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Vor 200 Jahren begann es zu gären

WIL. Im Dezember 1815 erhielt Baron Wirz a Rudenz die Genehmigung, im Hof zu Wil Bier zu brauen. Es war die Geburtsstunde des Wiler Hofbräus. Am 19. April 1982 bereitete der Braumeister den letzten Biersud zu. Einige der dafür bestimmten Hopfenblüten wurden als Kulturgut aufbewahrt.
Ursula Ammann
Hopfenblüten des letzten Biersuds der Hofbrauerei. (Bild: Ursula Ammann)

Hopfenblüten des letzten Biersuds der Hofbrauerei. (Bild: Ursula Ammann)

Es sind Erinnerungen von wenigen Gramm: Im Kulturgüterschutzraum unter dem städtischen Werkhof schlummert ein kleines Säckchen mit Hopfen vom letzten Biersud der Hofbrauerei Wil, datiert mit dem 19. April 1982.

«Die Hofbrauerei war die erste kommerzielle Brauerei in Wil», erklärt Stadtarchivar Werner Warth. Und es war auch die letzte. Sie überdauerte mehrere andere Brauereien in der Stadt: die Aktienbrauerei am heutigen Standort der Migros, die Brauerei Löwenbräu am Bleicheplatz, die Brauerei Wanner zum «Schweizerhaus» am Friedtalweg oder die Brauerei Fass an der Hubstrasse.

Brauerei laufend aufgerüstet

Der ehemalige Besitzer des Hofs zu Wil, Baron Wirz a Rudenz, erhielt im Dezember 1815 die gemeinderätliche Genehmigung, im Hof Bier zu brauen. 1830 wurde der Hof zum Wirtshaus und der goldene Gerstensaft im Fürstensaal ausgeschenkt. Einen Aufschwung erlebte das Wiler Hofbräu, als der aus Tuttlingen stammende Brauer Johannes Diener-Hilzinger das Zepter übernahm. Er verbesserte die Brauanlage, die später von seinem Schwiegersohn Oskar Kopp-Diener weitergeführt wurde. Dieser wiederum liess 1902 ein neues Brauereigebäude erstellen, womit gleichzeitig auch ein neuer Maschinenraum entstand. Ab 1910 befand sich die Hofbrauerei in den Händen der Familie Stiefel.

Stadtarchivar Werner Warth hat die letzten Jahre der Brauereitradition miterlebt. «Im heutigen Gewölbekeller war das Bier gelagert; und im Erdgeschoss des Hofes, dort, wo jetzt das Stadtmuseum ist, wurden die Flaschen abgefüllt», sagt er. Im ehemaligen Brauhaus befindet sich seit 2010 die Stadtbibliothek. Von der Vergangenheit der Räume zeugen Teile der früheren Brauereieinrichtung, unter anderem der kupferne Braukessel.

Von Hürlimann übernommen

1982 verliess das letzte Bier den Hof zu Wil. Danach wurde der Betrieb eingestellt. «Die Wiler Hofbrauerei erlitt dasselbe Schicksal wie viele andere kleinere Brauereien», erklärt Werner Warth. «Sie wurde von einer Grossbrauerei übernommen und stillgelegt.» In diesem Fall war es die Hürlimann AG, die heute im Besitz der Feldschlösschen Getränke AG ist, welche wiederum der dänischen Firma Carlsberg gehört.

«Mit dem Ende der Wiler Hofbrauerei ist ein Stück Kulturgut verlorengegangen», sagt der Ortsbürger und Urwiler Ruedi Schär. Er wurde 1952 geboren und wuchs im Hof zu Wil auf. Seine Familie bewohnte dort den dritten Stock. Noch so manches ist ihm aus dieser Zeit in lebhafter Erinnerung geblieben: der süssliche Duft, der sich durch die Altstadt schlängelte, als im Hof noch Bier gebraut wurde; die Bauern, die den Trester abholten, um die Schweine damit zu füttern; oder die grossen Holzfässer, die einmal im Jahr aus dem Keller auf den Hofplatz geholt und gewaschen wurden. Später habe man diese dann durch Stahltanks ersetzt, erzählt Ruedi Schär. Unverändert geblieben sei aber die Auslieferung des Bieres. «Sie erfolgte bis zuletzt mit Ross und Wagen.» Ruedi Schär erzählt von fröhlichen Runden in der Hofwirtschaft, wo sich Freunde und Bekannte das Bier im Glasstiefel herumreichten. «Es galt, den Stiefel im richtigen Winkel zu halten, sonst schwappte das Bier über und man war geduscht», erklärt Ruedi Schär. Überhaupt: Das Wiler Hofbräu sei ein sehr gutes Bier gewesen. Die Qualität des Wiler Biers wurde schon viel früher bestätigt. Um 1900 ergab ein von der Gesundheitskommission angeordneter Bieruntersuch, dass das hiesige Bier «reell gebraut, gut vergoren und von gesunder Beschaffenheit» sei, während die «auswärtigen» Biere diverse Mängel aufweisen.

Die Bierbrauerei mit Fuhrwerken.

Die Bierbrauerei mit Fuhrwerken.

Ein Glas Wiler Hofbräu auf einem Werbeplakat.

Ein Glas Wiler Hofbräu auf einem Werbeplakat.

Eine Rechnung der Brauerei, ausgestellt im Jahr 1889.

Eine Rechnung der Brauerei, ausgestellt im Jahr 1889.

Mit Ross und Wagen erfolgte die Auslieferung. (Bilder: Stadtarchiv Wil)

Mit Ross und Wagen erfolgte die Auslieferung. (Bilder: Stadtarchiv Wil)

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