Von Feen, Raben und Drachen: Die Theatergruppe Henau begibt sich in der diesjährigen Produktion auf die Suche nach Glück

Wegen der Coronapandemie kann die grosse Vorstellung im Gemeindesaal nicht stattfinden. Die Theatergruppe Henau inszeniert mit der Eigenproduktion «An Hundstagen Glück» Märchen und Sagen der Region in ihrem Probelokal.

Dinah Hauser
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Dieses Jahr sind erstmals auch die Kinder und Enkel der Darsteller auf der Bühne zu sehen.

Dieses Jahr sind erstmals auch die Kinder und Enkel der Darsteller auf der Bühne zu sehen.

Bild: Dinah Hauser

Eigentlich hatte die Theatergruppe eine grosse Inszenierung von «Ein Haus in Montevideo» zum 50-jährigen Bestehen geplant. Nun holen die Darsteller das Publikum mit einer Coronabusfahrt auf der Bühne aus dem Alltag heraus in die Sagen- und Märchenwelt der Region Uzwil. In Henau geht ein gefürchiger Hund um. Oder gar ein Wolf? Oder doch nur Frau Müllers Pudel? Beim Coiffeur wie auch zu Hause wird jedenfalls spekuliert. Wer auf den Hund trifft, verliert seinen Weg und kommt erst nach einer langen Wanderung schweissgebadet und zitternd nach Hause.

Die Theaterleute sind in der Eigenproduktion «An Hundstagen Glück» auf der Suche nach eben diesem. Die Theaterpädagogin und Spielleiterin Bettina Schneider Weder stiess auf ihrer Suche nach möglichen Ausweichthemen auf Sagen und Märchen aus der Region. Im Team wurden fünf davon in eine Geschichte verwoben.

Hanna trifft auf ihre drei Brüder, die zu Raben verwünscht wurden.

Hanna trifft auf ihre drei Brüder, die zu Raben verwünscht wurden.

Bild: Dinah Hauser

Der Hauptstrang bildet das Märchen von den drei Raben. So sucht Hanna nach ihren drei Brüdern, die in Raben verwünscht wurden. Endlich gefunden, darf sie drei Jahre nicht reden, damit ihre Brüder wieder ihre menschliche Gestalt annehmen können. Als sie sich kurz darauf in einen Grafen verliebt, ist dessen Mutter nicht erfreut über das stumme Mädchen. Ein Kind nach dem anderen lässt sie aussetzen und spielt den Grafen gegen seine Gemahlin Hanna aus.

Dazwischen werden lokale Sagen eingewoben. So ist etwa auch der Drache von Eppenberg präsent, der bei seiner tollpatschigen Landung gar einen Krater in die Landschaft reisst.

Szenen gemeinsam durch Improvisation entwickelt

Bei dieser aussergewöhnlichen Eigenproduktion entschied sich die Gruppe, die Szenen durch Improvisation zu entwickeln. Requisiten sind kaum vorhanden; das Bühnenbild besteht aus Holzwürfeln, die je nach Szene eine andere Funktion bekommen. So sind sie mal ein Bett, ein Coiffeurstuhl oder gar ein ganzes Schloss. Geräusche werden entweder mit dem eigenen Körper erzeugt, mit den Würfeln oder auch mittels Gong oder Metalleimer. So entsteht eine Waldatmosphäre oder die Anfeindungen der Gräfin werden untermauert.

Für die Darsteller ist eine derartige Inszenierung Neuland. Bisher habe man immer ein Skript umgesetzt, sagen zwei langjährige Mitglieder. Dieses Jahr hingegen wurde alles gemeinsam ausgearbeitet. Ein Skript gibt es nicht, der Text ist nicht fix. Trotzdem sind die Schauspielenden auf Stichworte angewiesen. «Ich brauche deinen Pudel, sonst verpasse ich meinen Einsatz», sagt eine Schauspielerin lächelnd zu ihrem Kollegen.

Die Theatergruppe Henau lädt für einmal nicht zur grossen Aufführung im Gemeindesaal ein: Die Eigenproduktion zum 30-Jahr-Jubiläum wird im Probelokal gezeigt.

Die Theatergruppe Henau lädt für einmal nicht zur grossen Aufführung im Gemeindesaal ein: Die Eigenproduktion zum 30-Jahr-Jubiläum wird im Probelokal gezeigt.

Bild: Dinah Hauser

In diesem Jahr neu mit dabei sind auch die Kinder und Enkel der Schauspieler. Sie sollten ebenfalls bei der grossen Bühnenproduktion mitmachen. Nun spielen sie auf einem Nachbau der Bühne des Gemeindesaals, aber in kleinerem Raum. Hier im Probelokal üben die Erwachsenen zwei Mal pro Woche, die Kinder ein Mal. Kürzlich fanden die ersten gemeinsamen Proben statt und die letzten Details werden ausgearbeitet.

Vier kleine Aufführungen statt einer grossen

Wegen der Coronapandemie finden die Aufführungen anstatt im grossen Gemeindesaal im Probelokal im Waldhof 1 in Henau statt. Für jede der vier Aufführungen werden zirka 40 Personen eingelassen. Plätze können per E-Mail an info@tg-henau.ch oder per Telefon 078 876 49 94 reserviert werden. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwölf Franken, für Kinder sechs Franken. Es empfiehlt sich, warme Kleidung anzuziehen oder eine kuschelige Decke mitzunehmen. Die Spieldauer beträgt zirka 70 Minuten. Parkplätze stehen beim Sportplatz Rüti zur Verfügung.
Die vier Spieldaten sind: 24. Oktober um 17 Uhr, 25. Oktober um 14 und 17 Uhr sowie 31. Oktober um 14 und um 17 Uhr. Weitere Informationen unter www.tg-henau.ch. (dh)