Vorhandene Fähigkeiten erhalten

Leben und arbeiten im Wohn- und Pflegeheim (7). Die Betreuung demenzerkrankter Menschen erfordert viel Achtung der Menschenwürde. Die Pflegefachfrauen Erika Breda und Luzia Lengwiler nutzen Kommunikationsmethoden.

Beatrice Oesch
Drucken
Teilen

FLAWIL. Der dritte Stock des Wohn- und Pflegeheims in Flawil ist wie eine kleine Welt für sich. Die Zimmer haben neben ihren Türen kleine Bänke und sind wie an einer Dorfstrasse um einen schön bepflanzten Dachgarten angeordnet. Es gibt mehrere heimelige Aufenthaltsbereiche, einen «Dorfplatz», eine Nostalgieecke. Auf einem Holztisch liegen Spielkarten, Bücher mit Geschichten und Liedern. Daneben steht ein Stubenwagen mit Stoffpuppen.

Durch das grosse Fenster hat man einen herrlichen Blick auf Flawil und den mit Schnee überzuckerten Säntis. Überall trifft man auf Bewohnerinnen und Bewohner, die gemütlich sitzen, umherspazieren oder sich mit verschiedenen Gegenständen beschäftigen. Dabei werden sie vom Pflegepersonal und oft auch von ihren Besuchern betreut. Nur an der Tür nach aussen, die sich mit einem Zahlencode öffnen lässt, erkennt man den geschützten Rahmen der Wohngruppen für Menschen mit Demenz.

Nicht Erledigtes aufarbeiten

Die Pflegefachfrauen Erika Breda und Luzia Lengwiler schätzen die Vielfalt der Herausforderungen in der Betreuung und den engen Kontakt mit den Angehörigen der Bewohnerinnen und Bewohner. «Wir geben Unterstützung bei der täglichen Pflege, beim Essen und Trinken und sorgen für Tagesstrukturen», erklären sie. Während Erika Breda hier in der Demenzabteilung arbeitet, liegt der Arbeitsplatz von Luzia Lengwiler in einer offenen Abteilung einen Stock tiefer, wo auch einige Bewohnerinnen und Bewohner mit leichter Demenz betreut werden. «Besonders wichtig ist uns im WPH Flawil der Respekt und das Achten der Menschenwürde sowie das Erhalten noch vorhandener Fähigkeiten», fügen sie hinzu. Interne Weiterbildungen sind für Pflege- und Betreuungspersonal wichtig und vermitteln Hilfsmethoden wie die Validation zur Förderung der Kommunikation. «So können wir helfen bei der Aufarbeitung von nicht Erledigtem im Leben, können Emotionen reflektieren und uns in die Person hineinfühlen», sagt Erika Breda. «Mit Puppen können wir zum Beispiel Muttergefühle wieder aufleben lassen, auch wenn keine verbale Kommunikation mehr möglich ist.» Luzia Lengwiler ergänzt: «Wir lassen die Bewohnerinnen und Bewohner so viel wie möglich selbst machen; das ist für ihr Selbstwertgefühl sehr wichtig. Ihre Lebensqualität und ihr individuelles Wohlbefinden sind uns ein Anliegen.»

Örgeli und Waldspielgruppe

Beide Pflegefachfrauen arbeiten zu 60 Prozent im WPH Flawil; Erika Breda bereits seit zehn Jahren und Luzia Lengwiler seit einem Jahr. Beide fühlen sich hier sehr wohl und sie haben noch mehr gemeinsam: Beide haben eine Familie, drei erwachsene Kinder und lieben die Natur, Walken und Lesen. Für den Ausgleich zu ihrer Arbeit nehmen sie sich bewusst Zeit. Erika Breda, die in Uzwil wohnt, joggt sehr gerne – vor allem im Wald – und pflegt soziale Kontakte. Und sie verrät schmunzelnd: «Seit einiger Zeit nehme ich Schwyzerörgeli-Stunden und entspanne mich beim Üben.» Luzia Lengwiler pflegt einen grossen Obst- und Gemüsegarten bei ihrem Haus in Andwil. Sie hat eine Katze und drei Hühner, geht oft schwimmen, töpfert und bastelt mit Naturmaterialien. Entspannung findet sie auch im Trubel. «Seit acht Jahren leite ich mit einer Kollegin in Arnegg eine Waldspielgruppe mit bis zu zwölf Dreijährigen. Die Kleinen machen mir einen Riesenspass», berichtet sie lächelnd.

In loser Folge stellt die Wiler Zeitung Menschen und ihre Arbeit im WPH vor. Auch Bewohnerinnen und Bewohner kommen hier zu Wort.

Aktuelle Nachrichten