Vor 25 Jahren bewegte sich vieles

1990 war ein Jahr der Veränderungen. Dies dokumentiert ein Blick in den «Allgemeinen Anzeiger». Vor 25 Jahren gab es einen Wechsel an der Spitze der Gemeinde. Werner Walser wurde in einer Kampfwahl zum Gemeindammann gewählt.

Philipp Stutz
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Amtsübergabe: Anfang Juli 1990 tritt Werner Walser die Nachfolge von Gemeindammann Siegfried Kobelt an, was auf der Frontseite des «Allgemeinen Anzeigers» entsprechend gewürdigt wird. (Bild: Philipp Stutz)

Amtsübergabe: Anfang Juli 1990 tritt Werner Walser die Nachfolge von Gemeindammann Siegfried Kobelt an, was auf der Frontseite des «Allgemeinen Anzeigers» entsprechend gewürdigt wird. (Bild: Philipp Stutz)

UZWIL. 1990 war das letzte Amtsjahr von Gemeindammann Siegfried Kobelt. Während 26 Jahren hatte der ehemalige Sekundarlehrer die Geschicke der Untertoggenburger Industriemetropole geleitet. Nun hatten sich die Parteien auf die Suche nach einem Nachfolger zu begeben.

Gemeindeamt hart umkämpft

Soll der neue Gemeindammann – wie sich der Präsident damals noch nannte – der Privatwirtschaft entstammen, oder muss er Verwaltungserfahrung ausweisen? Das war eine der zentralen Fragen im emotional geführten Wahlkampf zwischen dem Sozialdemokraten Werner Dintheer und dem Freisinnigen Werner Walser. Diese Thematik widerspiegelte sich auch in Leserbriefen in den Spalten des «Allgemeinen Anzeigers», der bekanntlich Ende 2014 von den Gemeinden Uzwil und Oberuzwil endgültig «zu Grabe getragen» worden ist.

Knappe Ausmarchung

Während Dintheer als Verkaufsingenieur eines Uzwiler Technologiekonzerns tätig war, konnte Walser auf langjährige Tätigkeit als Gemeinderatsschreiber zurückblicken. Die Wahl – der Termin musste wegen falsch gedruckter Stimmzettel verschoben worden – fiel schliesslich knapp aus. Werner Walser vermochte seinen Widersacher zu distanzieren und seinen Ratsschreiberstuhl mit demjenigen des Gemeindepräsidenten zu wechseln. Die beiden Kontrahenten ums Gemeindeamt sollten in der Folge eng zusammenarbeiten. Wurde doch Werner Dintheer später zum vollamtlichen Schulratspräsidenten gewählt, dem zweitwichtigsten Amt der Gemeinde. Werner Walser wirkte 21 Jahre lang als Gemeindepräsident, ehe er 2011 zurücktrat.

Egger Gemeinderatsschreiber

Mit der Wahl Werner Walsers musste ein neuer Uzwiler Gemeinderatsschreiber gefunden werden. Die Wahl fiel auf den Oberuzwiler Cornel Egger, der dieses Amt im August 1990 antrat. Doch seine Tätigkeit im Uzwiler Gemeindehaus sollte nicht von langer Dauer sein. Wurde er doch bereits ein Jahr später zum Gemeindammann von Oberuzwil bestimmt, wo er die Nachfolge von Leo Hofstetter antrat und dieses Amt bis heute ausübt.

Noch ein anderer Oberuzwiler machte vor 25 Jahren von sich reden. Wurde doch der Sozialdemokrat Fritz Buchschacher zum Präsidenten des Grossen Rates des Kantons St. Gallen gewählt. Somit war Buchschacher für die Dauer eines Jahres «höchster St. Galler». Auf dem Dorfplatz bereitete ihm die Bevölkerung einen würdigen Empfang. Würde bringt aber auch Bürde. Und so musste der frischgebackene Präsident des Grossen Rates neben der Leitung der Sessionen unzählige Repräsentationsverpflichtungen wahrnehmen.

Schuldenberg beim EHC Uzwil

Noch vor Saisonschluss plante der EHC Uzwil im Jahr 1990 seine Zukunft. Der Verein spielte in der Nationalliga B. Um dessen Zukunft kümmerte sich die EHC Uzwil Management AG. Das war nötig, musste doch ein Schuldenberg von 670 000 Franken abgetragen werden. Die eingeleitete Sanierung wurde zusätzlich durch rückläufige Zuschauerzahlen gebremst. Es sollte die letzte Saison in der zweithöchsten Spielklasse gewesen sein. Fortan spielte der Uzwiler Traditionsverein in der ersten Liga.

Euphorie folgte Ernüchterung

Einen Rekordzuwachs bei der Bilanzsumme und die beste Erfolgsrechnung seit Bestehen vermeldete die Bank in Niederuzwil. Niemand glaubte vor 25 Jahren angesichts dieser Superlative auch nur im entferntesten daran, dass die traditionsreiche Regionalbank sechs Jahre später die Segel streichen musste und von der St. Galler Kantonalbank übernommen wurde. Diese betrieb das Gebäude an der Henauerstrasse erst als Filiale, ehe die Geschäftstätigkeit ganz an der Bahnhofstrasse in Uzwil konzentriert wurde. Heute erinnert nur noch ein Bancomat an die Zeiten, als das Gebäude ein Geldinstitut beherbergte.

Umstrittenes Go-Kart-Rennen

Der Kart-Club Uzwil trat als Veranstalter eines Go-Kart-Rennens auf. Das trug dem Verein Kritik seitens des Landesrings der Unabhängigen ein, der den Bewilligungsentscheid des Uzwiler Gemeinderates scharf kritisierte. Eine solche Veranstaltung stehe im starken Widerspruch zu den Anliegen der Luftreinhaltung, monierte die Partei, die längst nicht mehr existiert.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass sich Parteien weit stärker als heute mit kommunalpolitischen Fragen beschäftigten und dies in Pressecommuniqués zum Ausdruck brachten. Die Lektüre des Zeitungsbandes aus dem Jahr 1990 veranschaulicht auch den Wandel der Zeit, der sich in der Zwischenzeit weiter akzentuiert hat.