Wassertaufe für die Jünger Gutenbergs

Am Mittwoch versammelte sich männiglich um den Flawiler Bärenbrunnen, denn auf grossen Lettern wurde zuvor angekündigt, dass die Drucker der dfmedia hier die Gautschete abhalten.

Turi Siegmann
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Wassertauf' ad posteriorum; So verlangt es der Brauch.

Wassertauf' ad posteriorum; So verlangt es der Brauch.

Flawil. Es ist Brauch unter Buchdruckern, Lehrabgänger mit bestandener Prüfung mit einer speziellen Zeremonie, dem «Gautschen», in die Gilde aufzunehmen. So kam es, dass der Bärenbrunnen am Mittwochnachmittag sechs dieser Jünger Gutenbergs «ertragen» musste, leisteten diese doch zu gautschenden Damen und Herren heftigen Widerstand.

Nicht zimperlich

Los ging es in der Druckerei, denn die sechs «Ausgelernten» wurden hier am Arbeitsplatz überfallen, gefesselt und auf einen Handwagen verfrachtet. Per pedes und gut bewacht ging es jetzt ab der Burgauerstrasse via St. Gallerstrasse zum Brunnen auf dem Bärenplatz. Sämtliche Ausreissversuche der dem kalten Wasser Geweihten wurden durch den Begleitschutz rigoros unterbunden. Beim Brunnen warteten nicht nur Arbeitskollegen und -Kolleginnen gespannt auf das, was kommen wird. Freunde und Verwandte der «Gautschlinge» fanden ebenfalls zahlreich den Weg zum Ort des Geschehens. Gautschmeister Walter Spadotto ergriff nun das Wort und sprach in ernstem Ton zu den «Gefesselten»: «Wir Jünger Gutenbergs aus helvetischen Landen tun hiermit jedermänniglich unserer hochweisen Kunstgenossen kund und zu wissen, dass ehrsame Jünger unserer hochedlen Buchdruckerkunst Evelyne Fisch, Ramona Künzle, Mike Frischknecht, Ermin Omeradzic, Lara Baumann und Linus Haag nach altem Brauch und Herkommen die Wassertauf' ad posteriorum erhalten haben und damit in alle uns von Kaiser Friedrich III verliehenen Rechte und Privilegien eingesetzt wurden. Kraft derselben gebieten wir allen Kunstgenossen, diese Jünger Gutenbergs als echte Schwarzkünstler anzuerkennen. Und nun packt an! Lasst ihren Corpus posteriorum fallen auf diesen nassen Schwamm, bis triefen beide Ballen. Der durst'gen Seel' gebt ein Sturzbad obendrauf, das ist der Söhne Gutenbergs die allerbeste Tauf'.»

Nachher ein kühles Bier

Kaum gesprochen, packten die Gehilfen kräftig zu, setzten die in die Gilde aufzunehmenden Jünger Gutenbergs auf einen eiskalten Schwamm und stiessen sie in den Brunnen – immer noch an Händen und Füssen gefesselt. Und dieses «Anbinden» hat schon einen guten Grund. Nass werden sollen nämlich nur diejenigen, die diese Zeremonie gezwungenermassen über sich ergehen lassen müssen. Endlich fallen die Fesseln. Freunde und Bekannte strömen herbei, gratulieren, umarmen – werden dabei nass – und wünschen Glück. Dann das befreiende Zischen – kühles Bier in kleinen Flaschen findet den Weg zu den jetzt mit Recht heissenden «Jünger Gutenbergs». Vergessen sind die ausgestandenen Qualen und die Demütigungen. Genüsslich wurden an dem geschlürft, was «man» nach einer so harten Zeremonie auch verdient hat. Und das nicht nur am und im Brunnen. Bei gemütlichem Zusammensein - mit Fachsimpeln» - wurde noch eine Zeit lang gefeiert.

Die Lehrabgänger der dfmedia wurden in die Gilde aufgenommen. (Bilder: tu.)

Die Lehrabgänger der dfmedia wurden in die Gilde aufgenommen. (Bilder: tu.)

Bild: Turi Siegmann

Bild: Turi Siegmann