Was Ethik mit Bschiss zu tun hat

Notabene

Hans Suter
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Streiten lässt sich über vieles. Auch über das Schulfach «Ethik, Religion, Gemeinschaft», das im August mit dem Lehrplan 21 an unseren Schulen Einzug hält. Streitpunkt ist, bei wem der Unterricht besucht werden soll. Das Fach wird nämlich von der Schule und den beiden Landeskirchen unterrichtet. Die Entscheidung liegt bei den Schülerinnen und Schülern, welchen Unterricht sie besuchen wollen. Das führt zu einem Konkurrenzkampf. Prompt ist ein Streit darüber entbrannt, welche Mittel zur Anwerbung der Schülerinnen und Schüler zulässig sind. Das erstaunt in zweierlei Hinsicht: Einerseits lehrt das Fach Gemeinschaft, genau hier werden die Klassen aber aufgesplittet. Anderseits geht es um Ethik, aber scheinbar nicht um deren Lehre.

Die Schülerinnen und Schüler werden lernen: Im Zentrum der Ethik steht das spezifisch moralische Handeln. In seiner Tradition Ciceros wird die Ethik heute noch als Moralphilosophie bezeichnet. Das mag etwas akademisch klingen, passt aber trefflich in die Gegenwart. Denn das, was die Schülerinnen und Schüler im Ethik-Unterricht lernen,gibt es immer weniger im Leben.

Die Realität sieht so aus: Ein Autohersteller verspricht Umweltfreundlichkeit und jubelt den Kunden das Gegenteil unter, oder ein grosses mexikanisches Unternehmen spricht sich gegen den Mauerbau an der Grenzen zu den USA aus, würde aber gerne den Zement liefern. Es gibt reichlich Erklärungsbedarf im Ethik-Unterricht. Man darf gespannt sein, wie dort den jungen Menschen die von unserer Gemeinschaft geprägte Welt erklärt wird.

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch