WALLENWIL: Fuchs klaut Turnschuhe

Meister Reineke hat einen Schuhtick und begeht in Wallenwil einen Diebstahl nach dem anderen. Einige Paar Schuhe warten bei der Familie von Heidi und Hansruedi Widmer auf ihre Besitzer.

Christoph Heer
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Da wendet sich sogar die Katze erstaunt ab: Die Wallenwilerin Heidi Widmer mit einem Teil der gestohlenen Schuhe, die auf ihrem Stück Land – meist im Maisfeld nebenan – gefunden worden sind. (Bild: Christoph Heer)

Da wendet sich sogar die Katze erstaunt ab: Die Wallenwilerin Heidi Widmer mit einem Teil der gestohlenen Schuhe, die auf ihrem Stück Land – meist im Maisfeld nebenan – gefunden worden sind. (Bild: Christoph Heer)

WALLENWIL. Es dürften keine Lausbubenstreiche sein. Auch ein von Menschenhand geplantes Vergehen ist unwahrscheinlich. Seit einigen Monaten verschwinden im südlichen und westlichen Teil von Wallenwil Schuhe. Besonders beliebt sind Joggingschuhe, Turnschuhe und Crocs, die zum Durchlüften vor der Haustüre deponiert werden. Tatzeitpunkt ist meistens in der Nacht.

Besonders betroffen war bisher das Gebiet rund um das Stuckli und die Langwiesstrasse bis hinauf zum Risperg. Kaum ein Haushalt, welcher noch alle Schuhe beisammen hat. So haben schon etliche Spaziergänger haufenweise Schuhe angetroffen und sich wohl gefragt, woher die alle stammen. Dass hinter den Diebstählen der Fuchs steht, ist keine Einzigartigkeit. Wiederholt wurden in der Schweiz in Fuchsbauten Schuhberge gesichtet. Vorab in den Kantonen Aargau und Schaffhausen war schon von schuhklauenden Füchsen die Rede. Nun scheinen auch die Hinterthurgauer Rotkittel auf den Geschmack gekommen zu sein.

Verstecken, spielen und nicht zerbissen

Dutzende Schuhe hat Landwirt Urban Schwager in seinem Maisfeld gefunden. «Als ich das letzte Mal gemäht habe, fielen mir immer mehr Schuhe auf. Jedesmal waren es nur einzelne und keine Paare. Ich freue mich schon auf die nächste Maisernte. Da werden wieder viele neue Schuhe auftauchen», sagt er verschmitzt lachend. Das eingesammelte Diebesgut hat er auch schon aufgelesen und dem nächsten Anwohner – der Familie Widmer – an den Gartenrand gelegt.

Heidi Widmer hat zunächst die einzelnen Schuhe weggeworfen, bis ein erstes Mal ein Gegenstück aufgetaucht ist. «Als die ersten Schuhe in meinem Garten auftauchten, dachte ich noch nicht daran, dass es so ein Ausmass annehmen könnte. Mittlerweile sind etliche Paare zusammengekommen. Meistens Turnschuhe.» Da in der näheren Umgebung nichts von einem Fuchsbau bekannt ist, kann davon ausgegangen werden, dass sich Jungfüchse mit den Schuhen im Maisfeld die Zeit vertreiben, damit spielen, bis die Mutter die nächsten Errungenschaften bringt. Die meisten gefundenen Schuhe sind gänzlich heil geblieben.

Heidi Widmer bekommt nur Männerschuhe

Schon viele Leute in Wallenwil sind bestohlen worden. Bei Susanne und Silvan Stadler kamen rotgelbe Laufschuhe abhanden. Bei Marianne und Urs Kobler hat der Dieb ganze Arbeit geleistet. Am Abend stellten sie ein paar Laufschuhe vor die Tür, am Morgen war einer weg, bis am Mittag dann auch der zweite. Dafür wird die Anzahl auftauchender Schuhe bei Heidi Widmer immer grösser. Sie selber bedauert es, dass es sich fast ausschliesslich um Männerschuhe handelt. «Gegen ein schönes Paar Ausgehschuhe hätte ich nichts», sagt sie lachend.