Wandertipp: Überraschungsreiche Wanderung durch die Geschichte und Gegenwart von Bichelsee

Ein steiler, zuweilen schweisstreibender Anstieg, ein erhabener Burghügel aus dem Mittelalter, schattenspendende Wälder, eine herrliche Sicht auf die Gemeinde und den sagenumwobenen Bichelsee: Das alles erwartet einen auf dieser abwechslungsreichen Wanderung.

Hans Suter
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Startpunkt ist die Bushaltestelle Dorf im Zentrum von Bichelsee.
21 Bilder
Blick zurück auf Bichelsee.
Kurz vor dem Wald führt der Weg von der geteerten Strasse nach rechts über eine Weide hoch zum Waldrand. Diese Abzweigung auf den Wiesenpfad mit dem kleinen blauen Wegweiser darf man nicht verpassen.
Der blaue Wegweiser ist erst aus der Nähe gut zu sehen.
Mässig steil, aber idyllisch: Der Weg über die Weide in Richtung Alt Bichelsee.
Von der Burg Alt Bichelsee ist nur wenig übrig. Ein Besuch ist sie aber allemal wert. Eine Tafel informiert über die Geschichte.
Eine einfache Treppe führt auf den ehemaligen Burghügel.
Die Wanderung führt im ersten Teil oft durch Schatten spendenenden Wald und ist ein herrliches Naturerlebnis
Diese Abzweigung zur Alphütte Ziegelmoss darf man nicht verpassen.
Die Alphütte Ziegelmoos.
Purer Naturgenuss.
Dieser Grenzstein mit der Nummer 19 verrät: Hier endet der Kanton Thurgau und es beginnt der Kanton Zürich. CZ steht als Abkürzung für die alte Schreibweise Canton Zürich.
Der Grenzstein verrät auch die Jahreszahl: 1844. Vier Jahre später wurde die Schweizerische Eidgenossenschaft nach dem Sonderbundskrieg am 12.September 1848 durch die Annahme einer Bundesverfassung in den bis heute existierenden Bundesstaat mit der Bundesstadt Bern umgewandelt.
Eine wichtige Abzweigung: Die geschilderte Wanderung folgt an dieser Stelle nicht dem Wanderwegweiser, sondern geradeaus. Wer dennoch nach links abbiegen will, kann dies natürlich tun. Der Weg führt auf recht direktem Weg zum Bichelsee.
Der Bichelsee ist sehr beliebt bei den Einheimischen.
Das Strandbad ist klein und ist eigentlich alleine schon mit den einheimischen Badegäste ausgelastet.
Der Bichelsee ist ein traumhaft schönes Überbleibsel aus der Gletscherzeit.
Wer des Wanderns müde ist, kann bereits in Niederhofen den Bus nehmen.
Das letzte Teilstück führt dem Seebach entlang zurück nach Bichelsee, mal auf der rechten Bachseite...
... mal auf der linken Bachseite.
Die letzten Meter, bevor die Wanderung am Ausgangspunkt im Zentrum von Bichelsee endet.

Startpunkt ist die Bushaltestelle Dorf im Zentrum von Bichelsee.

Bild: Hans Suter

Die Wanderung im Überblick

Start: Bichelsee, Zentrum, Bushaltestelle Dorf
Ziel: Bichelsee, Zentrum, Bushaltestelle Dorf
Strecke: 6,1km
Wanderzeit: 1h 50 min.
Aufstieg: 241 m
Abstieg: 241 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk. Wanderung nicht für Kinderwagen geeignet.
Gaststätten: Möglichkeit zur Einkehr in Niederhofen, Bichelsee und Balterswil. Aufgrund der aktuellem Corona-Situation ist es ratsam, sich über die Öffnungszeiten vorgängig direkt bei den Gaststätten abzuklären. 
Öffentlicher Verkehr: Bus 735 von Wil in Richtung Eschlikon und Balterswil-Bichelsee; Bus 806 von Dussnang in Richtung Bichelsee; Bus 806 von Turbenthal in Richtung Bichelsee.
Kartenmaterial: Landkarte: 1:25000, Blatt: 1073 Wil. (hs)

1 Bichelsee, Zentrum Das bei guter Kondition rund zweistündige Wanderelebnis beginnt mitten in Bichelsee bei der Bushaltestelle Dorf. Es ist empfehlenswert, eine Wanderkarte mitzuführen, weil diese Wanderung nicht explizit ausgeschildert ist (bei der Gemeindeverwaltung ist eine lokale Wanderkarte erhältlich). Die ersten 250 Meter führen auf der Brenngrüttistrasse durch ein gepflegtes Wohnquartier. Dann geht es recht weg in die Burghaldenstrasse an einem Eselhof vorbei. Wenige Meter später steht man auf der geteerten Strasse namens Brenngrütti. Der Weg führt hier nach links der Brenngrütti entlang, bis nach wenigen hundert Meter der Waldrand erreicht ist. Hier zweigt der Weg nach rechts auf eine Weide ab. Diese Abzweigung darf man nicht verpassen. Über die Viehweise geht es nun hoch bis zum Waldrand. Sobald dieser erreicht ist, nach links abbiegen. (Bitte den Drahtzaun beim Betreten und Verlassen der Weide unbedingt wieder schliessen.)

