Was tun, wenn ein Kind alleine ist?

Gestern vormittag fand im Stadtsaal die erste Prisma-Vollversammlung dieses Schuljahres statt. Schüler und Lehrpersonen des Alleeschulhauses diskutierten über das Thema «Freundschaft – Ich trage Sorge zu den anderen».

Daria Baur
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Jeder Schüler legt zu Beginn der Versammlung einen Klotz in die Mitte, der seine Stimme im Schulhaus symbolisiert. (Bilder: Daria Baur)

Jeder Schüler legt zu Beginn der Versammlung einen Klotz in die Mitte, der seine Stimme im Schulhaus symbolisiert. (Bilder: Daria Baur)

WIL. Klasse für Klasse tritt in den Stadtsaal und geht zur Mitte, wo mit Tüchern ein Kreis gelegt wurde. Dort plaziert jede Schülerin und jeder Schüler einen Holzklotz. «Die Klötze symbolisieren die Stimme, die jedes Kind hat», erklärt Susanne Gähwiler, Lehrerin und Leiterin der Prisma-Vollversammlungen des Alleeschulhauses.

Idee einer Drittklässlerin

Das Thema der gestrigen Vollversammlung lautete «Freundschaft – Ich trage Sorge zu den anderen». Dazu hat die Drittklässlerin Lenia Fässler im vergangenen Schuljahr eine Eingabe gemacht. «Ich hatte bemerkt, dass es manchmal Kinder gibt, die alleine sind, obwohl sie gerne mit anderen spielen würden. So dachte ich, es könnte ein Thema für die PVV sein.» Die Delegiertenversammlung des Schulhauses stimmte dem zu und so wurde das Thema gestern diskutiert.

Verschiedene Fragen diskutiert

Da es die erste PVV des Schuljahres war, fanden sich die 160 Schülerinnen und Schüler in neuen Gruppen wieder. Nach einem kurzen Kennenlernspiel und dem Repetieren der Grundregeln wurden die Fragen «Wie wichtig sind dir Freunde?», «Wann bist du gerne alleine und wann mit anderen zusammen?» und «Was können wir tun, damit kein <Allee>-Kind alleine ist, das nicht alleine sein möchte?» diskutiert. Die letzte Frage besprachen die Kinder ausführlich mit ihren Gruppenleitern und schrieben auf, was das ausgeschlossene Kind, die anderen Schüler oder die Lehrpersonen unternehmen könnten.

Nach den Gesprächen in der Gruppe sassen alle nochmals in den grossen Kreis. Die Sechstklässlerin Anouk Abbt, welche die gestrige Versammlung geleitet hat, erklärte: «Wir Delegierten werden die Resultate aus den Gruppen zusammentragen, danach wird das Thema in den Klassenräten weiter besprochen.» Mit dem Lied «Freundschaft hält dich, Freundschaft trägt dich» wurde die Versammlung beendet.

«Wie in der Politik»

Die Prisma-Vollversammlung findet viermal im Jahr statt. Die Kinder können im PVV-Briefkasten im Schulhaus eine Eingabe machen, was sie an der Schule ändern möchten. Findet das Thema Anklang, wird es in der nächsten PVV besprochen. «Eben wie in der Politik», sagt Susanne Gähwiler. «Da steckt ein ganzes Konzept dahinter.»

Anouk und Lenia sind sich sicher, dass die Versammlung etwas gebracht hat. «Ich denke, in Zukunft werden auch jene Kinder, die oft alleine sind, Freunde finden. Ebenfalls hoffe ich, dass man in der Pause die Schüler, die alleine sind, fragt, ob sie mitspielen möchten.» Beide Schülerinnen sind in der Delegiertenversammlung, die jedes Schuljahr neu gegründet wird. Lenia sagt: «Mir ist die Meinung der anderen Kinder sehr wichtig. Durch die Delegiertenversammlung möchte ich versuchen, diese durchzusetzen.» Für Anouk ist es eine gute Gelegenheit, vor Leuten sprechen zu üben. «Das mache ich nämlich sehr gerne», sagt sie.

Lenia Fässler und Anouk Abbt sind Teil der Delegiertenversammlung. Das Thema der gestrigen PVV war ausserdem Lenias Idee.

Lenia Fässler und Anouk Abbt sind Teil der Delegiertenversammlung. Das Thema der gestrigen PVV war ausserdem Lenias Idee.