Wahlkampf beim Stammtisch

Für den freien Sitz im Kirchberger Gemeinderat zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Joachim Harder (SVP) und Donat Ledergerber (SP) ab. Anlässlich eines öffentlichen Podiums sprach die Wiler Zeitung mit den beiden Kandidaten.

Silvan Meile
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Podiumsdiskussion in der «Eintracht»: Joachim Harder (SVP), Moderator Sebastian Keller und Donat Ledergerber (SP) sprachen über den bevorstehenden zweiten Wahlgang für den Sitz im Gemeinderat (v.l.). (Bild: sme.)

Podiumsdiskussion in der «Eintracht»: Joachim Harder (SVP), Moderator Sebastian Keller und Donat Ledergerber (SP) sprachen über den bevorstehenden zweiten Wahlgang für den Sitz im Gemeinderat (v.l.). (Bild: sme.)

KIRCHBERG. 40 Personen fanden sich am Montagabend im Restaurant Eintracht ein. Dort stellten sich in einer Podiumsdiskussion die verbleibenden zwei Kandidaten für die Ersatzwahl in den Kirchberger Gemeinderat den Fragen des Redaktors der Wiler Zeitung Sebastian Keller.

Die Ausgangslage für die Wahl vom 27. November könnte kaum spannender sein. Im ersten Wahlgang lagen die beiden Anwärter für das Amt im Gemeinderat lediglich 27 Stimmen auseinander. Wer am Montagabend in der «Eintracht» aufgrund dieser Brisanz einen offenen Schlagabtausch zwischen dem 44jährigen Schulleiter Donat Ledergerber (SP) und dem 39jährigen Landwirt Joachim Harder (SVP) erwartete, wurde nicht belohnt. In der sachlich geführten Diskussion herrschte oftmals Einigkeit zwischen den beiden Kandidaten, allerdings mit nuancierten Differenzen.

Keine reine Personenwahl

Ledergerber strich seine politische Erfahrung und Einflussnahme im Kantonsrat als persönlichen Vorteil hervor und liess nicht unerwähnt, dass in der Gemeinde Kirchberg «18 Prozent linksgrüne Wähler» nicht in der Exekutive vertreten seien. Die SP sei die drittgrösste Partei im Tal, aber auch in der Gemeinde Kirchberg. Diese Tatsache ergebe mit Blick auf die Konkordanz einen «legitimen Anspruch» auf einen Sitz in der Kirchberger Exekutive. Ausserdem sei es nicht zuletzt während der bevorstehenden «zweiten Sparwalze» des Kantons für die Gemeinde Kirchberg wichtig, eine Vertretung im Kantonsrat zu haben. Seit dem Rücktritt des Gemeindepräsidenten aus dem Kantonsrat sei dies nicht mehr der Fall. Harder hingegen unterstrich, in Kirchberg aufgewachsen zu sein, und äusserte sein Selbstverständnis als Vertreter der bürgerlichen Seite und des Gewerbes. Für seine Partei sieht er den Anspruch auf die Rückeroberung des verlorenen zweiten Sitzes. Damit wurde auch deutlich, dass es sich bei der Kampfwahl um den Sitz im von der CVP und FDP dominierten Gemeinderat nicht um eine reine Personenwahl handelt, obwohl sie von Harder und Ledergerber zuvor noch als solche bezeichnet wurde.

Arbeitsplätze ja, aber…

Sebastian Keller, selber in Kirchberg aufgewachsen und wohnhaft, wollte als Moderator die Ansichten der beiden Kandidaten zu einer ganzen Palette an Themen erfahren. So beispielsweise auch über die Arbeitsplatzsituation in der Gemeinde. Ledergerber betonte dabei, dass die Gemeinde erfreulich viele Arbeitsplätze ausweise. Er verwies aber auf die Schwierigkeiten, die durch das Fehlen von hochqualifizierten Arbeitsplätzen entstünden. Dabei erwähnte er die soziale Durchmischung in Bazenheid, die besser werden müsse. Sein Kontrahent von der SVP bezeichnete die angesiedelte Industrie und die daraus generierten Arbeitsplätze als wichtig. Nicht nur Ansiedelung müsse unterstützt werden, sondern auch die bestehenden Firmen – allen voran das lokale Gewerbe. Ausserdem biete der Zonenplan die Möglichkeit, nebst Arbeitnehmern auch «attraktive» Steuerzahler anzuziehen. Harder zog unter diesem Aspekt die Gemeinde Zuzwil als Beispiel heran. Diese wiederum bezeichnete Ledergerber als schlechtes Beispiel, da Zuzwil andere Probleme wie beispielsweise die Schule habe.

Diskussion um einen Saal

Zum Schluss der rund eineinhalb Stunden dauernden Diskussion sprach der Moderator noch das Projekt Gemeindesaal an. Harder sah diesbezüglich vor allem ein Bedürfnis seitens der Vereine ausgewiesen. Ledergerber erwähnte die Bürgerversammlungen, die statt in einem Gemeindesaal noch in der Kirche stattfinden. Harder appellierte zu einer vertieften Auseinandersetzung der Bevölkerung zu Themen wie Verkehr oder Standort des geplanten Saals und erhielt die Zustimmung des Sozialdemokraten. Dieser sah dann aber die Anbindung des Saals an einen Betrieb – den «Toggenburgerhof» – «als problematisch». Diesbezüglich stellte er die Frage, weshalb denn die Gemeinde den Saal bauen müsse, den sie selbst kaum brauche.

Zum Schluss des Podiums bot sich auch dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei wurde deutlich, wie sehr ein Gemeindesaal den Kirchbergern unter den Nägeln brennt. Die beiden Kandidaten wurden aber auch gefragt, in welchen Themengebieten sie sich gerne für die Gemeinde einsetzen würden. Joachim Harder sieht dabei seine Stärken bei Bau, Gewerbe, Landwirtschaft und Energiepolitik. Ledergerber würde sich gerne in der Jugend- und Alterspolitik und ebenfalls in der Energiepolitik engagieren.

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