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Waldbesitzer in Nöten

Der Klimawandel und viele Schädlinge machen die Pflege von Wäldern immer teurer. Vor allem private Besitzer kämen finanziell an Grenzen, sagen Förster. In der Region Wil ist der Wald mehrheitlich in privater Hand.
Lara Wüest
Ein Ungleichgewicht: Viele nutzen den Wald, doch die Pflege ist in den Händen von Wenigen.(Bild: PD)

Ein Ungleichgewicht: Viele nutzen den Wald, doch die Pflege ist in den Händen von Wenigen.(Bild: PD)

Grüne Lunge, Wasserspeicher, Wettermacher – der Wald hat viele Übernamen. Und vielfältig sind die Ansprüche an ihn: Er soll Holz für Häuser und Möbel liefern, die Biodiversität fördern, vor Naturgefahren wie Überschwemmungen schützen, den Menschen zur Erholung dienen. Und manchmal wird er sogar zum Event; etwa dann, wenn Familien in ihrer Freizeit in einem Seilpark durch seine Baumwipfel turnen oder Mountainbiker seine Baumstämme zum Hindernisparcours umfunktionieren. Nutzer hat der Wald viele, seine Pflege liegt aber in den Händen Weniger: den Waldbesitzern. Zum einen sind das die öffentlichen Eigentümer wie Gemeinden, Bürgergemeinden, Korporationen, Kantone oder der Bund. Zum anderen die Privatbesitzer. Sie alle müssten dafür sorgen, dass der Wald in gutem Zustand ist.

Teure Pflege, billige Holzpreise

Doch die Pflege des Waldes ist teuer. Klimawandel, Schädlinge wie Borkenkäfer oder Stürme setzen den Bäumen zu und richten Schäden an. Das Holz dagegen ist billig. «Die Waldpflege lässt sich mit dem Erlös aus dem Holzverkauf fast nicht mehr decken», sagt Raphael Lüchinger. Er ist Regionalförster der Waldregion 1 im Kanton St. Gallen, zu der auch die Wiler Wälder gehören. Der Wald stellt seine Besitzer immer mehr vor finanzielle Probleme. Das sagen zumindest die Förster. «Die Waldwirtschaft ist mittlerweile eher ein Verlustgeschäft», sagt Lüchinger. Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da: Im Kanton Aargau lancierten Förster zusammen mit Ortsbürgergemeinden und der Holzwirtschaft eine Initiative, in der sie den Kanton aufforderten, künftig 25 Franken pro Einwohner an die Waldbesitzer zu bezahlen, eine Art Eintrittspreis für den Wald also. Die Initiative hatte keine Chance, das Volk lehnte sie deutlich ab.

Mehr Geld vom Kanton gefordert

Bei Förstern und Waldbesitzern aus der Region Wil und dem Kanton St. Gallen stösst das Vorhaben der Initianten dagegen auf offenere Ohren. Renaldo Vanzo ist Betriebsleiter der Ortsgemeinde Wil und für die Pflege des Waldes der Ortsgemeinde zuständig. Diese besitzt 430 Hektaren davon. Er sagt: «Auch die hiesigen Waldbesitzer bräuchten mehr Unterstützung für öffentliche Waldleistungen.» Vor zwei Jahren reichten Vertreter von Waldbesitzern aus dem St. Galler Kantonsrat ein Postulat ein, mit dem sie den Kanton und die Gemeinden bei der Finanzierung der Waldpflege mehr in die Pflicht nehmen wollen. Mit dem Bericht, den die Regierung zu diesem Postulat verfasste und der in der nächsten Session vom Kantonsrat diskutiert werden soll, sind die Waldbesitzer jedoch nicht zufrieden. «Die Regierung nimmt unsere Probleme zu wenig ernst», sagt Renaldo Vanzo.

Die Fachleute unterschieden zwei Arten der Waldbewirtschaftung: Die erste umfasst die Holzerei und den Holzverkauf. Davon profitieren einzig die Waldbesitzer. «Für diese Kosten», sagt Renaldo Vanzo, «sollte die Waldbesitzer selber aufkommen.» Zur zweiten Art der Waldbewirtschaftung zählt die Waldpflege, die auch der Öffentlichkeit zugutekommt. Etwa wenn jemand junge, klimaresistente Bäume zur Bekämpfung des Klimawandels pflanzt. Oder, wenn er Waldwege für die Allgemeinheit unterhält. Für solche Unterhaltskosten fordert Vanzo mehr Unterstützung vom Kanton: «Für die Sicherheit der Jogger sollten nicht die Waldbesitzer bezahlen müssen.»

Wiler Wälder gehören Privaten

Die Probleme der Wiler Waldwirtschaft sind mit denjenigen in anderen Schweizer Gebieten vergleichbar. Doch die Region weist eine Besonderheit auf, welche die Situation verschärft: Über 70 Prozent der Wälder in den Forstrevieren Wil, Uzwil, Flawil, Oberbüren, Magdenau und Kirchberg sind in privater Hand. Auf die gesamte Schweiz gesehen sind es nur 30 Prozent. Letzteres geht aus einer neuen Analyse des Bundesamtes für Umwelt hervor. Der Grund für die grosse Anzahl privater Besitzer liegt in der Vergangenheit: «Viele Bauern besassen früher ein Stück Wald um den Hof, das sie dann an ihre Nachkommen vererbten», sagt Lüchinger. Viele kleine Waldstücke, verteilt auf private Besitzer, so sieht die Wiler Waldlandschaft aus. Und das hat Folgen: «Private nutzen das Holz in ihren Wäldern zu wenig», sagt Lüchinger, «die Wälder drohen instabil zu werden und zu überaltern.» Und merkt an, dass Privatbesitzer nur dann ihre Bäume fällen, wenn der Holzpreis hoch genug ist und unter dem Strich Geld übrig bleibt.

Nichts tun statt Bäume fällen

Auch Heinz Engler macht diese Beobachtung. Er ist Geschäftsführer des Waldwirtschaftsverbandes St. Gallen und Liechtenstein, der sich für die Anliegen privater Waldbesitzer einsetzt. Er sagt: «Viele Leute, die Wald besitzen, haben diesen geerbt und sind nicht mehr in der Landwirtschaft tätig.» Heutige Waldeigentümer besitzen also keine Geräte mehr, mit denen sie Bäume fällen, beschneiden oder transportieren können. «Um den Wald zu pflegen, müssen sie jemanden dafür engagieren», sagt Engler. Und das sei teuer. Die Folgen: «Die Waldbesitzer entscheiden sich, nichts zu tun.» Konsequenzen hat das keine, denn gesetzlich verpflichtet, seinen Wald zu pflegen, ist niemand.

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