Wattwiler Langläufer Beda Klee nach Silber in der Staffel: «Diesen Tag vergesse ich nie»

Beim ersten Einsatz mit der Schweizer Staffel auf Weltcup-Niveau durfte Langläufer Beda Klee aus Wattwil in Lathi, Finnland, jubeln.

Urs Huwyler
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Dario Cologna, Jason Rüesch, Roman Furger und Beda Klee (von links) freuen sich euphorisch über die Leistungen und den zweiten Rang.

Dario Cologna, Jason Rüesch, Roman Furger und Beda Klee (von links) freuen sich euphorisch über die Leistungen und den zweiten Rang.

Bild: PD

Was ist in Lathi genau passiert?

Beda Klee: Etwas, das in der Geschichte selten vorkommt. Bisher schafften es drei Schweizer Staffeln auf ein Weltcup-Podest. Zuletzt gelang dies 2010. Ganz wichtig: Wir wissen nun, dass es möglich ist, inmitten der Weltelite ganz vorne mitzulaufen. Diese Gewissheit brauchten wir im Hinblick auf die WM 2021.

Also kam der zweite Rang hinter Norwegen für Sie überraschend?

Trainer Peter von Allmen hat im Vorfeld gesagt, das Podest sei möglich. Obwohl wir am Tag zuvor im Einzel kollektiv schlecht liefen. Klar schien uns, dass die Norweger und Russen im Normalfall ausser Reichweite liegen dürften. Im Fokus hatten wir deshalb Platz drei. Das Minimalziel war ein Rang unter den Top 6.

Wie lautete der Auftrag für Sie als Startläufer?

Ausgehend von der Zielsetzung, sollte ich versuchen, auf Position drei nicht mehr als 15 Sekunden einzubüssen. Dies ist mir mit 20 Sekunden Rückstand auf die Spitze gelungen. Die Taktik sah vor, dass Dario Cologna das Loch zuläuft, Jason Rüesch in der Gruppe hinter den Norwegern und Russen dabei bleibt und der endschnelle Roman Furger im Sprint um Rang drei kämpfen kann.

Und dann wurde es Rang zwei.

Wir profitierten davon, dass von den Spitzenleuten nicht konsequent auf Tempo gelaufen wurde. Norwegen und Russland sich nicht absetzten. So gelang es uns, dabei zu bleiben. Es hat sich gezeigt, dass selbst die Russen nicht auf Alexander Bolschunow und Sergei Ustjugow verzichten können.

Wie hat sich Ihr Puls im Rennen verhalten?

Als die Entscheidung nahte, stieg der Puls schon extrem an. Zuvor war ich ganz normal auslaufen, verfolgte das Rennen auf der Videowand. Vor dem letzten Wechsel haben sich Dario und ich zum Ziel begeben, Jason ist später dazu gekommen. Was dann abging, war unbeschreiblich.

Erzählen Sie.

Die Norweger und Russen wussten, wie das Prozedere nach dem Zieleinlauf abläuft. Sie standen mit den Startnummern und Skiern für den Fototermin bereit. Wir blieben während des Sprints hinter der Abschrankung, kletterten dann aber nicht einheitlich gekleidet hinter Dario darüber, hatten weder Startnummer noch Ski dabei. Wir dachten in unserer riesigen Freude nicht daran. So posierten wir auf dem ersten Foto. Die FIS-Leute wiesen uns auf die Vorgaben hin. Irgendwann waren wir ebenfalls regelkonform ausgerüstet.

Ein Jahr haben Sie auf einen Staffeleinsatz gewartet.

Letzte Saison war ein Staffel-Einsatz verschiedentlich ein Thema, doch taktische Überlegungen oder die Terminplanung verhinderten einen Weltcup-Einsatz. An der Weltmeisterschaft in Seefeld lief ich im Einzel zu schlecht. Nun spüre ich ein Glücksgefühl. Diesen Tag werde ich wie das gesamte Team nie vergessen. Es wird ein Höhepunkt in meiner Karriere sein.

Wie sieht es in der Langlauf-Szene bezüglich Corona-Virus aus?

Wir waren in Lathi im gleichen Hotel einquartiert wie die Chinesen, Kasachen und Italiener, die Wachskabinen der Chinesen und Italiener standen neben unserem Wachs-Truck, wir assen gemeinsam in einem italienischen Restaurant. Diese für viele besondere Konstellation nahmen wir gelassen hin.

Also machen Sie sich keine Sorgen über eine allfällige Ansteckung?

Wir versuchen sowieso, unabhängig des Corona-Virus, nicht krank zu werden. Bei einer normalen Grippe fallen wir ja ebenfalls zwei Wochen aus. Deshalb desinfizieren wir beispielsweise die Hände auch sonst. Das Ziel muss immer sein, niemanden anzustecken und von keinem angesteckt zu werden.

Wie geht es nun für Sie in nächster Zeit weiter?

Weil der Engadiner Skimarathon vom Sonntag wegen des Corona-Virus ausfällt, haben wir nun eine unfreiwillige Pause. Danach folgen noch das Weltcup-Finale in Kanada und die Schweizer Meisterschaft.