WANDERSCHAFT: Sehnsucht: Ferne

Mike Bumbacher aus Wiezikon ist unterwegs – zu Fuss, per Anhalter, ohne Handy und ohne Geld. Der 22-Jährige ist auf der Walz. Wo er sich gerade befindet, ist streng geheim – selbst für das nahe Umfeld.

Christoph Heer
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Mike Bumbacher (rechts) wurde von Benedikt Schuster abgeholt. Drei Jahre und einen Tag wird er weltweit auf Wanderschaft – der Walz – sein. (Bild: Christoph Heer)

Mike Bumbacher (rechts) wurde von Benedikt Schuster abgeholt. Drei Jahre und einen Tag wird er weltweit auf Wanderschaft – der Walz – sein. (Bild: Christoph Heer)

Christoph Heer

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@wilerzeitung.ch

Mike Bumbacher ist auf und davon. Nicht einmal seine Familie weiss, wo er sich zurzeit befindet. Der 22-jährige Hinterthurgauer hat Wiezikon verlassen und darf während zweier Monate keinen Kontakt zu seinen Angehörigen haben. Drei Jahre wird er – sofern nichts Aussergewöhnliches dazwischenkommt – auf Wanderjahren, auch bekannt als Wanderschaft, Walz oder Tippelei, sein. An strenge Vorschriften hat man sich dabei zu halten, dessen war er sich von Anfang an bewusst. «Aber die Vorfreude war riesig», sagte er. «Neues sehen, neue Freiheiten geniessen, neue Techniken aneignen und einfach unterwegs sein, das ist es, auf was ich mich am meisten freue.»

Mike Bumbacher wollte schon immer auf Reisen gehen, nun kombiniert er diesen Wunsch gleich mit einer dreijährigen Wanderzeit. Die ersten Wochen wird er nicht alleine sein, wenn er auch mal im Freien übernachten wird, denn – und so gehört sich das als Mitglied einer Zunft – er wurde abgeholt von Benedikt Schuster.

Tränenreicher Abschied

Dieser befindet sich bereits seit anderthalb Jahren auf der Walz und gehört der Rolandschacht, einer Vereinigung von Bauhandwerksgesellen, an. «Ich werde Mike die besonderen Rituale unserer Zunft näherbringen und ihn in den ersten Wochen begleiten, auch um zu schauen, ob es funktioniert», erklärte der Oberbayer. Mike Bumbacher wird auf seiner Wanderschaft vieles erleben. Schönes und vielleicht auch weniger Schönes, wie er sagt. Doch genau dieses Ungewisse, die Freiheit, das Abenteuer – «das reizt mich».

Als er sich von seiner Familie losgesagt hatte, liess er unter anderem auch sein Natel zu Hause. Es ist verboten, eines mit dabei zu haben. Ebenso darf ein Wandergeselle keine Schulden und keine Kinder haben. «Auch verheiratet darf man nicht sein. Ebenso muss man Gewerkschaftsmitglied sein, einen Lehrabschluss haben und darf noch nicht 28-jährig sein», sagt Bumbacher. Er hat sich im Vorfeld intensiv mit den Gepflogenheiten einer Gesellenwanderung auseinandergesetzt, umso überzeugter schien er vor der Abreise von seinem Vorhaben zu sein.

Von Europa bis nach Argentinien

Dies unterstrichen auch etliche Rückmeldungen, die Bumbacher im Vorfeld von anderen Wandergesellen erhalten hat. «Die meisten schwärmten von dieser Zeit und sagten, es wäre die schönste ihres Lebens gewesen», sagt er. Drei Jahre und ein Tag sind eine sehr lange Zeit. Da verwundert es also kaum, dass die eine oder andere Träne beim Abschied geflossen ist.

Nach zwei Monaten darf Mike Bumbacher besucht werden, dies aber nur ausserhalb des Sperrgebietes. Sein Geselle Benedikt Schuster weiss, dass Besuche wichtig sind, und betont aber gleichzeitig, dass es nicht immer einfach sein wird. «In meiner Wanderschaft war ich schon in ganz Europa, Chile und auch ­Argentinien unterwegs, man kommt also weit herum», sagt er augenzwinkernd und freut sich auf die Zeit mit dem Wieziker Wandergesellen.

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