Wattwil

Von der Taufe bis zur Beerdigung: Pfarrer Andreas Schönenberger verlässt nach zehn Jahren die Seelsorgeeinheit Neutoggenburg

Andreas Schönenberger ist gerne als Pfarrer tätig. Trotzdem zieht er sich für ein Jahr aus der aktiven Seelsorge zurück. Wie es danach weitergeht, weiss er noch nicht.

Simon Bernhardsgrütter
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Andreas Schönenberger liebt die Arbeit mit Jung und Alt.

Andreas Schönenberger liebt die Arbeit mit Jung und Alt.

Bild: PD

Von Taufen über Hochzeiten zu Beerdigungen: Andreas Schönenberger erlebte in seiner zehnjährigen Tätigkeit als Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Neutoggenburg das ganze Spektrum seines Berufes. Er sagt: «Ich begleite Menschen im Alter von 0 bis 99 Jahren und darüber hinaus.» Nun nimmt er sich ein Jahr Zeit für sich selbst und verlässt die Seelsorgeeinheit Neutoggenburg. Auf dem Programm stehen Weiterbildungen in den Bereichen Spiritualität und Kunst. Beide Thematiken interessieren ihn schon sehr lange. In diesem Jahr will er sich damit intensiver beschäftigen. Zudem wird er verschiedene Exerzitienkurse leiten, um Menschen auf ihrem geistlichen Weg zu begleiten.

Was die Zukunft für den Pfarrer bereit hält

Andreas Schönenberger hat sich vor rund drei Jahrzehnten im Alter von 22 Jahren für den Priesterberuf entschieden und bereut es keine Sekunde. Er bedauert, dass der Beruf des Seelsorgers heutzutage von jungen Menschen sehr selten in Betracht gezogen wird, obwohl der Beruf sehr erfüllend ist. Dies vor allem durch Kontakte zu den unterschiedlichsten Menschen. Andreas Schönenberger sagt:

«Durch meinen Beruf hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Lebenssituationen mitzuerleben.»

Aus diesen konnte er vieles für sich mitnehmen und lernen. Die Vielfalt seiner Tätigkeit verschaffte ihm immer wieder die Möglichkeit für interessante und berührende Begegnungen.

Vielfalt an Aufgaben, gepaart mit emotionalen Momenten

Andreas Schönenberger nimmt sich eine Auszeit von seinem Beruf und verlässt nach zehn Jahren die Seelsorgeeinheit Neutoggenburg.

Andreas Schönenberger nimmt sich eine Auszeit von seinem Beruf und verlässt nach zehn Jahren die Seelsorgeeinheit Neutoggenburg.

Bild: PD

Besonders prägend seien die Beerdigungen von Kindern und Jugendlichen gewesen. «Zum Glück war das während meiner Zeit nur viermal der Fall. Sie gehörten beruflich wohl zu den emotional schwierigsten Momenten in den letzten zehn Jahren», fügt Andreas Schönenberger an. Auf der anderen Seite sei das Fest, welches 2015 zur Gründung der Seelsorgeeinheit Neutoggenburg gefeiert wurde, eine der schönsten und glücklichsten Momente gewesen.

Wegen der grossen Vielfalt, welche Andreas Schönenberger so an seinem Beruf liebt, lerne man immer wieder Neues dazu und werde fortlaufend mit Situationen konfrontiert, auf die man sich nicht vorbereiten könne. Eine dieser Situationen trat durch die Coronapandemie ein. Andreas Schönenberger sagt: «Die vielen Einschränkungen wie zum Beispiel das maximale Abstandhalten bei Beerdigungen im Frühling, kann schon sehr belastend sein.» Im Prozess des Abschiednehmens ist die Nähe der Familien und Bekannten von grosser Wichtigkeit.

Durch Corona ist auch die Einsamkeit vieler Menschen deutlich erkennbar geworden. Menschen in den Spitälern, die keine Besuche empfangen dürfen und Menschen, die zu Hause isoliert waren, haben besonders darunter zu leiden. Aus der ganzen Situation hat Andreas Schönenberger auch Erkenntnisse gewonnen:

«Ich glaube, dass wir noch achtsamer, noch sorgfältiger und noch genauer hinhören müssen, um herauszufinden, was die Menschen wirklich brauchen.»

Und genau dafür sei die Kirche da – gemeinsam für die Schwachen und die am Rand Stehenden zu sorgen. Das ist etwas, das Andreas Schönenberger auch nach seiner Auszeit weiterhin tun will.