Waldbesitzer zeigen ihr Gesicht

Der Schweizer Wald ist öffentlich – auch in Uzwil. Weniger bekannt ist, dass grosse Waldstücke privaten Eigentümern gehören. Plakate in den Wäldern zwischen Rorschach und Wil sollen sensibilisieren, Müll und Missbrauch fernhalten.

Stefan Etter
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Raphael Lüchinger, Regionalförster der Waldregion 1 (links), erläutert im Vogelsberg-Wald die Bedeutung des Privatwaldes. (Bild: Stefan Etter)

Raphael Lüchinger, Regionalförster der Waldregion 1 (links), erläutert im Vogelsberg-Wald die Bedeutung des Privatwaldes. (Bild: Stefan Etter)

UZWIL. Es ist kalt und still im Vogelsberg-Wald bei Uzwil, nur der Wind rauscht durch die Baumkronen. Leise nieselt der Schnee auf die Tannen, die bereits seit vergangenem Wochenende in weisse Pracht gehüllt sind. Der Wald, ein gut zugängliches und sauberes Refugium der Ruhe und Erholung. Damit dieser Zustand aufrechterhalten werden kann, lanciert der Waldrat des Kantons St. Gallen zusammen mit den Förstern und Waldeigentümern in der Waldregion 1, die von Rorschach bis nach Wil reicht und zu der auch der Vogelsberg-Wald gehört, eine Plakatkampagne.

«Wollen nicht alles zupflastern»

«Mit der Kampagne möchten wir die Bevölkerung für die Bedeutung des Privatwaldes in der Region sensibilisieren», sagte Theo Hürlimann, Vizepräsident des Waldrates des Kantons St. Gallen, gestern an einer Medienorientierung. So werden in den kommenden Tagen 50 Plakate – rund 30 Zentimeter grosse Platten aus Aluminium, die mit einer wetterbeständigen Digitaldruckfolie beklebt sind – in der Waldregion 1 plaziert. «Vor allem an neuralgischen Stellen.» Beispielsweise an Eingängen von Vitaparcours, an Waldwegen oder bei Waldhütten. «Wir wollen nicht alles zupflastern.»

«Herzlich willkommen im Wald. Seien Sie unser Gast!» ist auf den Schildern zu lesen. Den Plakaten ein Gesicht geben fünf Fotos von privaten Waldbesitzern. Ihnen gehört, mit einem Anteil von knapp 60 Prozent, die grösste Fläche der Waldregion 1. Weitere Eigentümer sind der Kanton und die Ortsgemeinden. «Zwar darf gemäss Artikel 699 des Schweizer Zivilgesetzbuches jeder Wald von jedermann im ortsüblichen Umfang und unentgeltlich betreten werden», sagt Hürlimann. «Doch vielfach geht vergessen, dass jeder Wald auch einen Eigentümer oder eine Eigentümerin hat, die den Wald pflegen müssen.

Schutz vor Überschwemmungen

So führen die Plakate den Besuchern vor Augen, dass sie sich im Wald beim Spaziergang oder beim Bräteln erholen können, er sie vor Überschwemmungen oder Steinschlägen schützt, als Sportarena dient, nachhaltigen Werkstoff liefert und Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten bietet. «Um dies zu gewährleisten, müssen die Förster und die Waldbesitzer den Wald fachgerecht pflegen und bewirtschaften», sagt Bruno Cozzio, Revierförster der Waldregion 1. Doch auch die Bevölkerung müsse als Gast des Waldes mitspielen. So heisst der Schlusssatz auf den Plakaten: «Helfen Sie mit, tragen Sie Sorge zum Wald!»

Leider wird dem, laut Raphael Lüchinger, Regionalförster der Waldregion 1, nicht immer Beachtung geschenkt. «Der Artikel 699 ist eine fabelhafte Errungenschaft», betont er. «Allerdings hat das freie Zugangsrecht auch seine Auswüchse.» So komme es vor, dass an nicht offiziellen Grillstellen ein Feuer entfacht wird, Parties veranstaltet werden, Abfälle liegen bleiben, Grüngut deponiert wird und Christbäume gefällt werden.

Ganze Säcke voll Müll

«Ich denke, dass die Leute positiv auf die Plakate reagieren werden», sagt Lüchinger. Auch Ueli Hui, ein auf den Plakaten abgebildeter privaten Waldbesitzer, steht hinter der Kampagne. «Viele Leute sind im Wald unterwegs. Es ist sinnvoll, ihnen mit Plakaten Informationen weiterzugeben.» Ähnlich sieht es Ingrid Markart – ebenfalls auf den Plakaten abgebildet. «Der Wald ist für mich wichtig. Allerdings sammle sie auf Spaziergängen oft sackweise Müll ein. «Deshalb unterstütze ich die Kampagne.»