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Von wegen Nachtleben: Für die Jugend herrscht abends tote Hose

Neugestaltete Spielplätze, ausgebaute Tagesstrukturen, intakte Sport- und Freizeitanlagen: Flawil hat viel in familienfreundliche Projekte investiert. Die Jugend aber stellt fest: Für unsere Altersgruppe bietet das Dorf wenig.
Andrea Häusler
Die FDP hatte Michael Bürge (links) an den Stammtisch geladen, um zu erfahren, was die Flawiler Jugend umtreibt. (Bild: Andrea Häusler)

Die FDP hatte Michael Bürge (links) an den Stammtisch geladen, um zu erfahren, was die Flawiler Jugend umtreibt. (Bild: Andrea Häusler)

Zwischen dem Kindes- und Erwachsenenalter klafft in Flawil angebotsmässig ein Loch. Zumindest für jene jungen Menschen, die keinem Verein zugehören, sondern ihre abendliche Freizeit in passender Umgebung mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten verbringen möchten. Dieses Fazit zieht Michael Bürge am Stamm der FDP-Ortspartei, zu dem er, quasi als «Sprachrohr der jungen Generation» geladen worden war.

Der ETH-Student weiss, wovon er spricht. In Flawil aufgewachsen, ist er gut vernetzt, zudem breit informiert und politisch interessiert. «Ich war bei der Pfadi und hatte daher das Privileg, das Pfadiheim als Treffpunkt zu nutzen», sagt er. Andere können den «Keller» zwar mieten, zahlen dafür aber 150 Franken. Oder, sie weichen nach Auswärts aus. Nach Gossau beispielsweise. Das BBC am Bahnhofplatz gilt als beliebte Partylocation. Auch Michael Bürge verkehrt gelegentlich dort: «Die Zugverbindungen ab Flawil sind sehr gut und bleiben es hoffentlich.» Dennoch: Der Ausgang dorthin ist nicht billig.

Jugendlounge und Jugendtreff

Gar nichts bietet Flawil den 16- bis 18-Jährigen allerdings nicht. Zwar richtet sich die Jugendlounge der Reformierten Kirchgemeinde nur an Mittel- und Oberstufenschüler, doch wird mit dem Jugendtreff der Offene Jugendarbeit (OJA) genau das Ü16-/U18-Publikum angesprochen. Ein Teil der jungen Erwachsenen wird damit erreicht. «Wir haben am Freitagabend jeweils bis zu 80 Personen im Jugendtreff», sagt Jugendarbeiterin Salome Dichgans. Allerdings sei dieser nur mittwochs und freitags geöffnet. Das bemängelt Michael Bürge: «Am Samstagabend gibt es kein regelmässiges Angebot. Hinzu kommt, dass kein Alkohol ausgeschenkt wird.» Für ältere Jugendliche ein Argument, das gegen den Jugendtreff spreche. Ideal wären, so Bürge, zwei Veranstaltungen: «Am Freitag eine Party ohne, am Samstag eine mit Alkoholausschank.» Aus Sicht von FDP-Präsident Roland Roos – nebst der Ressourcenfrage – eine heikle Sache: «Wenn solche Veranstaltungen ausarten, wirft dies ein schlechtes Licht auf die Gemeinde als Trägerin der OJA», befürchtet er. Während sich Salome Dichgans ein unregelmässiges, anlassbezogenes Angebot zumindest vorstellen könnte.

Hoher Anteil von Gästen mit Migrationshintergrund

Ist es nur das Alkoholverbot, das die Attraktivität der «Jugendtreffpunkte» schmälert? Oder auch die Tatsache, dass der Immissionen wegen nicht bis in die Morgenstunden gefeiert werden kann? Die im «Park» anwesenden «Jungen» merken an, dass ihre Kollegen nicht «dort» verkehrten. Mit ein Grund dafür könnte der hohe Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sein. Salome Dichgans spricht von 80 bis 90 Prozent in der öffentlichen Jugendarbeit.

Jugend-App: Ein Schritt in die richtige Richtung

Michael Bürge bedauert die Abschaffung der Flawiler Jungbürgerfeier. Die fehlende Nachfrage begründet er mit dem Zeitpunkt der Durchführung. «Im Mai/Juni finden die Lehrabschluss-, aber auch die Aufnahmeprüfungen an weiterführende Schulen statt – ungünstig», sagt er. Bürge weiss aber auch um Beispiele, die Flawil für junge Leute attraktiv machen. Beispielsweise «Flawil Live». Solche Veranstaltungen wünschte er sich öfter. Ein Public-Viewing bei Fussball-Grossanlässen könnte er sich vorstellen – aber auf dem Bahnhofplatz, nicht abseits auf der Schützenwiese.

Roland Roos riet den Jugendlichen auf den Gemeinderat zuzugehen, die IG Freizeit um Unterstützung anzugehen. Vorausgesetzt, es sei Konkretes geplant. Denn an Ideen fehle es oft weniger, als an mitarbeitenden Personen. Dies bestreitet Michael Bürge nicht: «Bevor es in die Arbeitswelt geht, wird vor allem konsumiert – in der Schule und auch im Elternhaus.»

Vermehrt sollte, darin sind sich Jugendliche und Jugendarbeiterin einig, Facebook, Instagram, Shapchat oder auch Whatsapp zur Vernetzung und zur Erreichbarkeit der Jugendlichen genutzt werden. Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet Salome Dichgans die Jugendapp, welche die Gemeinde anschaffen will.

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