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Vor fünf Jahren sagten die Wiler «Nein»: Im zweiten Anlauf soll’s klappen mit dem Ausbau der Schulsozialarbeit

Eine Mehrheit der Wiler Parteien scheint den Ausbau der Schulsozialarbeit zu befürworten. Die SVP gibt Kontra.
Gianni Amstutz
Die Schulsozialarbeit hilft Schülern und Lehrern weiter, wenn sie an ihre Grenzen kommen.Bild: Fotolia

Die Schulsozialarbeit hilft Schülern und Lehrern weiter, wenn sie an ihre Grenzen kommen.Bild: Fotolia

Zusätzliche Stellen in der Verwaltung werden in Wil stets kritisch beäugt. Sie verursachen Kosten – und das wiederkehrend. Der Ausbau des Personalbestands ist mit ein Hauptgrund für die steigenden Ausgaben der Stadt Wil in den vergangenen Jahren. So überrascht es wenig, dass Stellenanträge im Budget jeweils mit seitenlangen Erklärungen begründet werden oder manchmal sogar per separatem Antrag dem Stadtparlament vorgelegt werden.

Beim Ausbau der Schulsozialarbeit ist Letzteres der Fall. Das zeigt, dass es sich bei diesem Geschäft keinesfalls um Routine handelt. Das Vorgehen des Stadtrats begründet sich wohl auch damit, dass er mit einem ähnlichen Antrag 2014 scheiterte. Auch damals wollte er die Schulsozialarbeit ausbauen. Anstatt 140 zusätzliche Stellenprozent zu beantragen, wollte er damals aber ganze 250 Stellenprozent mehr. Eine Mehrheit des Stadtparlaments stimmte zwar dafür, ein überparteiliches, bürgerlich geprägtes Komitee brachte das Geschäft jedoch vors Volk. Dort wurde es schliesslich mit 58 Prozent der Stimmen verworfen.

Die Vorzeichen stehen diesmal anders

Nun – fünf Jahre später – nimmt der Stadtrat einen zweiten Anlauf. Dass es dieses Mal klappen könnte, dafür sprechen drei Faktoren. Erstens beantragt der Stadtrat über 100 Stellenprozent weniger. Im Grundsatz war ein Ausbau der Schulsozialarbeit vor fünf Jahren selbst beim Referendumskomitee nicht bestritten. Nur das Ausmass sorgte für Widerstand.

Zweitens hat in den vergangenen fünf Jahren die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Wil nochmals zugenommen. Ein moderater Ausbau lässt sich für den Stadtrat nur schon dadurch rechtfertigen.

Drittens scheint es so, als wäre dieses Mal nur von einer Partei mit Widerstand gegen den Antrag zu rechnen. Namentlich ist das wohl die SVP. 2014 empfahl jedoch auch die FDP die Nein-Parole und selbst im linken Lager war der Ausbau nicht unbestritten, wie die Stimmfreigabe der Jungen Grünen verdeutlichte. Das ist dieses Mal anders. In der vorberatenden Kommission des Stadtparlaments lautete das Stimmenverhältnis 5:2.

Die zwei Nein-Stimmen dürften aller Wahrscheinlichkeit nach von den SVP-Vertretern stammen. Die Partei hatte bereits 2018 durchblicken lassen, dass sie einen Ausbau der Schulsozialarbeit bekämpfen wird. Fraktionspräsident Benjamin Büsser bestätigt, dass die SVP einen Ausbau grossmehrheitlich ablehne.

«Es kann nicht sein, dass der Stadtrat fünf Jahre nach dem Volk-Nein dasselbe Geschäft wieder ins Parlament bringt.»

Es fehle offensichtlich das politische Feingefühl.

Spielt die SVP mit dem Gedanken, den Ausbau der Schulsozialarbeit – sollte dieser durch das Parlament genehmigt werden – erneut per Referendum vors Volk zu bringen? Benjamin Büsser will sich noch nicht festlegen, lässt aber durchblicken, dass die SVP angesichts der Mehrheitsverhältnisse wohl darauf verzichten wird. Er habe die Hoffnung ein Stück weit aufgegeben, dass die anderen Parteien den Volkswillen respektieren.

Mehr Präventionsarbeit ermöglichen

Doch wofür braucht es überhaupt die Schulsozialarbeit? Die Schulsozialarbeit fördert und unterstützt die Integration der Schüler in der Schule und in der Gesellschaft, wodurch sich die Chancengerechtigkeit verbessert, heisst es im Bericht des Stadtrats.

Auch die Zusammenarbeit mit externen Fachstellen und Anspruchsgruppen sei ein Anliegen der Schulsozialarbeit und nicht zuletzt gehöre die Prävention zu den Zielen der Schulsozialarbeit. Doch gerade um präventiv zu handeln und nicht nur zu reagieren, dazu fehlten die nötigen Ressourcen, wie die zuständige Stadträtin Jutta Röösli im vergangenen Jahr gegenüber dieser Zeitung sagte. Aktuell würde hauptsächlich Beratungsarbeit in dringenden Fällen geleistet – und selbst dafür sei die Zeit knapp bemessen.

Das sieht auch die Vorberatende Kommission so und empfieht die 140 Stellenprozent zu bewilligen. Anstatt jedoch – wie vom Stadtrat vorgesehen – 40 Stellenprozent davon für leitende Aufgaben einzusetzen, sollen gemäss dem Willen der Kommission alle Ressourcen in die konkrete Sozialarbeit an den Schulen gebündelt werden.

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