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Was wäre der Sommer ohne passende Lektüre? Jolanda Erismann von der Bibliothek Uzwil verrät, was gefragt ist

Bücher entführen Daheimgebliebene in andere Welten, können aber auch Vorfreude auf das Ferienziel wecken.
Tobias Söldi
Reiseführer werden auch in der Bibliothek gerne ausgeliehen. (Bild: Philipp Baer)

Reiseführer werden auch in der Bibliothek gerne ausgeliehen. (Bild: Philipp Baer)

Für Julia Weber, Zürcher Autorin, steht Sommerlektüre keineswegs für leicht bekömmliche Kost. Im Gegenteil: Das Schöne am Lesen sei doch gerade die Anstrengung, sich etwas weit Entferntes vorzustellen, schrieb sie kürzlich in einem Artikel in der «NZZ am Sonntag». Literatur sei dann gut, findet sie, wenn die Leserin oder der Leser plötzlich wisse, «wie es ist, eine Frau zu sein, die in Neapel aufgewachsen ist, oder ein Kind zu sein, das zur Zeit des Krieges in Bosnien gelebt hat».

Das Buch, das einen in fremde Welten entführt: Es ist ein Gedanke, der Jolanda Erismann, Leiterin der Bibliothek Uzwil, nicht fremd ist, und der sich auch im Ausleihverhalten der Kunden spiegelt.

«Typische Sommerromane spielen im Süden, am Meer, erzählen Familiengeschichten oder von romantischen Begebenheiten.»

Jolanda Erismann, Leiterin Bibliothek Uzwil

Jolanda Erismann, Leiterin Bibliothek Uzwil

Beliebt seien auch Romane, die an den Orten spielen, wo man seine Ferien geniesst.

Ein Reiseführer zum Reinschnuppern

Das Fremde und Exotische steckt dabei nicht nur zwischen den Buchdeckeln. «Wie die Cover gestaltet sind, macht viel aus», sagt Erismann. «Ein schönes Sommersujet, Früchte, ein Häuschen am Meer – das bleibt nicht ohne Einfluss.» Sie merke das auch bei sich selber, wenn sie jeweils einige Wochen vor den grossen Ferien das Sommersortiment der Bibliothek um neue Bücher ergänzt.

Eine andere beliebte Gattung von Ferienlektüre stellen – wenig überraschend – Reiseführer dar. «Viele Leute leihen in der Bibliothek einen Reiseführer aus, um reinzuschnuppern, kaufen sich für die Reise dann aber einen eigenen», stellt Erismann fest. Dennoch: Es sei für die Bibliothek wichtig, das Sortiment an Reiseführern auf einem aktuellen Stand zu halten. «Wir bestellen immer neue Exemplare, behalten aber auch einige Ausgaben, die ein wenig älter sind. Manchmal haben viele Leute das gleiche Reiseziel», erklärt Erismann.

E-Books: praktisch, aber nicht besonders gefragt

Doch Bücher sind schwer, die Rucksäcke und Koffer voll. Jedes Buch muss in die Ferien mitgeschleppt werden – und wie ärgerlich ist es doch, wenn man am Strand liegend feststellt, dass das auserwählte Buch nicht gefällt. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, bieten E-Readers, auf die man auch im Ausland mit ein paar wenigen Klicks Dutzende Bücher herunterladen kann. «Um die Ferienzeit stellen wir in der Tat einen Anstieg an E-Book-Ausleihen fest», sagt Erismann.

Die Bibliothek Uzwil ist beim Verbund Dibiost dabei, der «Digitalen Bibliothek Ostschweiz». Jeder Kunde hat die entsprechenden Zugangsdaten, um Bücher von der digitalen Bibliothek auszuleihen. Aber: «Wir leihen nicht so viele E-Bücher aus wie man meinen könnte.» Sie machten weniger als zehn Prozent der Ausleihen aus, schätzt sie. Reine Dibiost-Kunden habe man sogar nur etwa 20. Die meisten Kunden nützen Dibiost als Zusatzangebot. Erismann ist überzeugt:

«Für unterwegs ist das E-Book praktisch. Aber die Leute haben gerne ein Buch in der Hand.»

In der Bibliothek kommt man ins Gespräch

Und auch den physischen Ort kann die digitale Bibliothek nicht ernsthaft konkurrenzieren. Ganz besonders nicht im Sommer: Dann ist die Stimmung in der Bibliothek anders als sonst im Jahr. «Die Leute haben mehr Zeit, sind gelassener, man kommt ins Gespräch. Und die Kinder erzählen oft von ihren Ferien.» Anders sind auch die Besuchszeiten: Die Leute suchten die Bibliothek eher am morgen oder am späteren Nachmittag auf. «In den Leerzeiten haben wir Zeit, Sachen aufzuarbeiten, die das Jahr über liegengeblieben sind.»

Die Leute passen auf die Bücher auf

Und wenn die Bücher nach den Ferien wieder den Weg in die Bibliothek finden? Sind sie dann voller Sand und Wasserflecken? Erismann gibt Entwarnung.

«Wir haben wenig Schäden. Die Allermeisten passen auf. Und wenn ein Buch einmal stark beschädigt ist, dann verlangen wir eine Entschädigung.»

Gerne hätte die «Wiler Zeitung» diese Einschätzungen von der Stadtbibliothek Wil bestätigen lassen. Doch standen dem die Ferien im Weg: Der Mitarbeiterin war es aufgrund einer Abwesenheit in der städtischen Medienstelle nicht erlaubt, Auskunft zu geben.

Tipps von der Expertin

Lektüretipps? Jolanda Erismann, Leiterin der Bibliothek Uzwil, winkt ab. «Das ist schwierig zu sagen in einer Bibliothek, wo jede Woche kistenweise neue Bücher ankommen.» Sie lese eigentlich querbeet, besonders gerne aber die Romane der Amerikanerin Donna Leon oder der Deutschen Ingrid Noll. Zurzeit liegt neben ihrem Liegestuhl aber ein anderes Buch. Und zwar ein Krimi, der im Süden Europas spielt: «Portugiesisches Blut» von Luis Sellano, im April dieses Jahres erschienen. «Ich lese gerne Kriminalromane, die in anderen Ländern spielen», erklärt Erismann. (tos)

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