrte Fraktionschef Mario Breu zurück. Er gab den Tarif für die nächsten Jahre durch. Der Stadtrat müsse die aufgegleisten Projekte pragmatisch umsetzen. Gemeint sind unter anderem «Schule 2020», nachhaltige Governance und Anpassungen bei den Technischen Betrieben Wil. «Bei der gegenwärtig guten Finanzlage der Stadt muss der Steuerfuss gesenkt werden», verlangte Breu. Der Steuerfuss liegt bei 129 Prozent. Breu schwebt eine Reduktion zwischen fünf und zehn Prozentpunkten vor. Im vergangenen Jahr war die FDP-Fraktion im Stadtparlament mit ihrer Forderung nach einer Senkung um drei Prozentpunkte gescheitert. Und die städtische Investitionsquote müsse auf ein nachhaltiges Niveau ­angehoben werden, sagte Breu. Im Jahr 2016 lag diese bei unter 50 Prozent, was der Fraktionsvorsitzende als schwach bezeichnete.