Was zählt, ist die Hilfsbereitschaft

Alltag

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Die Sonne drückt verhalten durch die Schäfchenwolken. Die dreckigen Schneeberge, welche die Wiler Fussgängerzone säumen, schmelzen allmählich dahin. An diesem Nachmittag zeigt sich die Einkaufsstrasse belebt. Jung und Alt ist auf den Beinen. Mal mit mehr, mal mit weniger vollen Taschen. Zwei Männer schieben ­einen Wagen vor sich her. Sie sind aber keineswegs auf Schnäppchenjagd. Vielmehr sammeln sie den achtlos weggeworfenen Abfall von den Pflastersteinen. Ob zerknüllte Kassenzettel oder Zigarettenstummel. Der eine trägt Trainerhosen und eine Schiebermütze, die sein Gesicht, das auf den Boden gerichtet ist, verdeckt. Den meisten wird er nicht be­sonders aufgefallen sein. Zwei kleinen Mädchen aber schon. «Schauen Sie», rufen die beiden und zeigen mit ihren Fingern in einen Schneehaufen. «Hier liegt noch eine Zigarette.» Dann hüpfen sie auf dem von einer schwarzen Schicht überzogenen Weiss auf und ab, betrachten es von allen Seiten, um weitere Stummel aufzuspüren, auf die sie den Arbeiter stolz aufmerksam machen können. Sie springen zum nächsten Haufen, lachen dabei, als würden sie sich auf einer Bahn im Europapark befinden. Auch über das Gesicht des Mannes huscht mehr als einmal ein Lächeln. Auch wenn seine Augen unter der Schiebermütze nicht zum Vorschein kommen, sieht man, wie sich die Mundwinkel nach oben bewegen. Die beiden Mädchen waren ihm bei seiner Arbeit zwar keine grosse Hilfe, denn die Zigarettenstummel hätte er auch ohne sie gesehen. Gefreut hat er sich trotzdem. (uam)