Scherrer gegen Grob Braun: Duell um Degersheimer Gemeindepräsidium im letzten Moment geplatzt

Der Schlagabtausch der beiden Kandidatinnen für das Gemeindepräsidium hatte Spannung und aufschlussreiche Erkenntnisse versprochen. Viele hatten sich den Freitagabend allein deshalb für den Besuch des Wahlanlasses im Oberstufenschulhaus reserviert. Doch es kam anders.

Andrea Häusler
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Gesprächsrunde statt Podiumsdiskussion: Degersheims Kandidierende stellten sich in einer lockeren Kennenlernrunde vor.

Gesprächsrunde statt Podiumsdiskussion: Degersheims Kandidierende stellten sich in einer lockeren Kennenlernrunde vor.

Bild: ahi

Ein hörbares Raunen ging durch die Reihen, als die Präsidentin des organisierenden Vereins ««Tegerscher Platzgspröch», Estherina De Stefano, in der Begrüssung bekannt gab: «Daniela Grob Braun wird nicht anwesend sein.» Die Herausfordererin der amtierenden Gemeindepräsidentin Monika Scherrer hatte sich wegen Fiebers kurzfristig abgemeldet. «Schade: für uns, aber auch für sie», kommentierte halblaut eine Frau. Viele quittierten die Aussage mit einem bestätigenden Kopfnicken.

Grob Braun fehlte. Dafür waren die anderen Gemeinderäte und jene, die es werden möchten fast vollständig da. Und für die Lücken in den Reihen des Schulrats waren nicht die Kandidierenden, sondern die Veranstalter verantwortlich: Man hatte nicht alle eingeladen.

Kommunikationskultur in der Kritik

Obwohl unter suboptimalen Voraussetzungen lanciert, entwickelte sich die Wahlveranstaltung zu einem regen Austausch zwischen Stimmberechtigten und Kandidierenden. Die ungezwungene Atmosphäre war nicht zuletzt dem Konzept geschuldet. Statt distanziert auf einem Podium, sassen die aktuellen und vielleicht künftigen Mandatsträger im Kreis des Publikums, sprachen über sich, ihre Motivation zur Kandidatur und beantworteten die Fragen aus der kleinen, aber interessierten Runde. Wobei auch die Gelegenheit zu Kritik genutzt wurde.

Die Behörden kommunizierten kaum mehr mit der Bevölkerung, bemängelte eine Frau. Beschlüsse würden ohne öffentliche Diskussion im stillen Kämmerlein getroffen und seien deshalb schwerer nachvollziehbar. Monika Scherrer wiederholte ihre allzeitige Gesprächsbereitschaft. Zwar sei oft im Dorf anzutreffen, aber keine abendliche Beizengängerin. Im Gegensatz zu vielen Räten, die ihr so quasi als Informationssystem dienten.

Mehr Information? Eine ältere Dame fragte mit Blick in den Saal nüchtern: «Wo sind denn die Leute, die das wollen?» Die Zufriedenheit sei halt grundsätzlich hoch, war man sich einig und begründete damit auch die tiefe Teilnehmerzahl an der Wahlveranstaltung.

Steuerfuss bleibt das Thema schlechthin

Damit das Wohlbefinden bleibt, will Gemeinderatskandidat Beat Stark (parteilos) den familienfreundlichen Charakter der Gemeinde bewahren und, vom Steuerfuss unabhängig, eine ausgeglichene Rechnung sehen. CVP-Gemeinderat Patrick Gemperle hingegen machte klar: «Der Steuerfuss ist ein Manko». Worauf Stefano Calore, Kandidat der SVP für den Gemeinderat, relativierte: «Die Steuerlast ist zwar hoch, dafür sind die Mieten und Liegenschaftspreise tief.» Mit der Ansiedlung weiterer Firmen möchte er Steuerzahler nach Degersheim locken. So einfach sei das allerdings nicht, räumte Monika Scherrer ein. Denn gemäss der Strategie des Kantons stünden Degersheims Chancen dafür schlecht. Wobei die gut 4000-Einwohnergemeinde mit rund 1800 Arbeitsplätzen sehr gut bedient sei. Dies bestätigte die parteilose Gemeinderatskandidatin Susanne Tobler, die von einem Ausbau der Industrie zusätzlichen Verkehr befürchtet.

Stärken, was man hat. Dies ist auch die Devise von SVP-Gemeinderätin Vreni Roth, die klar machte: «Belebte Geschäfte und ein starkes Gewerbe tragen ebenfalls zur Lebensqualität bei.»

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