Warm und niederschlagsreich

Wieder liegt ein zu warmes Jahr hinter uns. Doch diesmal ist die Abweichung gering. Fünf Monate waren zu kalt, sieben zu warm. Sechs Monate waren zu nass, insbesondere im Sommer, sechs Monate waren zu trocken.

Christoph Frauenfelder*
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niederuzwil. Sieben Monate zeigten sich überdurchschnittlich besonnt, fünf Monate brachten zu wenig Sonnenschein.

Nicht übermässig warm

Das Jahresmittel der Temperatur ergibt 8,6 Grad. Damit liegt es um 0,5 Grad zu hoch (Mittelwert 1961 bis 1990) und um 1 Grad über dem Jahresmittel 2009. Damit war das vergangene Jahr also nicht übermässig warm wie eine Reihe vor 2010. Der Temperaturumfang reichte im vergangenen Jahr von –13 Grad am 27. Dezember bis 34 Grad am 10. Juli. Es wurden 13 Hitzetage mit 30 Grad und mehr verzeichnet, sechsmal mehr als normal. An 104 Tagen herrschte Frost, an 45 Tagen lag die Temperatur ganztags unter null Grad (Eistage). An 42 Tagen war es sommerlich warm mit 25 Grad und mehr. Die Jahresniederschläge erreichten mit 131 Zentimeter einen kleinen Überschuss von zehn Prozent. An 144 Tagen regnete oder schneite es (mindestens 1 mm), das sind 5 Tage zu viel. Während 23 Tagen waren Gewitter (Nah- und Ferngewitter) zu verzeichnen. Das sind wenige Gewittertage! Die Sonne schien während 1480 Stunden, das sind sieben Prozent mehr als normal oder 100 Stunden weniger als im Vorjahr.

Kalter Winter

Der Januar startete empfindlich kalt. Die Temperaturen bewegten sich im Hochwintermonat zwischen minus 11 und plus 7 Grad. An 30 Tagen herrschte Frost, und während 16 Tagen verlief das Thermometer ganztags unter null Grad (Eistage). Während 24 Tagen lag Schnee. Der Februar brachte um die Monatsmitte den gewohnt strengen Nachwinter, war insgesamt aber normal temperiert. Ende Monat zeigte das Quecksilber bereits 12 Grad, und erste Vorfrühlingsgefühle kamen auf. Es wurden immerhin noch 20 Frost- und zehn Eistage verzeichnet. Ein Sturm am 26. Februar brachte eine Windspitze von 87 Kilometern pro Stunde.

Trockener und warmer Frühling

Der März brachte noch 13 Frosttage und 5 Eistage. Nach dem Spätwinter kletterte die Temperatur Ende Monat bis auf 22 Grad. Er war trocken und sonnig. Es gab oft Föhn und am 26. März einen Sturm mit bis zu 95 Kilometern pro Stunde. Es folgte ein sehr warmer April. Sein Temperaturmittel lag zwei Grad zu hoch. Es wurden bereits 26 Grad erreicht, und es gab an vier Tagen noch Frost. Er war extrem trocken. Der Mai war nicht sonderlich wonnig. 25 Tage fielen zu kühl aus. Das Monatsmittel war aber trotzdem ausgewogen, da Ende Monat bereits 28 Grad verzeichnet wurden! Es war der sonnenärmste Mai seit 60 Jahren.

Heisser und schwüler Sommer

Es folgte ein sehr warmer und nasser Juni. Ein Monsun-Monat, wie er üblich verläuft in Mitteleuropa. Die Schafskälte war Mitte Juni präsent, danach stiegen die Temperaturen erneut sprunghaft in die Höhe, und zwar bis auf 31 Grad. Drei Tage Mitte Monat brachten bereits über die Hälfte einer normalen Juni-Regenmenge. Ein schwülheisser und regenreicher Juli folgte. Er brachte 19 Sommertage und zehn Hitzetage! Die Temperaturen waren hitzig, bis 34 Grad. Gewitterstürme brachten Windspitzen bis 90 Kilometer pro Stunde. Der Juli war ausgesprochen gewitterreich, dies infolge der enormen Schwüle. Ein warmer und nasser August beschloss den Sommer. Es gab nochmals an einem Tag 30 Grad und acht Sommertage. Durchschnittlich jeder zweite Tag brachte Regen, bei Gewittern auch sehr intensiv.

Weisse Weihnachten

Es war nichts mit einem schönen Altweibersommer. Der September fiel zu kalt aus. Es gab keinen Sommertag mehr. Vor Jahresfrist brachte uns der September sogar noch einen Hitzetag mit 30 Grad! Am 25. September fielen bei einem Dauerregen hohe Niederschlagsmengen. Der Oktober verlief sehr kühl. Schuld daran war die häufige Bise mit ihren kalten Nordostwinden. Es schneite bereits bis auf 700 Meter (St. Gallen). Im Rheintal wehte oft der Föhn, den spürten wir aber im Fürstenland kaum. Das Martinisömmerchen machte in der ersten Novemberhälfte seinem Namen volle Ehre. Es brachte uns noch milde 18 Grad. Danach zog der Winter mit dem ersten Schneefall, wenig später mit der ersten Schneedecke ein. Ende November herrschten sehr bissige Temperaturen bis minus neun Grad. Der Dezember war empfindlich kalt, Ende Monat bis minus 13 Grad. Ausnahmsweise waren Weihnachten weiss! Dies kommt nur alle drei bis vier Jahre einmal vor. An jedem Tag lag im Fürstenland Schnee. Die höchste Schneehöhe betrug beachtliche 20 Zentimeter.

* Christoph Frauenfelder ist Inhaber von Meteotop, Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil