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Wärme aus der Ferne

Bis ins Jahr 2050 möchte der Wiler Stadtrat den Wärmebedarf zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Zielsetzung ist die künftige Versorgung mit Fernwärme vom ZAB aus Bazenheid.
Hans Suter
Die Leitungen werden in den Boden verlegt, wie hier an der Ifangstrasse in Bazenheid. (Bild: pd)

Die Leitungen werden in den Boden verlegt, wie hier an der Ifangstrasse in Bazenheid. (Bild: pd)

Ökologisch sinnvolles Verhalten setzt nicht erst beim gewissen-beruhigenden Energiesparen an, sondern schon bei der gezielten Verbrauchsverhinderung. Während ein Auto mit Zwölfzylindermotor und sechs Litern Hubraum aus ökologischer Sicht unnötig ist, kann auf das Beheizen von Räumen in der kalten Jahreszeit kaum ganz verzichtet werden. Der Energieaufwand lässt sich aber deutlich reduzieren durch geeignete bauliche und technische Massnahmen sowie sparsames Verhalten. Das Heizen erfordert generell einen hohen Energieeinsatz, weshalb es sich auch ökonomisch lohnen kann, gezielt nach alternativen Lösungen zu suchen.

1,3 Millionen Franken beantragt

Der Wiler Stadtrat setzt dazu neu auch auf Fernwärme. Diese Energieform soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur umweltfreundlichen Wärmeversorgung der Stadt Wil leisten. Für die Detailplanung der Fernwärme Wil bis zum Auflageverfahren beantragt der Stadtrat dem Parlament einen Projektierungskredit von 1,3 Millionen Franken zu Lasten der Investitionsrechnung der Gasversorgung der Technischen Betriebe Wil (TBW). Der Werkkommission ist allerdings nicht ganz wohl dabei, weshalb sie eine Etappierung des Kredits beantragt (siehe weiter unten).

Stadtrat steckt sich ein hohes Ziel

Im Rahmen der Umsetzung des Energiekonzepts soll sich der erneuerbare Wärmebedarf der Stadt Wil (inklusive Abwärme) von heute 6 Prozent bis zum Jahr 2050 auf 80 Prozent erhöhen. «Im Endausbau wird die Fernwärme dannzumal nahezu einen Drittel des Wiler Wärmebedarfs abdecken», hält der Stadtrat in seiner Botschaft an das Parlament fest. «Nebst der Effizienzsteigerung bei den Gebäuden dürfte die Fernwärme als klimapolitische Massnahme den grössten Beitrag zur CO2-Reduktion leisten, mit der Substituierung der fossilen Energieträger Heizöl und Erdgas.» Davon sind die TBW auch finanziell betroffen: Weniger Gasverkauf führt zu weniger Einnahmen und Gewinn. Und davon wiederum ist die Stadt Wil als Eigentümerin der TBW ebenfalls direkt betroffen. Die TBW liefern jährlich etwa 6 Millionen Franken in die Stadtkasse ab; das entspricht aktuell rund zwölf Steuerprozenten.

Gasmenge verringern ohne wirtschaftlichen Schaden

Wohl nicht zuletzt auch deshalb soll mit dem Aufbau der Fernwärme ein kommerzieller Geschäftsbereich der TBW entstehen, analog der heutigen Geschäftsbereiche Strom, Gas, Wasser und Kommunikation. Die Fernwärme Wil müsse folglich nebst dem ökologischen Vorteil auch preislich wettbewerbsfähig sein, um die fossilen Energieträger Heizöl und Erdgas substituieren zu können. Der Bau der Fernwärme Wil wird 50 Millionen Franken an Bruttoinvestitionen benötigen.

