Mit Schwamm und Pinsel bearbeitet: Wandbild erblüht in alter Pracht

Corina Rutishauser hat das Wandbild im Altbau des Sekundarschulhauses Schöntal restauriert. Wenn der Unterricht nächste Woche beginnt, präsentiert es sich wieder so wie 1952 bei der Einweihung des Schulhauses.

Tobias Söldi
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Ohne Gerüst geht es nicht: Corina Rutishuser vor Albert Saners Wandgemälde. (Bild: Tobias Söldi)

Ohne Gerüst geht es nicht: Corina Rutishuser vor Albert Saners Wandgemälde. (Bild: Tobias Söldi)

Staubige Luft, Kritzeleien von verliebten Schulkindern, Risse und Krätze – Albert Saners grosses Wandgemälde im Sekundarschulhaus in Uzwil musste in den letzten 65 Jahren einiges über sich ergehen lassen. «Durch die Ablagerungen ist es etwas dunkel und stumpf geworden», sagt Corina Rutishauser. Die Thurgauerin hat das Gemälde des Ostschweizers während der letzten zwei Wochen restauriert. Jetzt präsentiert sich das Wandbild wieder in alter Pracht, so wie es sich 1952 den Schülerinnen und Schülern zeigte, als das Sekundarschulhaus eröffnet worden ist.

Albert Saners Werk zeigt über zwei Stockwerke verschiedene wirtschaftliche Aspekte der Gemeinde, von der Industrie bis zur Landwirtschaft. Ein Zug fährt ein, Pferde ziehen einen Wagen mit Baumstämmen den Weg entlang, Schaulustige stehen herum. «Mir gefällt, dass so viel los ist auf dem Bild», sagt die 33-jährige Restauratorin. Besonders begeistert hat sie ein tierisches Kuriosum: Ein Herr mit einem Äffchen auf den Schultern, lange versteckt hinter einer Pflanze, die vor der Wand stand.

Erhalten, nicht erneuern

Den Anfang jeder Restauration macht die Reinigung. Zentimeter für Zentimeter hat sie das Gemälde von Hand mit einem speziellen Schwamm gereinigt. «Man stellt sich die Arbeit eines Restaurators oft mit dem Pinsel vor, aber der wichtigste Teil unserer Arbeit ist eigentlich die Reinigung», erklärt Rutishauser. Beschädigungen der Wand und Risse kittet sie sorgfältig aus. Die ausgekitteten Stellen und hartnäckige Kritzeleien mit Kugelschreiber, die sich nicht entfernen liessen, übermalt sie sorgfältig. Auf einen Stück Karton trägt Rutishauser ihre Farbmischung auf und trocknet sie dann mit einem kleinen Föhn, um sie mit der ursprünglichen Farbe an der Wand zu vergleichen. Die Restauratorin geht sehr zurückhaltend mit dem Werk um, die Eingriffe sind nur partiell. «Ich füge einem Bild nichts Neues hinzu. Ziel einer Restauration ist es, das Objekt in seinem ursprünglichen Zustand zu erhalten – und nicht, es zu erneuern oder zu verändern.» Weniger ist mehr, sei einer der grossen Leitsätze unter Restauratoren.

Jeder Auftrag etwas anderes

Corina Rutishauser arbeitet seit zwei Jahren als selbstständige Restauratorin. Gelernt hat die Thurgauerin Vergolderin. Doch schon damals liebäugelte sie mit dem Beruf der Restauratorin. Irgendwann wagte sie den Schritt und meldete sich für das Studium in Bern an. Den Wechsel bereut sie nicht. «Es ist eine tolle Arbeit», sagt sie. Jeder Auftrag sei anders, und es sei ein echtes Privileg, an so alten Kunstwerken arbeiten zu dürfen. «Davor habe ich wahnsinnig viel Ehrfurcht», sagt sie. Ihren Fokus hat die Steckbornerin auf den Bereich Architektur und Ausstattungen gelegt. Sie arbeitet vor allem an Wänden von Kirchen, Schul- oder Privathäusern. «Kürzlich habe ich etwa die bemalte Fassade eines Bündner Berghauses restauriert», führt sie als Beispiel an.

Die Restauration von Saners Werk in Uzwil war flächenmässig eine ihrer bisher grössten Aufgaben. Rutishauser konnte sie alleine stemmen. Wenn die Aufträge aber grösser werden, greift sie auf ihre Kollegen zurück. «Die Branche ist klein, man kennt sich untereinander.» Ihre Auftraggeber sind oft Privatpersonen oder die Denkmalpflege. Für die Restauration im Sekundarschulhaus hat sie allerdings eine Anfrage von der Gemeinde erhalten, denn dort ist sie keine Unbekannte: «Ich habe schon einmal etwas für Uzwil restauriert.»
Bald sind die letzten Stellen retuschiert, und Rutishauser blickt auf das Resultat: «Ich bin ziemlich zufrieden.» Wenn die Schüler ins Schulhaus zurückkehren, werden sie den Unterschied hoffentlich sehen.

Albert Saner

Albert Saner war ein Ostschweizer Maler, Grafiker und Illustrator. Sein Handwerk lernte der 1912 auf dem Rorschacherberg geborene Künstler an der Kunstgewerbeschule St. Gallen. Saner fertigte nicht nur Gemälde und Holzschnitte, sondern auch Mosaike, Gravuren und Zeichnungen an. Das Wandbild in der Sekundarschule in Uzwil konnte aufgrund einer Schenkung der Ersparnisanstalt Niederuzwil umgesetzt werden. Saner gewann den dafür ausgeschriebenen Wettbewerb. 1952 wurde die Schule mit dem Wandgemälde eingeweiht. Albert Saner starb 1986 in Herisau. (tos)