2 Burg Alt Bichelsee Wenige Meter, nachdem der Weg in den schattigen Wald mündet, ist bereits das erste Etappenziel erreicht: die einstige Burg Alt Bichelsee. Nach Angaben des Thurgauer Amtes für Archäologie war Alt Bichelsee seit 1209 die Stammburg der Herren von Bichelsee. Diese Familie stellte ab 1267 die Truchsessen (Aufseher) des Klosters St.Gallen. 1358 verkaufte der hochverschuldete Walter von Bichelsee seinen Wohnsitz samt Wald, See, Kehlhof und Kirchensatz (Patronatsrecht) für 850 Pfund Pfennig an Herrman von Landenberg-Greifensee, bedingte sich aber ein lebenslängliches Wohn- und Nutzungsrecht aus. Folglich musste sein Sohn Werner, Kirchherr zu Bichelsee, den Sitz fristlos räumen. Nach weiteren auch finanziell bedingten Handwechseln wurde die Burg 1407 von den Appenzellern zerstört. Am 11. Januar 1421 verkauften die beiden Brüder Beringer und Hans-Rudolf von Landenberg-Greifensee die halbe Burg an das Kloster Fischingen. Die Lehenshoheit der anderen Hälfte blieb in den Händen des Grafen Friedrich VII. von Toggenburg. Wahrscheinlich wurde die Anlage seit der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt, so dass sie langsam zerfiel. Heute ist nicht mehr viel davon zu sehen.

3 Burgstock Nach diesem Eintauchen in die Geschichte von Bichelsee geht es weiter westwärts ins Gebiet Burgstock. Der Weg ist gut ausgebaut, aber zuweilen etwas anstrengend: Von 690 Metern über Meer geht es nun kontinuierlich hoch auf gut 800 Meter.

4 Ziegelmoos Nach dem Burgstock geht es nach wenigen Hundert Metern rechts weg hinauf zur Alphütte Ziegelmoos (diese Abzweigung darf man nicht verpassen). Nach der ersten Kurve weitet sich der Blick auf das Gebiet Ziegelmoos, das sich in Richtung Nordwest erstreckt. Die Landschaft ist die reinste Idylle, doch der Weg wird nun steiler und schweisstreibender. Nach dem Erreichen des Waldrandes geht es links in den Wald hinein – und es geht steil weiter, dafür aber mit vielen schattigen Abschnitten.

5 Cholplatz Die Wanderung nähert sich nun dem Cholplatz, wo zugleich der höchste Punkt der Wanderung erreicht ist. Wenige Meter später ist am linken Wegrand ein Grenzstein zu sehen mit der Aufschrift «CZ», was bedeutet: Hier beginnt der Kanton Zürich. Dieser Grenzstein stammt aus dem Jahr 1844 und existiert somit vier Jahre länger als der 1848 gegründete Bundesstaat. Der Weg führt beim Grenzstein nach rechts. Von nun an geht es fast nur noch bergab oder geradeaus.

6 Guggehürli Etwa 200 Meter nach dem Grenzstein steht am linken Strassenrand ein gelber Wanderwegweiser, der zu ignorieren ist. Wer diesem Wegweiser dennoch folgt, gelangt auf einem steilen Pfad hinunter nach Seelmatten und dann in östlicher Richtung zum Bichelsee. Die hier beschriebene Wanderung hingegen führt weiter auf der befestigten Naturstrasse in Richtung Guggehürli. Hoch über dem Gebiet thronte einst die Burg Neu Bichelsee. Nach einem steilen Abstieg biegt die Strasse nach rechts ab und führt nun durch den Wald in Richtung Niederhofen-Höfli. Von weitem sieht man den Bichelsee, gelangt aber nicht an dessen Ufer.

7 Niederhofen Bald ist der Wald verlassen und es weitet sich der Blick auf den in der Eiszeit entstandenen Bichelsee und das Dorf gleichnamige. In Niederhofen lädt der «Löwen» zur Einkehr. Wer danach nicht mehr weiter gehen mag, kann hier den Bus nehmen. Wer aber noch bei Kräften ist, sollte die letzten knapp zwei Wanderkilometer geniessen.

8 Entlang Seebach Der Weg führt dem Seebach entlang direkt nach Bichelsee, dem Ausgangspunkt dieser Wanderung.

9 Bichelsee, Zentrum Zurück am Ausgangspunkt angelangt, findet diese Wanderung ihren Abschluss.