Machbarkeit vertiefter Prüfung unterzogen

Blauäugig wollte sich der Stadtrat nicht auf dieses Abenteuer einlassen und hat eine Machbarkeitsprüfung in Auftrag gegeben. Die Resultate zeigen, dass eine wirtschaftlich erfolgreiche Entwicklung der Fernwärme in der Stadt Wil möglich ist. Obwohl noch nicht alle finanzrelevanten Einflussgrössen definitiv seien, zeigten die Studien, dass sich bei einer Gesamtinvestition von 50 Millionen Franken ein positiver kumulierter Cashflow in weniger als zehn Jahren erreichen lasse.
Ein Wärmepreis von zirka 10,5 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) – wie bei der Fernwärme in Bazenheid – sei ebenfalls realisierbar, trotz der Fernwärme-Transportleitung vom Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) nach Wil. Gegenüber Wärmenetzen, die mit Holzheizkraftwerken beheizt werden, bestehe ein deutlicher finanzieller Vorteil aufgrund der bereits vorhandenen Wärme beim ZAB. Der Vergleich des Wärmepreises der Fernwärme mit Wärmegestehungskosten von Gasheizungen, Ölheizungen und Wärmepumpen zeige, dass der Anschluss an die Fernwärme auch finanziell nicht nachteilig sein müsse, besonders wenn der Umstieg von fossilen Heizungen auf Fernwärme zusätzlich gefördert werde.
Die Risiken der Fernwärme Wil befänden sich hauptsächlich auf der Finanz- und weniger auf der technischen Seite, weil die Fernwärmeinfrastruktur als bewährte Technologie mit einer Nutzungsdauer von mehr als 40 Jahren gelte. Die grösste Unsicherheit läge beim kalkulierten Wärmeabsatz, solange keine Kundenzusagen vorliegen. Bei den technischen Risiken stehe die Verfügbarkeit der Wärmelieferung im Vordergrund.

Kommission mahnt zur Vorsicht

Sieht den Antrag der Werkkommission nicht als Misstrauensvotum gegenüber dem Stadtrat: Erwin Böhi, Präsident der Werkkommission. (Bild: PD)

Sieht den Antrag der Werkkommission nicht als Misstrauensvotum gegenüber dem Stadtrat: Erwin Böhi, Präsident der Werkkommission. (Bild: PD)

Der Stadtrat beantragt dem Parlament für die Detailplanung der Fernwärme Wil bis zum Auflageverfahren einen Projektierungskredit von 1300000 Franken zu Lasten der Investitionsrechnung der Gasversorgung der Technischen Betriebe Wil. Der Werkkommission unter dem Vorsitz von Erwin Böhi (SVP) ist aber nicht ganz wohl dabei und sie beschloss einstimmig, folgenden Antrag:«Für die Detailplanung der Fernwärme Wil bis zum Auflageverfahren sei ein Vorprojektierungskredit mit Kostendach von 500000 Franken zu Lasten der Investitionsrechnung der Gasversorgung der Technischen Betriebe Wil zu genehmigen». Die Werkkommission begründet ihren Antrag damit, dass aufgrund der technischen Komplexität und der finanziellen Tragweite des Fernwärmeprojekts die Projektierung etappenweise (Vorprojekt und Bau-/Auflageprojekt) erfolgen soll. Ausserdem hat die Kommission einen umfassenden Fragenkatalog ausgearbeitet, der bei der Ausarbeitung des Vorprojekts zu berücksichtigen ist.

Rückzug des stadträtlichen Antrags denkbar

Es liegt nun am Stadtrat, wie die Diskussion um den Projektierungskredit verlaufen wird. Aktuell stehen sich zwei Anträge gegenüber, jener des Stadtrats über 1,3 Millionen Franken und jener der Werkkommission über 500000 Franken für die erste Projektierungsetappe. «Wir sehen die Etappierung nicht als Votum des Misstrauens gegenüber dem Stadtrat», betont Kommissionspräsident Erwin Böhi. Das dürfte auch der Stadtrat so sehen, zumal Eintreten auf die Vorlage in der Werkkommission unbestritten war. Es ist deshalb denkbar, dass der Stadtrat seinen Antrag zu Gunsten jenes der Werkkommission zurückzieht. (hs)

Parlament tagt öffentlich

Das Wiler Stadtparlament tagt am Donnerstag, 8. November, aber 17 Uhr in der Tonhalle. Die Sitzung ist öffentlich; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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