Wattwil
Eine Wandersymphonie für das Obertoggenburg – das Toggenburger Orchester tritt auf dem Klangweg auf

Der Dirigent Ernst Hüberli hat die Stücke für die Wandersymphonie so umgeschrieben, dass sie sich in die Landschaft einfügen. Am Mittwoch fand die Hauptprobe statt.

Sascha Erni
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Proben mit Sicherheitsabstand und Maske: das Toggenburger Orchester am Proben.

Proben mit Sicherheitsabstand und Maske: das Toggenburger Orchester am Proben.

Bild: Sascha Erni

Eigentlich wollte sich das Toggenburger Orchester am Mittwochabend im Garten seines Dirigenten Ernst Hüberli treffen. Das wechselhafte Wetter zwang die gut 45 Musikerinnen und Musiker aber ins Trockene, konkret in die Aula der Textilfachschule in Wattwil. Viele sahen sich das erste Mal seit Beginn der Pandemie.

Wegen des schlechten Wetters hat das Orchester in der Aula der Textilfachschule in Wattwil geprobt.

Wegen des schlechten Wetters hat das Orchester in der Aula der Textilfachschule in Wattwil geprobt.

Bild: Sascha Erni

Mit Sicherheitsabstand und Masken hatten sie sich viel zu erzählen – und viel zu zeigen. Denn die Hauptprobe vom 2. Juni war für die meisten auch eine Premiere: Sie hörten die Stücke, die an der Wandersymphonie gespielt werden, erstmals als Gesamtes. An den Wochenenden vom 26. und 27. Juni sowie 3. und 4. Juli wird das Orchester sich auf dem Klangweg verteilen und in elf Stationen, von der Alp Sellamatt bis Iltios, das Obertoggenburg zum Klingen bringen.

Auftritt in Kammerorchester-Grösse

Ernst Hüberli, Dirigent Toggenburger Orchester.

Ernst Hüberli, Dirigent Toggenburger Orchester.

Bild: Sascha Erni

Die Idee für die Wandersymphonie hatte Ernst Hüberli. Mit der Klangwelt Toggenburg und den Toggenburg Bergbahnen seien schnell Partner gefunden worden: Die Klangwelt bettet die Wandersymphonie in ihr Projekt «Festivaljahr» ein, begleitet von Lesungen auf dem Chäserrugg.

Er habe die Idee letzten Herbst gehabt, erzählte Hüberli im Gespräch:

«Ich wollte mit einem coronakonformen Projekt die Leute bei Laune halten.»

Für die Wandersymphonie bedeute dies, dass die Aufführungen im Freien stattfinden, in Kammerorchester-Grüppchen und mehrere Stunden lang wiederholt, statt nur einmalig aufgeführt. So werde zum Beispiel eine Sechsergruppe Trompetenspieler drei Stunden pro Aufführung spielen. «Immer zwei, damit sie sich abwechseln können und ihnen nicht die Luft ausgeht», sagte ein gut gelaunter Ernst Hüberli nur halb im Scherz.

In Harmonie mit den Klangskulpturen

Die Stücke eingeübt haben die Musikerinnen und Musiker seit Februar in Kleingruppen und an verschiedenen Orten, erklärte der Dirigent. Das habe zu neuen Verbindungen und Eindrücken geführt.

Das Programm der Wandersymphonie reicht von der Barock- bis zur Neuzeit, auch Alphorn und Juchzer dürfen nicht fehlen. Ernst Hüberli hat die Stücke zusammen mit dem Orchester teils neu arrangiert oder gar komplett umgeschrieben. Denn sie sollen sich möglichst gut in die Landschaft einfügen und besonders auch mit den bestehenden musikalischen Skulpturen der Klangwelt harmonieren.

Einzige Aufführungen in 2021

Seit 1980, der Gründung des Toggenburger Orchesters, ist Ernst Hüberli dessen Dirigent. Das Orchester entstand aus dem Zusammenschluss des Orchestervereins Wattwil und des Jungen Kammerorchesters Wattwil. Hüberli sagt:

«Eigentlich erarbeite das Orchester jährlich ein bis zwei Konzertprogramme und trete an verschiedenen Orten auf. Durch die Pandemie jedoch sind die Möglichkeiten eingeschränkt.»

Der nächste reguläre Auftritt des Toggenburger Orchesters dürfte entsprechend erst das Neujahrskonzert 2022 sein. Wer zuvor Lust auf orchestrale Klänge hat, noch dazu in ungewohntem Rahmen, sollte sich also demnächst auf den Klangweg machen.

Weitere Informationen: www.toggenburgerorchester.ch