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Was Vögel mit Identität zu tun haben: Wiler SP-Stadtparlamentarier Arber Bullakaj spricht im "Club" bei SRF über die Doppeladler-Affäre

Ausdruck für Verbundenheit oder ein politisch motivierter Racheakt? Auch Tage nach der Doppeladler-Geste konnte der «Club» mit Beteiligung von SP-Stadtparlamentarier Arber Bullakaj keine Antwort auf die Frage liefern.
Gianni Amstutz
Arber Bullakaj diskutiert im «Club» über die Bedeutung der Doppeladler-Geste. (Bild: Copyright by SRF)

Arber Bullakaj diskutiert im «Club» über die Bedeutung der Doppeladler-Geste. (Bild: Copyright by SRF)

Zumindest die Ornithologen sind sich einig: Ein Adler mit zwei Köpfen existiert so nicht. Wenn doch, dann nur infolge einer genetischen Mutation. Darüber, ob ein solches Vogelvieh dann auch überlebensfähig wäre, kann nur gemutmasst werden. Was hingegen überlebt hat, ist die Diskussion über die Doppeladler-Gesten dreier Schweizer Natispieler und die Bedeutung der zu Flügeln gekreuzten Hände. Das Schweizer Fernsehen widmete diesem Thema im Rahmen der Sendung «Club» am Dienstagabend rund eineinhalb Stunden Sendezeit – dies nachdem die Schweizer Nati erst kurz zuvor ausgeschieden war und das Spiel, in dem sich die Szenen ereigneten, bereits über eine Woche zurücklag. Das verdeutlicht vor allem eines: Um die Szene als solche geht es längst nicht mehr. Abgepfiffen ist die Debatte aber noch nicht. Das zeigte sich in der Sendung, wo sich die Fragen hauptsächlich um die Integration von Menschen mit ausländischen Wurzeln drehten.

Einer ist anderer Meinung

Mit von der Partie war im «Club» unter anderem auch der Wiler SP-Stadtparlamentarier Arber Bullakaj. Er hat selbst kosovarische Wurzeln und lebt seit seinem achten Lebensjahr in der Schweiz. Er vertrat die Ansicht, dass die Geste von Xhaka und Shaqiri ein Ausdruck einer Mehrfachidentität und nicht etwa politisch motiviert gewesen sei. «Diese Spieler sind Menschen. Menschen mit einer Geschichte, die nicht immer in der Schweiz begonnen hat. Sie haben das Recht dies zu zeigen.» Bullakajs Gesprächspartner sahen das ähnlich und relativierten die Bedeutung der Geste – zumindest die meisten.

SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel sah in der Aktion ein Racheakt und eine Provokation gegen die Serben. «Es ist unerhört, ausländische Politik im Trikot der Schweizer Nati zu machen. Die Szene war für mich wie eine Ohrfeige.» Ausserdem zweifelte er ein ums andere Mal die gelungene Integration von Personen aus dem Balkan an. Auch das Mitsingen oder eben gerade das Schweigen während der Nationalhymne deute darauf hin, dass Personen mit Wurzeln im Ausland nicht vollständig integriert seien.

Arber Bullakaj widersprach dieser Aussage vehement. «Wir verlangen von Personen mit Migrationshintergrund, schweizerischer zu sein als die Schweizer.» Schliesslich hätten Spieler wie Stéphane Chapuisat oder Alain Sutter den Schweizerpsalm früher ebensowenig mitgesungen, wie das heutzutage ein Xherdan Shaqiri tue. Mit dem Unterschied, dass es damals niemanden gestört habe. Unterstützung bekam Bullakaj vom Integrationsexperten Thomas Kessler: «Menschen aus dem Balkan sind gut integriert. Das erkenne man an Faktoren wie der Erwerbsquote, dem Einkommen und dem Steuerertrag. In solche Ereignisse wie die Doppeladleraffäre etwas hineinzuinterpretieren, bringe hingegen nichts. Wie so oft bei politischen Debatten, waren auch im «Club» die Meinungen der Diskutierenden – und mutmasslich auch jene des Publikums – bereits gemacht. Vielleicht aber endet nun die Diskussion um den doppelköpfigen Vogel. Ganz genauso wie die Träume der Nati begraben wurden.

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