Wahlkampfauftakt links und rechts der SBB-Gleise

Gleichzeitig, wenn auch nicht gemeinsam, starteten die Flawiler Ortsparteien SP und SVP am Donnerstag ihren Nationalratswahlkampf. Die Sozialdemokraten boten ein abendfüllendes Programm mit allen Kandidierenden, während die SVP auf politische Kost mit Mike Egger und Lukas Reimann setzte.

Andrea Häusler
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Die SP-Ortspartei Flawil präsentierte am Donnerstagabend sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten für das Bundesparlament. (Bild: pd)

Die SP-Ortspartei Flawil präsentierte am Donnerstagabend sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten für das Bundesparlament. (Bild: pd)

FLAWIL. Film? Theater? Oder einfach Grillabend? Die SP bot am Donnerstagabend von allem einiges. Videosequenzen mit Statements jener zwölf St. Galler Kandidatinnen und Kandidaten etwa, die sich auf der Liste 9 um einen Sitz im Bundesparlament bemühen. Aber auch Referate der bisherigen Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedel sowie Ständerat Paul Rechsteiner: ganz nach dem Motto «Die SP im Bild». Wobei die Kandidierenden tatsächlich nicht bloss bildlich präsent waren. Der Ortspartei Flawil war es gelungen, sämtliche Nationalratskandidatinnen und -kandidaten ins Lindengut zu bringen. Eine beachtlich organisatorische Leistung angesichts der bereits heute vollen Terminkalender sämtlicher Amtsanwärter. Und schade, dass die aufwendig gestaltete Videoschau nur einmal gezeigt wurde und nicht als Wahlkampf-Präsentation auf kantonale Tour geht, wie später bei Grillwurst, Brot und Quöllfrisch wiederholt bedauert wurde.

Die Abwahl des Potwals

Ins Bild oder besser in Szene setzte sich schliesslich das Improvisationstheater «Ross und heiter» – politisch, aber auch ganz unpolitisch. «Wahlen» war nur ein Stichwort, das die Flawiler Impro-Künstlerinnen und -künstler kreativ und amüsant aufbereiteten: Wahl, das bedeutet Potwal? Blauwal? Auswahl? Abwahl? Oder hat zu tun mit wählen? Zwischen Erdbeerglace und Schokoladeneis etwa, oder der Wählscheibe auf alten Telefonen? Verhörszenen, Filmszenen – «Ross und heiter» verstehen es – unabhängig vom jeweiligen Publikum – den richtigen Ton zu treffen, die passenden Worte und Gesten zu finden, um ganz einfach zu unterhalten.

Zeichen setzen

Politisch informativ, aber durchaus auch unterhaltsam, ging es derweil einen Steinwurf entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der SBB-Gleise im Zentrum Feld zu, wo die SVP – gemäss dem Abendmotto – Zeichen setzte. Dies mit zwei Referenten: Kantonsrat und Nationalratskandidat Mike Egger und Nationalrat Lukas Reimann. Beide Politiker berichteten aus den jeweiligen Sessionen und mischten sich hernach unters Stimmvolk an den Tischen. «Bitte, liebe Leute, besucht diesen Anlass, wir möchten ein Zeichen setzen und zeigen, dass mehr als zehn oder zwanzig Interessierte anwesend sein können», war in der Einladung zum Flawiler Partei-Anlass zu lesen gewesen.

Das Ziel wurde erreicht, übertroffen sogar. Um die vierzig Frauen und Männer dürften es gewesen sein, die den beiden Kandidaten auf den Zahn fühlen oder diese einfach live erleben wollten. Ähnlich viele, wie die Sozialdemokraten für ihren gleichzeitigen Anlass zu mobilisieren vermocht hatten. Zumindest hinsichtlich der Besucherzahlen: kein Unterschied zwischen links und rechts.