Warum braucht es Brauchtum?

Die Stadt Wil hat eine reiche Tradition an Brauchtümern. Kantischülerin Désirée Bosshard stellt sich dabei die Frage, wie die Feier von Bräuchen in der Gegenwart und der Zukunft von der Wiler Bevölkerung wahrgenommen wird.

Kristian Filipovic
Drucken
Teilen
Wiler Brauchtümer sind beliebt bei der Bevölkerung in der Region. So wie die Hofchilbi für den Sirnacher Spitzenschwinger Daniel Bösch. (Bild: Christoph Heer)

Wiler Brauchtümer sind beliebt bei der Bevölkerung in der Region. So wie die Hofchilbi für den Sirnacher Spitzenschwinger Daniel Bösch. (Bild: Christoph Heer)

WIL. Bei der Verfassung ihrer Maturaarbeit wollte sich Kantischülerin Désirée Bosshard mit einem Thema auseinandersetzten, das einen Bezug zu ihrer Heimatstadt Wil hat. So hat sie sich entschieden, die Brauchtümer von Wil näher zu untersuchen, weil sie sich durch diese der Stadt verbunden fühlt. «Als Kind habe ich mit meiner Familie fast alle Brauchtümer in Wil besucht. Besonders gefallen hat mir dabei der Silvesterumzug. Heutzutage besuche ich jedes Jahr den Fastnachtsumzug», erläutert Bosshard den Bezug zu ihrer Maturaarbeit.

Beliebt bei Jugendlichen

Die Fastnacht sei nicht nur bei ihr am beliebtesten, sondern auch bei der restlichen Wiler Bevölkerung, fährt Bosshard fort. Dies konnte sie bei der Auswertung ihrer Umfrage feststellen. Der Silvesterumzug hingegen sei vor allem bei Personen ab 30 Jahren beliebt, aber weniger bei Jugendlichen. Désirée Bosshard erklärt dies in ihrer Maturaarbeit damit, dass der Silvesterumzug für Familien mit Kindern interessant sei. Allgemein stossen die Brauchtümer der Stadt Wil vor allem bei Erwachsenen auf Interesse. Nach Bosshards Auswertung ist neben der Fastnacht auch die Hofchilbi spannend für junge Menschen.

In ihrer Maturaarbeit wird die Geschichte der einzelnen Brauchtümer der Stadt Wil näher erläutert. So beschreibt sie zum Beispiel die Geschichte der Hofchilbi, die auf das Jahr 1540 zurückgeht. Entstanden ist dieses Brauchtum aufgrund der Einweihung der Kapelle beim Hof. Eine weitere historische Begebenheit, welche durch die Hofchilbi gefeiert wird, ist die Entrichtung des Bierzinses. In der früheren Zeit wurden dafür der Wiler Bevölkerung über 1000 Liter Bier ausgeschenkt. Heutzutage fliesst der Erlös vom Bierverkauf an der Hofchilbi an die Stiftung Hof zu Wil.

Optimistische Zukunft

Die Teilnehmer der Befragung von Désirée Bosshard sehen der Zukunft der Bräuche der Stadt Wil optimistisch entgegen. Die meisten Befragten seien der Meinung, das Pflegen von Bräuchen sei wichtig. Sie glauben zudem, dass diese auch in Zukunft bestehen bleiben, jedoch weniger Besucher haben würden, sagt Bosshard. Nach ihrer Prognose werden es einige Bräuche einfacher haben, auch in Zukunft in der Gesellschaft fest verankert zu sein, etwa der Fastnachtsumzug. Andere, vor allem religiöse Bräuche, werden ihres Erachtens noch stärker als bereits in der Gegenwart an Bedeutung verlieren. Bosshard prognostiziert, dass individuelle Bräuche, die in einem engen Kreis gefeiert werden, einen ausgeprägteren Charakter bekommen. Für sie ist es durchaus denkbar, dass in der Stadt Wil neue Bräuche entstehen werden. Für Bosshard ist es wichtig, dass die Brauchtümer in der Stadt Wil nicht aussterben. «Bräuche sind wichtig für den Zusammenhalt und die Identität einer Stadt», ist sie überzeugt.

Aktuelle Nachrichten