Vorerst kein Jugendtreff mehr in Degersheim: Die Gemeinde nimmt ihre Jugendarbeit unter die Lupe

Der Degersheimer Jugendtreff wird vorübergehend geschlossen. Der Grund: die stark schwankenden Besucherzahlen

Tobias Söldi
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Im Frühling 2018 ist der Jugendtreff ins Oberstufenzentrum gezogen. Nun schliess er für ein halbes Jahr seine Türen.

Im Frühling 2018 ist der Jugendtreff ins Oberstufenzentrum gezogen. Nun schliess er für ein halbes Jahr seine Türen.

Archivbild: Angelina Donati

«Degersheim organisiert seine Jugendarbeit neu.» Das kündigte die Gemeinde kürzlich in ihrem Mitteilungsblatt an. Per Ende Jahr löst sie die Zusammenarbeit mit der J-eff Jugendarbeit GmbH auf. Das bedeutet auch das Ende des örtlichen Jugendtreffs im Oberstufenschulhaus, der ebenfalls von der J-eff GmbH betreut wird. Das Unternehmen mit Sitz in Bischofszell ist daneben für die aufsuchende Jugendarbeit sowie für Projektarbeiten in Degersheim zuständig. Am Freitagabend, 20.Dezember, öffnet der Treff zum vorerst letzten Mal.

Gemeindeschreiber Andreas Baumann erklärt:

«Die Gemeinde hatte andere Erwartungen hinsichtlich der Flexibilität von J-eff.»
Gemeindeschreiber Andreas Baumann

Gemeindeschreiber Andreas Baumann

Bild: PD

Zum Problem sind die starken, schwierig einzuschätzenden Schwankungen der Besucherzahlen geworden. Mal hätten 20 Jugendliche den Treff aufgesucht, mal bloss drei. Entsprechend seien an einem Tag mehr, am andern weniger Betreuende erforderlich gewesen.

Die Flexibilität fehlt, die Qualität stimmt

Darauf schnell und flexibel zu reagieren, wie es sich die Gemeinde von der J-eff GmbH gewünscht hätte, war dem Dienstleister aber nicht möglich. Baumann nimmt an, dass dies mit fehlenden Kapazitäten zu tun hat. Das hat letztlich zum Entscheid geführt, die Zusammenarbeit zu beenden.

Ob dies tatsächlich der Grund ist, muss allerdings offenbleiben. Die J-eff GmbH war für die «Wiler Zeitung» nicht erreichbar für eine Auskunft. Baumann betont:

«Die Qualität der Betreuungsarbeit hat immer gestimmt.»

Dass der Jugendtreff schlecht liefe, das könne man nicht sagen.

Die Bedürfnisse der Jugendlichen abklären

Wie geht es nun mit dem Jugendtreff in Degersheim weiter? Die Gemeinde nimmt den Bruch zum Anlass, ihre Jugendarbeit genauer unter die Lupe zu nehmen. Das soll unter Einbezugnahme der Jugendlichen passieren. «Sie sind dazu aufgerufen, ihre Bedürfnisse zu äussern», sagt Baumann. Er ist darum zurzeit auf der Suche nach Jugendlichen, die sich auf freiwilliger Basis in diesen Prozess einbringen wollen.

In einigen Treffen sollen Ideen über die Zukunft des Jugendtreffs diskutiert und konkretisiert werden und mit den Möglichkeiten der Gemeinde abgestimmt werden.

«Wir wollten keinen Schnellschuss und einfach mit einer Nachfolgeorganisation genau gleich weitermachen wie bisher.»

Wie das Resultat dieser Neuorganisation aussieht, ist noch offen. Möglich ist, dass die Jugendarbeit in Degersheim erneut an eine externe Organisation ausgelagert wird, aber auch, dass die Gemeinde einen eigenen Jugendarbeiter beziehungsweise eine eigene Jugendarbeiterin anstellt.

Auch offen für Zwischennutzungen

Ebenfalls wird sich zeigen, was für Auswirkungen dieser Schritt auf den Jugendtreff hat. Ein Thema, das für Baumann beispielsweise zu diskutieren ist, sind die Öffnungszeiten. Bis jetzt hatte der Jugendtreff jeweils am Mittwochnachmittag und am Freitagabend geöffnet. «Eine Überlegung wert ist der Gedanke, den Treff weniger regelmässig zu öffnen, dafür jeweils ein spezielles Angebot zu bieten.» Das, hofft er, könnte auch die Schwankungen in den Besucherzahlen abfedern.

Dass der Jugendtreff umzieht, ist wenig wahrscheinlich. Erst im Frühling 2018 ist der Treff vom Feuerwehrdepot in den unteren Stock des Oberstufenzentrums gezogen und dabei neu eingerichtet worden. «Die Räumlichkeiten sind ideal. Hier stören die Jugendlichen niemanden.» In der Zeit bis zur Wiedereröffnung würden die Räume wohl leer stehen, so Baumann, man sei aber seitens der Gemeinde auch für Zwischennutzungen offen. Und nächstes Jahr nach den Sommerferien soll dann wieder Leben in den Jugendtreff einziehen, hofft Baumann.