Von Fabian Schär über Mauro Lustrinelli bis hin zu Marcel Koller: Der FC Wil ehrt seine besten Spieler und Trainer

Einen Trophäensaal wie Real Madrid werde man beim FC Wil wohl nie haben, sagte Mediensprecher Dani Wyler anlässlich der Vorstellung der Hall of Fame. Die Auszeichnungen des Klubs sind vielmehr eine gute Jugendarbeit. Viele prominente Spieler, aber auch Trainer haben ihre Karriere im Bergholz lanciert. Einige davon sind neu in der Hall of Fame in den Katakomben des Stadions zu finden.

Gianni Amstutz
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1. Der Star

Fabian Schär begann seine Karriere beim FC Wil.

Fabian Schär begann seine Karriere beim FC Wil.

Fabian Schär ist zweifellos der erfolgreichste Fussballer, der je für den FC Wil spielte. Er schaffte via FC Basel den Sprung auf die internationale Fussballbühne und spielte in allen grossen Ligen: in der Bundesliga (Hoffenheim), der spanischen La Liga (Deportivo La Coruña) und aktuell in der englischen Premier League (Newcastle United). Auch in der Schweizer Nationalmannschaft hat Schär einen Stammplatz. Der aktuelle Marktwert des Innenverteidigers beträgt mit 16 Millionen Euro mehr als das doppelte des Marktwerts des gesamten Kaders des FC Wil (7,75 Millionen Euro).

2. Die späteren St. Galler

Daniel Lopar war nach seiner Zeit in Wil jahrelang die Nummer 1 beim FC St. Gallen

Daniel Lopar war nach seiner Zeit in Wil jahrelang die Nummer 1 beim FC St. Gallen

Daniel Lopar hütete zwischen 2003 und 2006 63 Mal das Tor des FC Wil. Als damals 19-Jähriger vertrat er den verletzten Stammtorhüter Nicolas Beney unter anderem auch im Cupfinal 2004, den der FC Wil mit einem 3:2 gegen die Zürcher Grasshoppers für sich entscheiden konnte. Ab 2006 lief er für den FC St. Gallen auf und war dort - mit einigen Ausnahmen - als Nummer 1 gesetzt. Aktuell spielt er in Australien bei den Western Sydney Wanderers.

Philipp Montandon spielte zwischen 2002 und 2004 zwei Saisons lang für den FC Wil.

Philipp Montandon spielte zwischen 2002 und 2004 zwei Saisons lang für den FC Wil.

Auch Philipp Montandon war Teil der Cupsieger-Mannschaft des FC Wil. Und auch er nutzte das Sprungbrett FC Wil, um zum grossen Bruder im Osten zu wechseln. Zwischen 2004 und 2014 spielte er für die Espen, wobei er zwischenzeitlich sein Glück beim FC Schaffhausen, bei Chievo Verona und beim FC Lugano sein Glück versuchte. 2014 gab er nach zahlreichen Hirnerschütterungen seinen Rücktritt bekannt.

Fabinho spielte zweimal für den FC Wil. Das erste Mal zwischen 1998 und 1999, das zweite Mal zwischen 2001 und 2004.

Fabinho spielte zweimal für den FC Wil. Das erste Mal zwischen 1998 und 1999, das zweite Mal zwischen 2001 und 2004.

Fabio De Souza - besser bekannt als Fabinho - führte den FC Wil 2004 als Captain zum Cupsieg. Im Final gegen die Grasshoppers traf er zudem zweimal vom Punkt aus. Danach wechselte er zum FC St. Gallen. Dort blieb er etwas unter den Erwartungen, erzielte in 47 Spielen aber immerhin 2 Tore und bereitete 5 vor. Nach weiteren Stationen in Schaffhausen und Herisau beendete er seine Karriere. Inzwischen ist Fabinho wieder Teil des FC Wil, und zwar als Trainer der U20-Mannschaft.

3. Der Treue

Sandro Lombardi hielt dem FC Wil während acht Jahren die Treue.

Sandro Lombardi hielt dem FC Wil während acht Jahren die Treue.

165 Partien absolvierte der langjährige Captain für den FC Wil. Auch deshalb war Sandro Lombardi eine Identifikationsfigur beim Klub. Anfang der laufenden Saison fiel er einer Neuausrichtung des Vereins zum Opfer. Da man beim FC Wil vermehrt auf junge Spieler setzt, hatte es für den 32-Jährigen keinen Platz mehr im Kader. Daraufhin beendete er seine Karriere.

4. Die Erfolgreichen

Dario Lezcano schaffte in Wil den Durchbruch, der ihn bis in die Bundesliga führen sollte.

