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Von Überfluss und Mangel: Wenn das Geld knapp wird

Armut gibt es nicht nur in Entwicklungsländern. Auch in der wohlhabenden Schweiz reicht das Geld Vielen nicht bis zum Ende des Monats.
Marco Enzler
Die ehrenamtlichen Helferinnen richten die Lebensmittel unter der Anleitung von Gabi Mauchle (3. von links) für die Abgabe schön her. (Bild: Marco Enzler)

Die ehrenamtlichen Helferinnen richten die Lebensmittel unter der Anleitung von Gabi Mauchle (3. von links) für die Abgabe schön her. (Bild: Marco Enzler)

Es herrscht fast schon Basarstimmung. Viele Sprachen schwirren durch die Luft und vermischen sich. Angehörige verschiedenster Altersgruppen, Kulturen und Religionen haben sich am Hintereingang zum Bahnhofplatz 4 in Flawil versammelt. Dort betreiben die katholische und die reformierte Kirche unter der Leitung von Gabi Mauchle den b’treff. «Der b’treff ist ein Ort, wo sich auch finanziell schwächere Personen treffen können», erklärt sie.

Am Mittwoch Nachmittag findet dort jeweils eine Aktion der besonderen Art statt. Wöchentlich werden Lebensmittel für einen symbolischen Betrag von einem Franken abgegeben, um diejenigen zu unterstützen, die mit kleinem Budget Haushalten müssen.

Nicht zu unterschätzende Logistik im Umgang mit Lebensmitteln

Bereits mehr als eine Stunde vor der Öffnung der Lebensmittelabgabe sind Gabi Mauchle und vier weitere der insgesamt acht freiwilligen Helferinnen vor Ort. Denn sie müssen die angelieferten Waren entgegennehmen.

Nach der Eingangskontrolle – nur Produkte vor dem Verfallsdatum werden weitergegeben – werden die ausnahmslos alkoholfreien Produkte fein säuberlich hergerichtet. Vor allem schnell verderbliche Waren sind in grosser Menge vorhanden: Salate, Pilze, diverse Gemüsesorten, Früchte und Brot stapeln sich kistenweise. Dazwischen finden sich auch Zucker, Gewürze, Fleisch und einige wenige Milchprodukte.

Dabei muss auf einiges geachtet werden. Gabi Mauchle sagt: «Wir unterstehen wie jede Abgabestelle dem Lebensmittelgesetz. Deshalb müssen wir darauf Acht geben, dass die Kühlkette nicht unterbrochen wird.» Waren, die gekühlt werden müssen, werden erst kurz vor Beginn aufgelegt und mit Eiskörpern umwickelt. Nebst Lebensmitteln hat der b’treff diese Woche auch neue Kleider erhalten, die aus dem Sortiment genommen wurden. Diese werden ebenfalls abgegeben.

Wenn alles bereit ist, werden die Türen geöffnet und gut 30 Personen strömen in den Warteraum, wo aufgeschnittene Backwaren und Getränke bereits auf sie warten. Alle müssen ihre Kulturlegi vorweisen und beim Betreten eine Nummer ziehen: Wer die tiefste Nummer erwischt, darf anschliessend zuerst in den Laden. Doch auch der oder die Erste darf die Produkte nicht nach Gutdünken zusammenstellen. Mauchle erklärt:

«Zwar darf jeder Wünsche äussern oder sagen, wenn er etwas nicht will, aber es soll auch für die Letzten noch einige gute Produkte haben.»

So werden eine Person nach der anderen bedient. Maximal dürfen drei Leute gleichzeitig bei der Abgabe sein, da der Überblick über die Ausgabe sonst schnell verloren geht.

Ähnliche Angebote wie im b’treff gibt es in vielen Gemeinden in der Region – meist stehen Kirchgemeinden hinter den Projekten. Auch in Uzwil gibt es mit der Markthalle ein Angebot, bei dem Lebensmittel abgegeben und ganzjährig verschiedene Aktionen für Armutsbetroffene veranstaltet werden. Ähnlich funktionieren auch die «Poschtitäsche» und der Caritas Markt in Wil, wobei Letzterer die Artikel stark vergünstigt, aber nicht unentgeltlich anbietet. Sowohl der b’treff als auch die «Poschtitäsche» und die Markthalle werden von der Stiftung Schweizer Tafel beliefert.

Vom Detailhandel zu den Bedürftigen

«Die Schweizer Tafel versteht sich als Brückenbauerin zwischen Überfluss und Mangel», sagt Silja Lüchinger, Leiterin der Region Ostschweiz. Mit drei Kühlfahrzeugen sammeln Freiwillige in der Ostschweiz jeden Tag bei rund 100 Spendern Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden dürfen, deren Ablaufdatum aber noch nicht überschritten ist, und verteilen diese an insgesamt 59 soziale Institutionen, darunter 21 Lebensmittelabgabestellen.

Stiftung Schweizer Tafel

Die Schweizer Tafel ist eine Stiftung, deren Zweck in der
Armutslinderung besteht. Die Stiftung sammelt überschüssige Lebensmittel direkt bei den Spendern und verteilt die Esswaren an Soziale Institutionen. Darunter fallen nebst Lebensmittelabgabestellen auch Obdachlosenheime, Gassenküchen, Notunterkünfte und ähnliche Hilfswerke. Zivildienstleistende und freiwillige Helferinnen und Helfer sammeln allein in der Region Ostschweiz täglich 2,4 Tonnen Lebensmittel. Gesamtschweizerisch kommen so jeden Tag rund 16 Tonnen zusammen, die von Grossverteilern, Detaillisten und Industrie gespendet
werden. (pd/mae)

Das Bedürfnis scheint zu bestehen. Lüchinger sagt: «Wir haben immer wieder Anfragen von Hilfswerken.» Doch nicht alle werden deswegen automatisch bedient.

«Wir beliefern vor allem Institutionen, die nicht subventioniert werden.»

Durch die Tätigkeit der Stiftung, die auch mit Institutionen wie «Tischlein deck dich» zusammenarbeitet, wird nicht nur der Armut entgegengewirkt, sondern gleichzeitig auch dem Foodwaste – also dem Wegwerfen von Lebensmitteln.

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