Wann man aufhören soll

Wenn Sportler altersmässig ihren Zenit erreicht haben und in ihrer aktiven Laufbahn entsprechend erfolgreich waren, steht einem Rücktritt eigentlich nichts im Weg. Sollte man meinen.

Urs Nobel
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St. Gallen - Urs Nobel Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Nobel)

St. Gallen - Urs Nobel Redaktion Wiler Zeitung (Bild: Urs Nobel)

Wenn Sportler altersmässig ihren Zenit erreicht haben und in ihrer aktiven Laufbahn entsprechend erfolgreich waren, steht einem Rücktritt eigentlich nichts im Weg. Sollte man meinen. Dass dies für die Betroffenen nicht immer gar so einfach ist, beweist zurzeit der Skispringer Simon Ammann aus dem Toggenburg. Der Doppel-Olympiasieger von Lake Placid hat den richtigen Zeitpunkt des Abschieds vom Spitzensport klar verpasst. Der sieggewohnte Skispringer ist im Vergleich zu früher zu einem «von der Schanze hüpfenden Frosch» geworden und oft nicht einmal mehr der beste Schweizer. Ammann muss Häme über sich ergehen lassen, weil er es sogar heute noch nicht schafft, mit einem Telemark zu landen. Zudem wird gerätselt, ob es der Sportler bisher einfach noch nicht geschafft hat, seine Finanzen für eine gesicherte Zukunft in den Griff zu bekommen. An finanziell interessanten Werbeverträgen dürfte es in der Vergangenheit ja nicht gemangelt haben.

Nicht nur finanziell interessante Werbeverträge halten dagegen Roger Federer von einem Rücktritt zurück. Federer ist immer noch einer der drei besten Tennisspieler der Welt und wartet weiter mit Siegen auf. Weil er früher schon stark auf seinen Körper gehört hat, muss er sich auch kaum mit Verletzungen auseinandersetzen, die ihn zwischenzeitlich aus der Bahn werfen könnten. Aber auch Roger Federer wird einmal den Entscheid fällen müssen, vom Spitzensport zurückzutreten. Wann dies sein wird, entscheidet wohl nur er selber oder zusammen mit seiner Frau Mirka.

Nach nur acht Jahren an der Parteispitze der SVP hat Toni Brunner seinen Rücktritt überraschend früh erklärt. Er wolle künftig wieder mehr Zeit für seine Kühe haben. Bei ihm kommen jedoch Zweifel ob der Echtheit seines Rücktrittsgrundes auf. Schliesslich hat er den Zenit seiner möglichen Politikerlaufbahn noch nicht erreicht, und seine Kühe geben ihre Milch auch dem Knecht ab. Hat der Abschied nicht viel mehr mit dem Ausscheiden seines Ziehvaters Christoph Blocher aus dem Parteivorstand zu tun? Mit dessen Rücktritt, der gleichzeitig als Neuanfang angedroht wurde?

Wie auch immer, den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt gibt es fast nie.

urs.nobel@wilerzeitung.ch

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