Von Gott, der Welt und der Digitalisierung: Die Donnerstagsgesellschaft Oberuzwil lud zur 185. Hauptversammlung

Philosophisches hatte an der Hauptversammlung der Donnerstagsgesellschaft Oberuzwil ebenso Platz wie Profanes. 

Tobias Söldi
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Das Flötenensemble Anima stimmte die 86 anwesenden Mitglieder der Donnerstagsgesellschaft auf die Hauptversammlung ein. (Bild: Tobias Söldi)

Das Flötenensemble Anima stimmte die 86 anwesenden Mitglieder der Donnerstagsgesellschaft auf die Hauptversammlung ein. (Bild: Tobias Söldi)

Manchmal fügt die Realität die Dinge besser zusammen als man es sich hätte ausdenken können. An der Hauptversammlung der Donnerstagsgesellschaft sinnierte Präsident Thomas Rhyner über die Parallelen zwischen Digitalisierung und Religion. «Rund um die Uhr bin ich umgeben von Programmen und Apps», sprach er zu den 86 Anwesenden, «wie ein guter Hirte hält Bill Gates seine schützende Hand über mich. Gloria in excelsis Micro».

Seine Worte hingen noch bedeutungsschwer im Raum, als das Smartphone von Vorstandsmitglied Regula Blöchlinger höchst effektvoll und punktgenau zu klingeln begann und die Stille unsanft durchbrach. Vielleicht war ja Bill Gates höchstpersönlich am Apparat.

Für das Essen reichte das Geld noch

Thomas Rhyner, Präsident der Donnerstagsgesellschaft

Thomas Rhyner, Präsident der Donnerstagsgesellschaft

So führte die Hauptversammlung von Schöngeistigem zu ganz profanen Themen und wieder zurück. Auf das Flötenensemble Anima, das zur Einstimmung aufspielte, und Rhyners Fazit zur Digitalisierung – «Die beste App ist das kritisch denkende Menschengehirn» – folgte das umso weltlichere Traktandum «Kassa und Revisorenbericht 2018». Auch Kulturfreunde kommen um Geldfragen nicht herum.

Vorstandsmitglied Adrian Müller, seines Zeichens Geschäftsleiter der Clientis Bank Oberuzwil und entsprechend versiert im Umgang mit Zahlen, hielt sich aber kurz. Zwar musste er für das vergangene Jahr ein Defizit von 2606 Franken verkünden, konnte aber Entwarnung geben: «Wir haben immer noch 20504 Franken in der Kasse. Für das heutige Abendessen reicht es aus», sagt er schmunzelnd.

Ein neuer Geist im Vorstand

Der Vorstand durfte am Donnerstag auch ein neues Mitglied in seinen Reihen begrüssen: Brigitt Klaus-Hasler aus Oberuzwil wird die Gesellschaft als «neuer Geist mit neuen Ideen», so Rhyner, bereichern. Die kulturell interessierte Weinliebhaberin komplettiert den nun wieder siebenköpfigen Vorstand, nachdem Jürg Schadegg diesen verlassen hatte.

Im Zuge der Präsentation des Jahresprogrammes (siehe Kasten) fand das Ortsmuseum Oberuzwil, das sich unter der Schirmherrschaft der Donnerstagsgesellschaft befindet, besondere Erwähnung. «Wir sind sehr glücklich über die Zusammenarbeit», sagt Rhyner mit Blick auf die Ausstellungen aus Anlass der 1200-Jahr-Jubiläumsfeier der Gemeinde. Neu ist das Programm des Museums auch im Jahresprogramm der Donnerstagsgesellschaft aufgeführt.

Ein buntes Kulturprogramm

Einen Schwerpunkt im Jahresprogramm der Donnerstagsgesellschaft bilden die Anlässe rund um die 1200-Jahr-Feierlichkeiten der Gemeinde. So zeigt das Ortsmuseum am 17. Februar und 3. März in einer Sonderausstellung das unscheinbare Schriftstück, in dem Oberuzwil erstmals erwähnt wurde. Dass die Region schon davor besiedelt war, belegen Funde aus der Römerzeit, die ebenfalls im Ortsmuseum zu sehen sind. Bis im März sind auch noch die Aquarelle des Oberuzwilers Heinrich Weber zu sehen. Der offizielle Festakt zu den Jubiläumsfeierlichkeiten findet am 16. Juni statt, die Donnerstagsgesellschaft wird ebenfalls vor Ort sein.  Neben den Anlässen im Zusammenhang mit dem Jubiläum stehen weitere Punkte auf dem Programm: Am 14. Februar liest der Autor Andreas Giger eine Kriminalgeschichte aus Oberuzwil. Der Walliser Historiker und Schriftsteller Wilfried Meichtry präsentiert am 9. Mai seinen Film über Katharina von Arx, die in den 50er-Jahren ohne Geld um die Welt reiste. Im September lädt die Donnerstagsgesellschaft zu einer Führung ins Rock- und Popmuseum. Einen Blick in die nächsten 30 Jahre wagt man am 16. November an einer Zukunftskonferenz. Am 5. Dezember werden «Harmonic Brass» aus München das Jahr musikalisch abrunden. (tos)