Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Was ein Wiler Ende des 19. Jahrhunderts in amerikanischen Militärdiensten erlebte

Die Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung haben am Samstag zur Buchvernissage eingeladen.
Katrin Meier-Gross
Werner Warth mit den Lebenserinnerungen Jörimanns an dessen Dienst in der amerikanischen Kavallerie. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Werner Warth mit den Lebenserinnerungen Jörimanns an dessen Dienst in der amerikanischen Kavallerie. (Bild: Kathrin Meier-Gross)

«Johann Jacob Jörimann ist zwar heute kaum noch bekannt, seine Memoiren als Soldat der amerikanischen Armee aber sind hoch spannend.» Das sagte der Wiler Stadtarchivar Werner Warth am Samstag im Baronenhaus. Warth hat gemeinsam mit Fabian Brändle das Buch «Kavallerist auf zwei Kontinenten – Johann Jacob Jörimann in amerikanischen Diensten» verfasst. In einer Kurzversion präsentierte er das Werk an der Vernissage.

Um der Armut zu entfliehen, wollte Jörimann 1881 wie zehntausende andere Schweizerinnen und Schweizer in Amerika sein Glück versuchen. Zuerst ohne Job wurde er in der neuen Welt von der Kavallerie angeworben. Weil er in der Schweiz bereits die Rekrutenschule absolviert hatte, habe er nicht so stark unter dem Drill gelitten, so Warth. Aus den Aufzeichnungen gehe hervor, dass Jörimann in St.Louis, Missouri, zuerst habe lernen müssen, ohne Sattel zu reiten, und abends jeweils todmüde auf seinen Strohsack gesunken sei. Exerzieren, Zugschule, Wache schieben und militärischer Drill habe genauso dazugehört wie die Verschiebung an andere Orte.

Ein anderes Indianerbild als das von Karl May

Eindrücklich seien Jörimanns Berichte über die Indianer, deren Bräuche und die Kriege, erzählte Warth. Der Auswanderer beschrieb die Rothäute als wilde, rohe Gesellen, die gar nichts mit dem Bild gemeinsam hätten, das Karl May von den Indianern gezeichnet habe. Allerdings habe sich die Armee nicht an die Abmachungen gehalten und die Eingeborenen mit Alkohol versorgt. Zudem sei mit der Abschlachtung der Bisons die Nahrungsgrundlage der Indianer zerstört worden.

Augenzeuge war Jörimann beim grossen Erdbeben in San Francisco, bei dem 1906 die Feuer drei Tage lang gewütet hatten. Nicht näher ging Warth auf Jörimanns Einsätze in Kuba und den Philippinen ein, wo die Amerikaner die lokalen Unabhängigkeitsbewegungen unterdrückten. «Wir wollen die Lust wecken, das Buch selber zu lesen», so der Autor. Die Erlebnisse von Jörimann sind im Buch auch mit zeitnahen Fotografien dokumentiert.

Jörimann, der zum Sergeanten, Adjutanten, Quartiermeister und Postmeister befördert worden war, kehrte nach 25 Jahren in der amerikanischen Armee in die Schweiz zurück. Mit seiner Pension konnte er ein gutbürgerliches Leben führen.

Ein gut leserliches Manuskript

«Die Aufzeichnungen hat Jörimann in einem Rutsch geschrieben. Sie sind sauber und gut leserlich geschrieben», sagte Warth. Am Ende seines 73-Seiten langen Manuskripts hatte Jörimann geschrieben: «Ich habe versucht, meine Erinnerungen an meine Erlebnisse jenseits des Meeres getreulich niederzuschreiben, sollten meine Aufzeichnungen hie und da einen Mangel aufweisen, so bitte ich die lieben Leser, ihn gütigst zu übersehen».

Das war in Wil am 19. Februar 1927. 2008 hatte die Tochter eines guten Freundes von Jörimann das Reisemanuskript dem Stadtarchiv Wil übergeben. Durch die Anfrage von Brändle ist daraus das interessante Zeitdokument «Kavallerist auf zwei Kontinenten» entstanden.

Ein wertvolles Zeitzeugnis

2017 erhielt Werner Warth, Stadtarchivar in Wil, eine E-Mail von Historiker Fabian Brändle. Dieser wollte wissen, ob im Stadtarchiv Lebenserinnerungen von Wiler Persönlichkeiten vorhanden seien. Warth zeigte ihm unter anderem das Manuskript von Johann Jacob Jörimann, in dem dieser seine Erinnerungen an den Dienst in der amerikanischen Armee aufgeschrieben hatte. Gemeinsam mit dem Kunst- und Museumsverlag sowie dem FormatOst-Verlag in Schwellbrunn wurde beschlossen, das Buchprojekt zu realisieren. Jörimann, der 1861 als uneheliches Kind im bündnerischen Tamins auf die Welt gekommen war, hatte mit 20 Jahren den Sprung über den Teich gewagt, wo er als Kavallerist angeworben wurde. Nach seiner Militärkarriere liess er sich in Wil nieder. 1927 hatte er seine Erlebnisse zu Papier gebracht. Gemäss aufgezeichneten Erinnerungen von damaligen Freunden hatte sich der Jörimann im Äbtestädtchen gut integriert und sich aktiv im Männerchor und im Turnverein beteiligt. 1947 war er verstorben und unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung beerdigt worden. Seine Erinnerungen sind ein wertvolles Zeitzeugnis. (km)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.