VON GANTERSCHWIL NACH PEKING

Angekommen im Reich der Mitte Wir nehmen die letzten Kilometer unserer Reiseroute unter die Zugräder: von der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator nach Peking. Draussen zieht die Wüste Gobi an uns vorbei. Durchs Fenster können wir Kamelherden beobachten.

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Ein Chinakohl kostet hier umgerechnet vier Rappen. (Bild: ua.)

Ein Chinakohl kostet hier umgerechnet vier Rappen. (Bild: ua.)

Angekommen im Reich der Mitte

Wir nehmen die letzten Kilometer unserer Reiseroute unter die Zugräder: von der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator nach Peking. Draussen zieht die Wüste Gobi an uns vorbei. Durchs Fenster können wir Kamelherden beobachten.

Dann kommen wir zur Grenze, wo der Zug mitsamt den Passagieren um zwei Meter in die Luft gehoben wird. Innerhalb einer Stunde wird das gesamte Räderwerk gewechselt, damit der Zug auf den chinesischen Schienen weiterrollen kann.

Verschwiegene Vergangenheit

In Peking angekommen, wollen wir unsere Fotos auf Facebook stellen. Dies funktioniert aber nicht so einfach. Neben YouTube, Twitter und anderen Webseiten ist in China auch Facebook zensiert. Jedoch finden wir schnell heraus, wie man die Zensur umgehen kann. Es gibt einige Webseiten, die den Nutzer direkt mit Facebook verlinken.

Am nächsten Tag suchen wir in einer englischen Buchhandlung den China-Reiseführer von «Lonely Planet». Die Verkäuferin erklärt uns, das Buch sei gerade ausverkauft, und empfiehlt uns andere Reiseführer. Wie wir später aber erfahren, ist der Reiseführer, den wir gesucht haben, in China verboten. Dies unter anderem deshalb, weil er Informationen zu den gewaltsam unterdrückten Volksaufständen von 1989 auf dem Tiananmen-Platz und zum Tibet-Konflikt enthält.

Reizüberflutung pur

Obwohl China offiziell unter kommunistischer Führung steht, scheinen die Chinesen die Regeln der Marktwirtschaft vollständig verinnerlicht zu haben. In den Strassen Pekings herrscht ein unerbittlicher Wettbewerb zwischen den einzelnen Händlern. Jeder ruft, so laut es geht, um seine Waren loszuwerden. Darunter tonnenweise gefälschte Markenkleider und Spielzeuge. Oft verhalten sich die Verkäufer gleich wie die batteriebetriebenen Puppen aus ihrem Sortiment: Sie machen immer dieselben Bewegungen und schreien immer dieselben Worte. Überall leuchten die unverkennbaren roten Lampions und bunten Leuchtreklamen.

Weg als Ziel

Peking hat aber auch eine ruhige Seite. Diese spüren wir in den zahlreichen buddhistischen Tempeln.

Rund 10 000 Zugkilometer haben wir vom Toggenburg bis nach China zurückgelegt. Einen Monat waren wir dafür unterwegs. Mit dem Flugzeug hätte die Reise zwölf Stunden gedauert, jedoch hätten wir dann auch viele wertvolle Eindrücke und Erlebnisse verpasst: Etwa die interessanten Übergänge zwischen dem weiten Russland, der kalten Mongolei und dem bunten China und natürlich alle netten Menschen, die wir während unserer Reise getroffen haben.

Ursula Ammann

Die freie Mitarbeiterin der Wiler Zeitung reist mit zwei Kolleginnen im Zug nach Peking. Sie berichtet über ihre Eindrücke und Erlebnisse auf der längsten durchgehenden Eisenbahnverbindung der Welt – der Transsibirischen Eisenbahn.