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Von Peru nach Flawil: Rückkehr in einer Herzenssache

Die Peruanerin Grecia Aviles Calderun überzeugte 2017 den Rotary Club Flawil davon, ein Waisenhausprojekt in Peru zu unterstützen. Jetzt ist sie für zwei Wochen zurück in der Schweiz.
Andrea Häusler
Monica Aviles Calderon (links) und Tochter Grecia mit Walter Egloff. (Bild: Andrea Häusler)

Monica Aviles Calderon (links) und Tochter Grecia mit Walter Egloff. (Bild: Andrea Häusler)

Grecia Caycho Aviles ist wieder in der Schweiz. «Es war fast ein bisschen wie ein nach Hause kommen», sagt die 20-jährige Peruanerin lächelnd und in perfektem Hochdeutsch. Die Sprache hat sie nicht verlernt, obwohl ihr Schüleraustauschjahr mittlerweile zwei Jahre zurückliegt. Damals, zwischen 2016 und 2017, hatte die junge Frau auf Einladung des Rotary Clubs Flawil in Wil gelebt, die Kantonsschule besucht und gemeinsam mit ihrer Gastfamilie Land und Leute kennen gelernt.

Zurückgekehrt ist sie nun als Studentin der Ernährungswissenschaften im dritten Jahr, begleitet von ihrer Mutter Monica Aviles Calderon und einem Herzensanliegen. Grecia sucht finanzielle Unterstützung für den weiteren Ausbau des Waisenhauses «Paul Harris» in ihrer Heimat Chincha.

Kinder – missbraucht oder verstossen

Die Fotos, die sie auf ihrem Handy gespeichert hat, erschüttern. Sie zeigen Mädchen mit gesenkten Köpfen, ausdruckslosen Gesichtern und verletzten Seelen. Kinder, die zwar mehrheitlich Eltern haben, in ihren Familien jedoch Gewalt oder sexuellem Missbrauch erleben mussten oder einfach verstossen wurden.

Das Waisenhaus ist ein Projekt des Rotary Clubs der Provinz Ica, der Gemeindeverwaltung Chincha sowie des staatlichen Projekts INABIF (Integral Nacional para el Bienestar Familiar) und wurde im Sommer 2000 eröffnet. Ausgelegt ist die Infrastruktur auf die Unterbringung von 50 Mädchen. Heute ist das Heim mit 75 Mädchen zwischen 4 und 18 Jahren hoffnungslos überbelegt.

Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit

Eines der Mädchen im neuen Wohnmodul, das unter anderem mit Geldern des Rotary Clubs Flawil gebaut worden ist. (Bild: PD)

Eines der Mädchen im neuen Wohnmodul, das unter anderem mit Geldern des Rotary Clubs Flawil gebaut worden ist. (Bild: PD)

Grecia kennt die Institution mit all ihren Vorzügen, Defiziten und Bedürfnissen. Als Mitglied des Interact Clubs, der Jugendorganisation von Rotary, hatte sie sich oft dort aufgehalten und packte an, wo immer Unterstützung nötig war. Wenn die junge Frau erzählt, wird die intensive Verbundenheit, aber auch ihre Betroffenheit spürbar.

«Zwar sind die Mädchen hier in Sicherheit, erhalten psychologische Unterstützung, Kleidung und regelmässige Mahlzeiten, werden zur öffentlichen Schule gefahren und auf das spätere Berufsleben vorbereitet. Doch es fehlt ihnen jede Form von Privatsphäre», erzählt Grecia. Bis vor kurzem hätten sich die Mädchen zwei Schlafsäle geteilt, fast Schulter an Schulter in Kajütenbetten geschlafen – 5-Jährige neben 18-Jährigen.

Zur Verbesserung der Lebensbedingungen sei schliesslich der Bau von vier Häusern mit je drei Zimmern für die Unterbringung von jeweils neun etwa gleichaltrigen Mädchen geplant worden. Grecia sagt:

«Doch bevor das erste Gebäude bezugsbereit war, ging das Geld aus.»

Auf der Baustelle tat sich nun gar nichts mehr. Die Situation im Waisenhaus «Paul Harris» thematisierte Grecia in einem Referat, das sie 2017 als Austauschschülerin vor dem Rotary Club Flawil gehalten hatte. Sie überzeugte und inspirierte. Und der Club reagierte, kam das Anliegen der jungen Peruanerin doch just zum richtigen Zeitpunkt. Denn der Flawiler Rotary Club stand vor seinem 50-Jahr-Jubiläum. Den rotarischen Werten verpflichtet, wurde entschieden, das Projekt in Peru finanziell zu unterstützen.

Spenden für zwei der vier Häuser

Der diesjährige Präsident von Rotary Flawil, Walter Egloff, erzählt:

«Je 10000 Franken spendeten unser Club sowie der Distrikt Schweiz Lichtenstein.»

Weitere 15 000 Franken seien von Privatpersonen eingebracht worden. Im vergangenen Jahr war Egloff selber in Peru, um sich ein Bild von der Baustelle zu machen. «Erst danach ist Geld geflossen», betont er. Mit den Spenden aus der Schweiz konnten – unter der Aufsicht von Grecias Mutter Monica – das erste Haus fertiggestellt und ein zweites gebaut werden. Letzteres wurde dieses Jahr eingeweiht. Für Haus drei und vier fehlt hingegen noch das Geld. Es sei nicht so, dass man in Chincha nur auf internationale Spenden hoffe, macht Grecia Aviles klar.

«Es werden am Ort verschiedene Projekte wie Talentshows oder Verkaufsaktionen durchgeführt.» Dennoch: 36000 US-Dollar kostet der Bau eines Hauses. Viel Geld in einem Land, das trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs in den vergangenen Jahren den Schritt vom Entwicklungsland zur Industrienation nur zögerlich zu vollziehen vermag.

Weiterhin für das Waisenhaus engagieren

Bald heisst es für Grecia und Monica Aviles, wieder Abschied zu nehmen. Es endet der zweiwöchige Aufenthalt, der den Gästen des Rotary Clubs Flawil, während zahlreicher Ausflüge neue Eindrücke der Schweiz vermittelt hat. Und der Grecia die Möglichkeit bot, ihre Kolleginnen zu treffen, mit denen sie im zweiten und dritten Kanti-Jahr in Wil die Schulbank gedrückt hatte.

Zuhause in Peru will sie sich weiterhin für das Waisenhaus «Paul Harris» engagieren und später, nach Abschluss ihres Studiums, in einem Spital arbeiten: «Ich möchte Menschen helfen», begründet sie ihr Berufsziel. Hilfe, das wünscht sie sich hier und jetzt von der Schweiz: dabei, den Bau der Wohnhäuser drei und vier zu finanzieren.

Hinweis: Spenden-Kontakt: RC Flawil, p.A. Ruedi Germann, Mobiliar, Bahnhofstrasse 18, 9230 Flawil oder per Mail an ruedi.germann@mobiliar.ch.

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