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Von Uzwil nach Hamburg: Stefan Diethelm will auf die Musical-Bühne

Stefan Diethelm aus Uzwil, studiert an der renommierten Stage School in Hamburg. Ziel des 18-Jährigen ist die Musicalbühne. Im Gespräch erzählt von seiner Ausbildung und seiner Traumrolle.
Zita Meienhofer
Stephan Diethelm ist auf dem Weg, ein Musical-Darsteller zu werden. (Bild: Frank Linke)

Stephan Diethelm ist auf dem Weg, ein Musical-Darsteller zu werden. (Bild: Frank Linke)

«Plötzlich wusste ich: Ich muss nicht üben, ich darf üben», sagt Stefan Diethelm. Dieser Satz, diese Erkenntnis war ausschlaggebend, dass der 18-jährige Uzwiler nun in Hamburg ist und die Stage School absolviert. Diese Schule ist die grösste private Schule für Performing Arts in Deutschland – in der Schweiz besteht keine Möglichkeit, eine vergleichbar umfassende Ausbildung zu absolvieren. Seit Jahrzehnten werden in Hamburg junge Menschen zu professionellen Bühnenkünstlern ausgebildet. Das möchte Stefan Diethelm irgendwann auch sein: ein Musical-Darsteller.

Vor einem Jahr hat er die Aufnahmeprüfung geschafft, seither hat er das tägliche Training intensiviert. Gesang, Tanz und Schauspiel stehen auf dem Stundenplan. Fünf bis acht Stunden wird unterrichtet, zwei bis drei zusätzliche Stunden übt er, besucht Zusatzkurse. Das sei möglich, sagt Diethelm, weil er grösstenteils verletzungsfrei durch das Jahr gekommen sei, was nicht selbstverständlich sei. Brüche an Bein oder Handgelenk, Rückenprobleme, Krankheit oder Schmerzen, das hindert seine Mitstreiter oft am regelmässigen Training.

Gesang statt Politik oder Biologie

Musical-Darsteller zu werden, davon träumt Stefan Diethelm noch nicht sehr lange. «Ich habe immer gerne gesungen und sang während meiner Schuljahre regelmässig», erzählt er. An der Musikschule Uzwil besuchte er den Unterricht in Sologesang, konnte dort in einem Chor und Solo singen, vor allem in Richtung Pop. Mit dem Eintritt in die Sekundarstufe im Untergymnasium an der Kantonsschule am Burggraben St. Gallen entschied er, den Unterricht in klassischem Gesang zu besuchen. Zugleich sang er damals auch seinen ersten Musical-Song, «Any Dream Will Do» aus «Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat» von Andrew Lloyd Webber. Später wählte er als Schwerpunktfach Musik mit dem Hauptfach Gesang. Er war der einzige Mann. Weshalb? Bei Knaben werde Gesang weniger gefördert als der Instrumentalunterricht, findet Stefan Diethelm. Ebenso ist er der Ansicht, dass Gesang als «weiblicheres» Instrument angesehen wird.

Musicals und Hamburg – das waren für ihn beim Eintritt in die Kanti noch keine Themen. Sein Fokus lag auf einem Universitätsstudium. Die Studienrichtung: Politikwissenschaft oder Biologie. Erst im Maturitätsjahr veränderte sich seine Beziehung zum Gesang. «Ich freute mich, Stücke zu lernen, sah mich vermehrt als Instrument. Das Üben war kein Muss mehr», sagt er. Er setzte sich intensiv mit Ausbildungen im Gesangsbereich auseinander, informierte sich über seinen künftigen Weg und entschloss sich für das Genre «Musical».

Sich von der Masse abheben

Es war das bewegte Singen, das ihn faszinierte. Bei der Oper fehlt ihm das Tanzen. Nach einem Jahr intensiver Vorbereitung absolvierte er Stage-School-Workshops in Zürich, die als Aufnahmeprüfung gelten. Letztlich erhielt er die Eintrittsberechtigung zur Schule – zusammen etwa 70 weiteren Interessierten. «Es ist eine private Schule, da werden mehr Prüflinge aufgenommen», erklärt er. Zu den Anforderungen, welche die Schule an ihre Studenten stellt, sagt er:

«Das Wichtigste ist, sich von der Masse abzuheben. Nur wer auffällt, wird wahrgenommen. So ist es auch später im Job.»

Nun ist er seit einem Jahr in Hamburg. Seine Bilanz: «Ich bin sehr viel weitergekommen.» Deshalb beschloss er nun auch, das zweite Jahr seiner Ausbildung in Hamburg zu absolvieren. Die Option, im dritten Jahr an eine Schule in den USA oder in Grossbritannien zu wechseln, hält er sich offen. Er könnte es sich gut vorstellen. «Die Art der Schulen im englischsprachigen Raum gefällt mir. Sie unterscheiden sich darin, dass hier das Musical eine grössere Bedeutung hat im künstlerischen Sinne. In Deutschland und in Teilen der Schweiz wird das Musical leider oft als kleine Schwester der Oper eingestuft, als Schauspiel der einfachen Art, als simple Unterhaltung.»

Job in einer Konditorei

Stefan Diethelm verschweigt nicht, dass dieser Ausbildungsweg teuer ist. 10000 Franken bezahlt er pro Jahr für die Schule. Dazu kommen die Kosten für das Leben in Hamburg. Er habe das Glück, dass ihm die Eltern die Ausbildung finanzieren, erklärt er. Er ist ihnen sehr dankbar, dass sie ihn von Beginn an auf seinem Weg unterstützten, und leistet auch seinen – wenn auch bescheidenen – Beitrag. Er jobbt, je nach Aufwand in der Schule, in einer Konditorei.

Stephan Diethelm war schon in einigen Rollen zu sehen. Er spielte Carlos in der Schweizer Erstaufführung des Musicals «Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs» mit der kleinen Komödie Scaena in Lachen-St. Gallen und er war Solist beim Schülershowcase «Monday Night im Mai» der Stage School im First Stage Theater Hamburg. Während der Schulzeit hat er diverse grössere und kleinere Rollen in Schulmusicals innegehabt. Zudem trat er bei verschiedenen Konzerten während der Kantonsschule als Solist auf – unter anderem in der Tonhalle St. Gallen.

Christopher Scott oder Jack Kelly

Christopher Scott oder Jack Kelly Auf die Frage nach seiner Traumrolle erklärt er: «Das ändert sich jeden Monat.» Denn, jeden Monat lernt er neue Musicals kennen. Doch zwei Favoriten hat er, zwei Rollen, die er irgendwann spielen möchte. Jene des Christopher Scott aus dem Musical «Miss Saigon» hat es ihm angetan. Die Lieder sowie die Tragik dieser Geschichte faszinieren ihn. Doch da ist noch etwas: In der neusten Version ähnelt die Stimme des jetzigen männlichen Hauptdarstellers jener von Stefan Diethelm. Ein Kollege hatte ihn erstmals darauf aufmerksam gemacht. Da ist aber das Musical «Newsies». Es handelt vom Zeitungsjungen Jack Kelly im New York von 1899. Im Original wird diese Rolle von Jeremy Jordan gespielt, von dem Stefan Diethelm begeistert ist. Doch bis dahin hat der junge Uzwiler wohl noch einige Hürden zu überwinden und Castings zu überstehen.

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