Von Neugier und kleinem Glück

Am Montag lud die Monterana-Schule in Degersheim zu einem Vortrag. Mark Riklin zeigte auf sehr unterhaltsame Art, wie man in Kindern die Neugierde und den Spass am Lernen aufrechterhält. Und wie man das kleine Glück erhascht.

Beatrice Oesch
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Glücksforscher Mark Riklin faszinierte sein Publikum mit seinem humorvoll präsentierten Referat. (Bild: bo.)

Glücksforscher Mark Riklin faszinierte sein Publikum mit seinem humorvoll präsentierten Referat. (Bild: bo.)

DEGERSHEIM. An einem Vortrag zu bildungs- und gesellschaftspolitischen Dauerbrennern erwartet man Informationen und Lösungsansätze, oft recht trocken präsentiert. Doch die rund 30 Personen, die am Montagabend den Vortrag an der Monterana-Schule in Degersheim besuchten, bekamen ausserdem beste Unterhaltung geboten. Glücksforscher und Dozent Mark Riklin ging in seinem Referat «Wer treibt uns die Sehnsucht aus?» der Frage nach, warum gemäss einer Studie in einer Schulklasse bei 20 Anwesenden nur zwei gleichzeitig zuhören, und die anderen nur so tun als ob. In der heutigen Gesellschaft, in der wir «von allen Seiten zugetextet werden», leide die Aufmerksamkeit. Kleine Kinder seien voller Neugier, dieses Feuer müsse erhalten bleiben. Um in diesem Sinne auch seinem Publikum gerecht zu werden, setzte er sich mit einer Eieruhr ein Zeitlimit von jeweils 20 Minuten, um in drei Gedankengängen diesem Feuer und der «Neugierologie» nachzuspüren: «Das ist gemäss Studien die Zeit, nach der die Aufmerksamkeit nachlässt», erklärte er.

Inwendiglernen und Kreativität

Mark Riklin ging den drei Bedingungen nach, die für ein Feuer nötig sind: Als Zündstoff echte Fragen und aktuelle Bezüge, als Sauerstoff Raum, Zeit und ein Vertrauensvorschuss und für die richtige Zündtemperatur sorge ein respektvoller Umgang in einer entspannten Atmosphäre. «Nicht Auswendiglernen, sondern Inwendiglernen wäre das Entscheidende», sagte er und betonte, wie wichtig es sei, Kreativität zu fördern und die eigene Neugier zu zeigen. «Warum nicht einmal in einem Aufsatz die guten Sätze unterstreichen, statt Fehler zu korrigieren?», regte er an.

Glück voranmelden

Mark Riklin ist Lehrbeauftragter an der FHS St. Gallen und Schweizer Landesvertreter des Vereins zur Verzögerung der Zeit. Er hat in positiven Streichen von sich reden gemacht – zum Beispiel, als er mit einer 10. Schulklasse aus Schaan in St. Gallen den Automobilisten den Feierabendverkehr mit seinem «Happy Rush Hour»-Projekt versüsste. 2002 richtete er im Lagerhaus St. Gallen eine Meldestelle für Glücksmomente ein. Über verschiedene seiner Projekte berichtete er mit Bildern und einem Kurzfilm. Er verlas einige der vielen eingegangenen Glücksmeldungen, wie «die ersten Fingernägel nach jahrelangem Nägelabbeissen», oder «Bauchschmerzen vor lachen».

Neue Rubrik dank Uzwilerin

Es wurde schnell klar: Das kleine Glück ist überall, man muss es nur sehen – die persönliche Sichtweise ist entscheidend. Während der angeregten Diskussion fragte die 12jährige Anna Beck aus Uzwil, ob man in der Meldestelle auch Glück voranmelden könne: «Ich habe morgen in der Schule einen 20-Kilometer-Lauf und freue mich so darauf!» Riklin fand die Idee so gut, dass er eine neue Rubrik einrichten will.