Vorstoss
Wiler Tourismuspotenzial soll besser genutzt werden

Die Stadt und die Region Wil bieten viele Attraktionen sowie eine gute Lage für Ausflüge. Trotzdem ist es kein Hotspot für Touristen. Das soll sich ändern.

Gianni Amstutz
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Tummeln sich auf dem Wiler Turm bald die Touristen mit ihren Selfiesticks? Geht es nach Stadträtin Urusla Egli sollte Wil sein touristisches Potenzial besser ausschöpfen.

Tummeln sich auf dem Wiler Turm bald die Touristen mit ihren Selfiesticks? Geht es nach Stadträtin Urusla Egli sollte Wil sein touristisches Potenzial besser ausschöpfen.

Bild: PD

Die Coronapandemie hat dem Tourismus weltweit stark zugesetzt. Die Effekte sind auch in der Schweiz spürbar. Die Krise hat aber auch das Potenzial von Gästen aus dem Inland gezeigt. Die Klimaproblematik könnte dieses mittel- bis langfristig noch weiter fördern, wenn mehr Menschen lieber mit dem Zug oder Auto als mit dem Flugzeug in die Ferien reisen.

Ein Potenzial, das es auch in Wil besser zu nutzen gilt, geht es nach Ursula Egli, neugewählte SVP-Stadträtin. Im Herbst hat sie – noch in ihrer Funktion als Stadtparlamentarierin – einen Vorstoss eingereicht. Mit diesem fordert sie den Stadtrat auf, dem Parlament seine Strategie zur touristischen Entwicklung der Stadt und der Region Wil aufzuzeigen.

Hoffnung auf mehr Inlandtouristen

Kulturstadt, Bildungsstadt, Marktstadt: Wo ist der Tourismus? Diese Frage wirft Ursula Egli im Titel ihrer Motion auf. Das Jahr 2020 habe gezeigt, wie wichtig den Schweizerinnen und Schweizern das eigene Land als Feriendestination auf einmal werden könne.

Tatsächlich hat das Bundesamt für Statistik (BFS) festgestellt, dass die inländische Nachfrage im Coronasommer bei den Logiernächten insgesamt um 3,9 Prozent gestiegen ist. Die Ostschweiz schloss mit einem Plus von 2,8 Prozent im Juli und 3,7 Prozent im September ebenfalls gut ab.

Ursula Egli kritisiert in ihrem Vorstoss aber: «Die Stadt Wil mit ihren bemerkenswerten kirchlichen und profanen Bauwerken, mit den Einkaufsmöglichkeiten in der Fussgängerzone und in der Altstadt und mit ihrer gepflegten Gastronomie soll und darf touristisch besser vermarktet werden.»

Wil verdiene es, nicht nur als Autobahnausfahrt wahrgenommen zu werden. Immer wieder wird die gute Lage Wils hervorgehoben, welche die Stadt sowohl als Ziel für einen Tagesausflug als auch als Ausgangspunkt zur Erkundung der Ostschweiz attraktiv machen. Auch Egli erwähnt die Lage Wils als «Kleinstadt zwischen Winterthur und St.Gallen und zwischen Churfirsten und Bodensee».

Geografisch am Rand des Tourismusverbunds

Dies ist aber Fluch und Segen zugleich. So spielte und spielt Wil stets eine Nebenrolle im jeweiligen Tourismusverbund. Früher war Wil bei Toggenburg Tourismus angesiedelt, seit 2016 ist man Mitglied bei St.Gallen-Bodensee-Tourismus.

Im Toggenburg war das touristische Angebot beziehungsweise die Vermarktung nicht schwerpunktmässig auf die Kleinstadt am Rande des Einzugsgebiets ausgelegt, bei St.Gallen-Bodensee-Tourismus hat man mit der Kantonshauptstadt einen Mitbewerber, der mit der Stiftsbibliothek eine ungleich grössere Strahlkraft hat.

Das heisst aber nicht, dass man bei St.Gallen-Bodensee-Tourismus das Potenzial der Äbtestadt nicht erkannt hätte. Vizedirektor Tobias Treichler bezeichnete Wil in einem Artikel in dieser Zeitung im Sommer als «urbaner Geheimtipp neben der Stadt St.Gallen». Werde die inländische Reisetätigkeit auch in den kommenden Jahren weitergehen, habe Wil gute Chancen als solcher wahrgenommen zu werden.

Tourismus soll Gewerbe beflügeln

Für Ursula Egli liegen die Vorteile von einem stärkeren Tourismusangebot in Wil und der Umgebung auf der Hand: Ein touristischer Standort bringe nicht nur dem Standort Wil viel, sondern berge auch für die Region ein grosses Potenzial, ist sie überzeugt.

«Es können Arbeitsplätze geschaffen werden, KMU und Gewerbe könnten profitieren.»

Tatsache sei, dass beim Wiler Gewerbe, bei Wil Shopping und beim Verein Wil Tourismus grosses Interesse bestehe, das unbedingt besser genutzt werden sollte, genauso wie das touristische Potenzial der gesamten Region Wil.

Das Postulat verlangt deshalb vom Stadtrat, einen Bericht mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt Wil im Tourismusbereich zu erstellen. Dabei soll geprüft werden, wie mit bestehenden Organisationen in der Region Wil zusammengearbeitet werden kann. Nebst Vertretern der SVP haben auch einige FDP-Politiker und Grüne den Vorstoss unterzeichnet. Die Antwort des Stadtrats steht noch aus.