Vor dem zweiten Wahlgang in Wil: Das sagen die Kandidierenden für Stadtrat und Stadtpräsidium zum Klimanotstand

Die Klimagruppe Wil hat eine Umfrage bei allen acht Kandidierenden für den Stadtrat beziehungsweise das Stadtpräsidium durchgeführt. Die Meinungen gehen auseinander.

Gianni Amstutz
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Im Mai 2019 rief das Wiler Stadtparlament den Klimanotstand aus.

Im Mai 2019 rief das Wiler Stadtparlament den Klimanotstand aus.

Bild: Gianni Amstutz

Die Klimagruppe Wil, eine Untergruppe des Wiler Forums für Nachhaltigkeit, wollte von den acht Kandidierenden für den Stadtrat beziehungsweise das Stadtpräsidium wissen, wie sie sich, falls sie gewählt würden, für eine klimafreundliche Politik im Sinne des Klimanotstands einsetzen würden.

Die Klimagruppe schreibt dazu:

«Wir sind der Ansicht, dass die Wiler Stimmbürger ein Recht haben zu wissen, wie die Stadtratskandidierenden sich für eine klimafreundliche Politik in Wil einsetzen werden.»

Klimaneutralität sogar schon 2030 möglich?

Eines vorweg: Alle acht Kandidierenden anerkennen die Notwendigkeit, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. In welchem Ausmass die Stadt Wil aber Massnahmen ergreifen soll und wie weit damit auch Eingriffe für Private und Unternehmen einhergehen sollen, darüber herrscht keine Einigkeit.

SP-Stadtrat Dario Sulzer kandidiert auch im zweiten Wahlgang fürs Stadtpräsidium und den Stadtrat.

SP-Stadtrat Dario Sulzer kandidiert auch im zweiten Wahlgang fürs Stadtpräsidium und den Stadtrat.

Bild: PD

Am weitesten geht Stadtpräsidiumskandidat Dario Sulzer (SP). Er sagt:

«Die Stadt kann bis 2030 klimaneutral werden.»

Dazu müssten allerdings die Klimaschutzmassnahmen massiv verstärkt werden. Sulzer schweben unter anderem ein Verbot von Ölheizungen, die Umsetzung des Fernwärmenetzes sowie stärkere Förderung von Gebäudesanierungen vor.

Daniel Stutz (Grüne Prowil) will seinen Sitz im Stadtrat verteidigen.

Daniel Stutz (Grüne Prowil) will seinen Sitz im Stadtrat verteidigen.

Bild: PD

Auch Daniel Stutz (Grüne Prowil), der erneut für den Stadtrat kandidiert, findet deutliche Worte:

«Der Klimawandel ist die grösste Herausforderung für unseren Planeten.»

Er bekenne sich zu den Pariser Klimazielen (Netto 0 bis ins Jahr 2050) und verpflichte sich zu einer einhundertprozentigen erneuerbaren, nachhaltigen Klima- und Energiepolitik.

Der parteilose Andreas Breitemoser spricht in Bezug auf die Klimapolitik ebenfalls von einem zentralen Thema.

Andreas Breitenmoser (parteilos) will sein unternehmerisches Denken im Stadtrat einbringen.

Andreas Breitenmoser (parteilos) will sein unternehmerisches Denken im Stadtrat einbringen.

Bild: PD
«Unser heutiges Handeln entscheidet darüber, wie die Welt unserer Kinder aussehen wird.»

Er stehe deshalb zu 100 Prozent hinter den vom Wiler Stadtparlament und der Stadtregierung getroffenen Entscheidungen. Es sei von äusserster Wichtigkeit für die Zukunft der nachfolgenden Generationen von Wilerinnen und Wilern, dass diese auch umgesetzt werden.

Klimanotstand als gute Grundlage

Hans Mäder (CVP) geht mit einer guten Ausgangslage in den zweiten Wahlgang.

Hans Mäder (CVP) geht mit einer guten Ausgangslage in den zweiten Wahlgang.

Bild: PD

Hans Mäder (CVP), der fürs Stadtpräsidium kandidiert, hat eine klare Haltung zur Klimathematik:

«Es geht um nicht weniger als den Schutz unserer Lebensgrundlage.»

Der Klimanotstand biete eine gute Grundlage, weitergehende Massnahmen zur Senkung der CO2-Bilanz anzugehen. Er habe als Gemeindepräsident in Eschlikon schon diverse Massnahmen initiiert und umgesetzt.

Daniel Meili kandidiert im zweiten Wahlgang nur noch als Stadtrat.

Daniel Meili kandidiert im zweiten Wahlgang nur noch als Stadtrat.

Bild: PD

Auch Stadtratskandidat Daniel Meili (FDP) verweist auf seinen Leistungsausweis. Als Vorsteher des Departements Versorgung und Sicherheit habe die Stadt unter anderem Errungenschaften wie 100 Prozent erneuerbarer Strom auf dem ganzen Netz, Beimischung von 20 Prozent Biogas auf dem gesamten Versorgungsnetz, Förderung der E-Mobilität mit einer stattlichen Anzahl Ladestellen und Gratis-Strom umgesetzt.

«Ich werde die Ziele bedingungslos, unterbruchsfrei und kontinuierlich weiter verfolgen.»

Blick auch auf Ökonomie

FDP-Stadtparlamentarier Jigme Shitsetsang darf sich berechtigte Chancen auf einen Sitz im Stadtrat ausrechnen.

FDP-Stadtparlamentarier Jigme Shitsetsang darf sich berechtigte Chancen auf einen Sitz im Stadtrat ausrechnen.

Bild: PD

Meilis Parteikollege Jigme Shitsetsang ist der Klimaschutz ebenfalls ein Anliegen, er plädiert aber für eine breitere Betrachtung.

«Um den Zielen der Klimapolitik gerecht zu werden, unterstütze ich Massnahmen, die ökonomisch, ökologisch und sozial sinnvoll sind.»

Dies seien unter anderem: Ausbau der Fotovoltaik, Zentrumsentlastung und Attraktivitätssteigerung für Fussgänger und Velofahrer, mehr Begrünung und Biodiversität.

Auch Jutta Röösli tritt zum zweiten Wahlgang für den Stadtrat an.

Auch Jutta Röösli tritt zum zweiten Wahlgang für den Stadtrat an.

Bild: PD

Auch die amtierende Schulratspräsidentin Jutta Röösli misst der Klimafrage eine grosse Bedeutung zu. Es brauche Beiträge und Engagement von allen für einen schonenden Umgang mit den Ressourcen.

«Als Gemeinde gilt es zum einen, Vorbildcharakter zu haben, zum anderen Massnahmen zu ergreifen, die fördernd wirken aber auch Forderungen beinhalten können.»

Die bereits definierten Massnahmen gelte es konsequent weiterzuverfolgen und zu verstärken.

Ursula Egli kann Klimanotstand nicht viel abgewinnen

Zurückhaltend gibt sich Ursula Egli. Zwar beurteilt sie die Massnahmen aus dem Energiefonds positiv, aber sagt auch:

«Die Ausrufung des Klimanotstands ist zu hinterfragen.»

Von Notstand könne keine Rede sein. Wichtig erscheine ihr, dass die Bevölkerung weiter sensibilisiert werde und Massnahmen auch mittrage. Man müsse dabei auch auf die Eigenverantwortung setzen. Sie selbst habe beispielsweise eine Fotovoltaikanlage auf ihren Dächern, heize mit Holz aus dem eigenen Wald und fahre E-Bike, sagt Egli.