Von Rekord zu Rekord: Raiffeisen Wil mit grösstem Wachstum aller Zeiten

Raiffeisenbank Wil und Umgebung steigert die Kundeneinlagen und Ausleihungen um neue Höchstwerte.

Hans Suter
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Sie führen die Raiffeisenbank Wil: Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer (links) auf der strategischen Ebene, Beat Bollinger, Vorsitzender der Geschäftsleitung, auf der operativen.

Sie führen die Raiffeisenbank Wil: Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer (links) auf der strategischen Ebene, Beat Bollinger, Vorsitzender der Geschäftsleitung, auf der operativen.

Bild: Hans Suter

Mit einem Zuwachs von 156,8 Millionen Franken bei den Ausleihungen und 158,7 Millionen Franken bei den Kundeneinlagen hat die Raiffeisenbank Wil und Umgebung ein Rekordwachstum erzielt. Die Bilanzsumme ist im Geschäftsjahr 2019 auf mittlerweile 1,74 Milliarden Franken gestiegen.

Gewinn leicht gesunken

Daraus resultiert ein Jahresgewinn von 1,91 Millionen Franken, der zum grössten Teil dem Eigenkapital zugewiesen wird. «Das entspricht gegenüber dem Vorjahr zwar einem leichten Minus von 4,3 Prozent», wie Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer und Direktor Beat Bolliger, Vorsitzender der Bankleitung, gestern an einer Medienkonferenz bekannt gaben. Doch das Aufwand-Ertrags-Verhältnis (Cost-Income-Ratio) liege mit 51,15 Prozent im Branchenvergleich auf einem «weiterhin sehr guten Niveau».

Marktanteile gewonnen ohne Kompromisse

Stark zu diesem Erfolg beigetragen hat das Hypothekargeschäft, traditionell das eigentliche Kerngeschäft der Raiffeisenbank Wil und Umgebung. Selbst Scherrer und Bolliger bezeichnen das stetige Wachstum des Hypothekargeschäfts um 155 Millionen auf mittlerweile 1'522,8 Millionen Franken als «beeindruckend». Mit diesem Zuwachs von 11,3 Prozent in den Kundenausleihungen sei die Positionierung im Kerngeschäft weiter gestärkt worden.

«Wir haben Marktanteile gewonnen, ohne Kompromisse einzugehen», betonte VR-Präsident Erwin Scherrer. Trotz Konkurrenz- und Margendruck würden die Finanzierungskriterien strikt eingehalten. Verluste habe man keine hinnehmen müssen. «Die hohe Qualität des Kreditportfolios ist durch sorgfältige Risiko- und Bonitätsprüfung sichergestellt», erklärten Scherrer und Bolliger.

Der Erfolg im Zinsdifferenzgeschäft sei breit abgestützt, weil vieles privat finanziert sei, sagte Beat Bolliger. «Wir haben einen gesunden Mix von Privat- und Firmenkunden im Verhältnis von eins zu eins .»

Ausgewogenes Verhältnis bei Einlagen und Ausleihungen

Als exzellent zeigt sich auch das Verhältnis der Kundeneinlagen zu Kundenausleihungen: Sie halten sich mit 1'234,1 Millionen Franken (plus 14,8 Prozent) zu 155 Millionen Franken (plus 11,3 Prozent) fast die Waage. Mehr kann sich ein Banker fast nicht wünschen. Deshalb will die Bank ihre Kunden auch weiterhin nicht mit allfälligen Negativzinsen belasten.

Tiefe Zinsen drücken auf die Marge

Ganz sorgenfrei ist die Raiffeisenbank Wil trotzdem nicht. «Das hartnäckig anhaltende Tiefzinsumfeld drückt auf die Erträge aus dem wichtigsten Ertragspfeiler, dem Zinsengeschäft», sagte Bolliger. So sei der Bruttoerfolg um 2,8 Prozent auf 14,87 Millionen Franken gesunken. Die Marge ist von 1,02 Prozent auf 0,9 Prozent gesunken.

Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft beträgt 3,32 Millionen Franken (plus 2,4 Prozent), der Ertrag aus dem Handelsgeschäft wuchs um 3,1 Prozent auf 930'000 Franken. Der Geschäftserfolg erreichte mit 9,29 Millionen Franken ein Plus von 5,8 Prozent.



Bank mit fast 24000 Kunden

Die Raiffeisenbank Wil und Umgebung gibt es seit 104 Jahren. Im vergangenen Jahr ist das genossenschaftliche Geldinstitut um 281 auf 12167 Genossenschaftsmitglieder gewachsen. Die Zahl der Kunden liegt knapp unter 24'000.

Im Jahr 2011 knackte die Wiler Raiffeisenbank bei der Bilanzsumme erstmals die Milliardengrenze. Per Ende 2019 lag diese bereits bei 1,74 Milliarden Franken. In absehbarer Zeit dürfte die 2-Milliarden-Grenze erreicht sein. Unter den 229 selbstständigen Raiffeisenbanken in der Schweiz zählt Wil damit zur Top 15. Betrachtet man nur das organische Wachstum, also das Wachstum aus eigener Kraft und ohne Fusionen, gilt Wil als die am stärksten gewachsene Schweizer Raiffeisenbank.
«Das sei nur dank der grossen Verankerung möglich geworden», sagt Verwaltungsratspräsident Erwin Scherrer. Mittlerweile gibt es in Wil sieben Banken. Ist Wil damit «overbanked»? «Ja», sagt Scherrer mit einem Lachen. Aus seiner Sicht bräuchte es nicht so viele Mitbewerber, doch sei das in Wil seit jeher so. «Es zeigt, dass Wil ein attraktiver Markt ist.»

Das zeigt sich auch bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Wil und Umgebung, die jeweils im Circus Knie stattfindet. Neben der ordentlichen GV am 2. April sind zwei weitere Vorstellungen am 3. und 5. April geplant. Weil die Bank mittlerweile drei Vorstellungen gänzlich aufkauft, bleibt der Schweizer Nationalzirkus länger in Wil als an anderen Orten. Zugleich bietet diese Situation Gewähr, dass der Circus Knie der Stadt Wil treu bleibt. (hs)