Analyse

Wahlen in Wil: Weshalb die SVP mit der Nomination von Ursula Egli vieles richtig gemacht hat - und auch SP-Stadtrat Dario Sulzer sich freuen darf

Die Nominationen für die Stadtrats- und Stadtpräsidiumswahlen sind bekannt. Mit insgesamt zehn Kandidaturen ist die Ausgangslage äusserst spannend. Eine Analyse der Ausgangslage vor dem ersten Wahlgang am 27. September.

Gianni Amstutz
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Gianni Amstutz, Redaktor Wiler Zeitung.

Gianni Amstutz, Redaktor Wiler Zeitung.

Bild: hs

Nun stehen sie also fest, die Kandidaturen für den Stadtrat und das Stadtpräsidium. Besonders erfreulich für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger: Selten zuvor eine derart grosse Auswahl bot.

Sechs Personen kandidieren für den Stadtrat, hinzukommen vier Männer, die Stadtpräsident werden wollen und aufgrund des neuen Wahlmodus auch als Stadträte gewählt werden müssen.

Gewonnen ist in dieser frühen Phase zwar noch nichts, die SVP hat sich aber in eine gute Ausgangslage gebracht. Mit der Nomination von Ursula Egli hat sie vieles richtig gemacht.

Auch wenn sie hauptsächlich mangels Kandidierender niemanden fürs Stadtpräsidium nominiert hat, muss der Partei die Einzelkandidatur nicht zum Nachteil gereichen. Denn der Anspruch der SVP als zweitstärkste Partei auf eine Vertretung im Stadtrat ist unbestritten.

FDP und CVP wollen je zwei Sitze

Anders sieht es bei der FDP und der CVP aus. Sie peilen gleich zwei Sitze an – obwohl ihr Wähleranteil vergleichbar mit jenem der SVP ist. Die FDP will mit Daniel Meili das Stadtpräsidium erobern und mit Jigme Shitsetsang eine zweite Vertretung im Stadtrat.

Bei der CVP soll Hans Mäder das Stadtpräsidium verteidigen und Beat Gisler soll dafür sorgen, dass die alte Ordnung mit zwei CVP-Vertretern im Gesamtstadtrat wiederhergestellt wird.

Rein rechnerisch hätten die Parteien Anspruch auf je einen Sitz. Arithmetisch gesehen würden 20 Prozent Wähleranteil einem Mandat im Stadtrat entsprechen.

Die CVP kam bei den letzten Wahlen auf 22,7 Prozent, die FDP auf 19 Prozent. Auch wenn bei Regierungswahlen eher Personen als Parteien im Vordergrund stehen, wirkt es etwas vermessen, mit diesem Wähleranteil eine Doppelvertretung anzustreben.

Für Ursula Egli spricht die Frauenfrage

Eglis Nomination ist nicht nur aus rein rechnerischen Gründen naheliegend. Neben der amtierenden Schulratspräsidentin Jutta Röösli ist Ursula Egli die einzige Frau, die sich zur Wahl stellt.

Gerade die Linken werden nicht müde, auf eine angemessene Vertretung der Geschlechter in politischen Ämtern zu pochen.

Deshalb dürfte es den Linken schwerfallen, Stimmung gegen die SVP-Kandidatin zu machen.

Sonst dürften sie sich zweifellos der Frage ausgesetzt sehen, wie ernst es ihnen mit der Geschlechtergerechtigkeit ist.

Eine Wahlempfehlung für Ursula Egli wird man von linker Seite aller Voraussicht nach trotzdem nicht hören. Vom Format her ist sie eher eine hemdsärmelige Hardlinerin im Stil eines Adrian Amstutz.

Weit weg also von allem, was Linke für eine akzeptable SVP-Vertreterin halten würden – so es denn eine solche überhaupt gäbe.

Nur wenig Konkurrenz auf der linken Seite

Griesgrämig müssen die Linken – besonders die SP – ob des klugen Schachzugs der SVP nicht werden. Dario Sulzer ist nämlich ebenfalls ein Gewinner der Nominationsphase. Mit Daniel Stutz hat er lediglich einen Mitstreiter im linken Lager. Zum Vergleich: Von Mitte bis rechts tummeln sich ganze acht Kandidaten.

So ist es Sulzer zuzutrauen, das absolute Mehr für die Wahl zum Stadtrat bereits im ersten Wahlgang zu erreichen. Als Gewählter könnte er in diesem Fall unbeschwert in den zweiten Wahlgang ums Stadtpräsidium gehen, auch wenn dabei ein Erfolg im bürgerlichen Wil ausser Reichweite scheint.

Daniel Stutz von den Grünen Prowil wird es als zweiter linker Kandidat etwas schwerer haben. Vor vier Jahren gelang ihm die Wahl äusserst knapp. Er lag nur acht Stimmen über dem absoluten Mehr. Damals dürfte Stutz auch von der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Baudepartement und mit dessen Vorsteher Marcus Zunzer profitiert haben.

Nun richtet sich diese Unzufriedenheit über das Baudepartement gegen Stutz. So dürfte er dieses Mal Mühe bekunden, Wählerinnen und Wähler aus der Mitte von sich zu überzeugen. Darauf deutet zumindest die unablässige Kritik von CVP-, FDP- und SVP-Vertretern hin.

Parteilose mit intakten Chancen

Dass es für die CVP und FDP mit ihren Doppelkandidaturen schwierig werden dürfte, liegt auch an den drei valablen parteilosen Kandidierenden, die sich der bürgerlichen Mitte zuordnen.

Als amtierende Schulpräsidentin geht Jutta Röösli aus einer guten Position ins Rennen. Im Gegensatz zu Ursula Egli ist sie auch für linke Wählerinnen und Wähler wählbar. Dies dürfte ihr einige Stimmen einbringen. Stichwort: Frauenfrage.

Mit Andreas Breitenmoser und Oliver Baumgartner stellen sich zwei Unternehmer der Wahl. Gerade von bürgerlicher Seite war immer wieder eine Vertretung des Gewerbes im Stadtrat gefordert worden. Darin dürfte die Chance dieser beiden Kandidaten liegen. Ausserdem sind beide gut vernetzt in Wil.

Bei Breitenmoser kommt hinzu, dass er sich sozialpolitisch links positioniert. Damit dürfte er eine breite Wählerschaft ansprechen. Jede Stimme, die an einen der beiden geht, wird zu Lasten der anderen bürgerlichen Kandidierenden gehen.

Freudensprünge dürfte man bei der CVP, der FDP und der SVP ob dieser Kandidaturen jedenfalls keine gemacht haben.

Angesichts der Anzahl Kandidierender wird es im ersten Wahlgang darum gehen, sich mit einem guten Ergebnis für den zweiten Wahlgang zu empfehlen.

Dannzumal könnten weitere Kandidaten ins Rennen eingreifen. Ein erster lauert mit FDP-Politiker Christof Gämperle bereits. Seine Aussage «aktuell nicht zur Verfügung» zu stehen, ist nichts weniger als eine Kampfansage an die Kandidierenden des ersten Wahlgangs.

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Bild: PD