Dario Lezcano schaffte in Wil den Durchbruch, der ihn bis in die Bundesliga führen sollte.

Dario Lezcano spielte zwischen 2008 und 2011 für den FC Wil. Via Thun und Luzern schaffte der Stürmer 2016 den Sprung zum FC Ingolstadt in die Bundesliga. Nach dem Abstieg von Ingolstadt löste er seinen Vertrag auf und spielt aktuell beim FC Juarez in Mexico.

Pa Modou hat sich in der Super League als feste Grösse etabliert.

Pa Modou hat sich in der Super League als feste Grösse etabliert.

Pa Modou hätte auch in die Kategorie «Die späteren St. Galler gepasst». Dorthin wechselte der Aussenverteidiger nämlich nach zwei Saisons bei den Wilern. Nach erfolgreichen Jahren bei den Espen wurde er zuerst zum FC Sion, danach zum FC Zürich transferiert. Dort spielt er noch heute regelmässig.

Mauro Lustrinelli lief 12 Mal für die Schweizer Nationalmannschaft auf.

Mauro Lustrinelli lief 12 Mal für die Schweizer Nationalmannschaft auf.

FC Thun, Sparta Prag, FC Luzern, AC Bellinzona, YB: Die Klubs, für die Mauro Lustrinelli nach seinem dreijährigen Engagement beim FC Wil auflief, lassen sich durchaus sehen. Darüber hinaus ging «Lustrigol» auch 12 Mal für die Nati auf Torejagd. Aktuell trainiert er die U21-Nationalmannschaft.

5. Der Spätberufene

Johan Vonlanthen galt einst als grosses Talent, konnte das Versprechen jedoch nicht einlösen.

Johan Vonlanthen galt einst als grosses Talent, konnte das Versprechen jedoch nicht einlösen.

Johan Vonlanthen ist keiner jener Spieler, die beim FC Wil ihre Karriere lancierten. Im Gegenteil: Nach einer langen, teils turbulenten Karriere verbrachte das einstige Supertalent seinen fussballerischen Lebensabend beim FC Wil. Hier spielte zwischen 2016 und 2018 69 Partien und erzielte dabei 13 Tore.

6. Die Trainer

Christian Gross führte den FC Wil vom fussballerischen Niemandsland in die Nationalliga B.

Christian Gross führte den FC Wil vom fussballerischen Niemandsland in die Nationalliga B.

Nicht nur Spielern bildet der FC Wil eine Bühne, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Auch Trainer starteten hier ihre Karriere. Allen voran Christian Gross. Unter ihm stiegen die Wiler von der 2. Liga in die Nationalliga B auf, wo sie sich in der Folge etablierten. Der Erfolg von Christian Gross in Wil blieb nicht unbemerkt. 1993 wechselte er zu den Grasshoppers. Mit dem Rekordmeister gewann Gross zweimal die Schweizer Meisterschaft. Danach bewahrte er die Tottenham Hotspurs vor dem Abstieg. Seine Blütezeit als Coach hatte Gross aber ohne Zweifel beim FC Basel. Unter ihm entwickelte sich der damals unbedeutende Klub zum Massstab der Super League. Die weiteren Stationen in seiner Karriere: VFB Stuttgart, YB, Al-Ahli, Zamalek und erneut Al-Ahli. Dort wurde Gross vor wenigen Tagen entlassen.

Marcel Koller feierte an der Seitenlinie des FC Wil viele Erfolge.

Marcel Koller feierte an der Seitenlinie des FC Wil viele Erfolge.

Der Stern von Marcel Koller ging in Wil auf. Hier war 1997 seine erste Station als Trainer. Danach wechselte er in der Winterpause der Saison 1998/99 zum FC St. Gallen. In seiner ersten kompletten Saison führte er die Espen zum Meistertitel. 2002 wechselte er zu den Grasshoppers. Mit dem Verein, bei dem er als Spieler für Furore gesorgt hatte, gewann er ein weiteres Mal die Schweizer Meisterschaft. Sein Weg führte ihn danach zum 1. FC Köln und zum VFL Bochum. 2011 übernahm Marcel Koller das Amt des Österreichischen Nationaltrainers. Nachdem er die ÖFB-Elf äusserst erfolgreich trainierte, stand er zuoberst auf der Wunschliste für die Nachfolge von Othmar Hitzfeld als Trainer der Nati. Koller lehnte jedoch ab. 2017 endete Kollers Zeit in Österreich. Seit Sommer 2018 trainiert er den FC Basel. Der Erfolg bleibt bisher jedoch aus.

7. Der Abwesende

Charles Amoah spielte in der Saison 1998/99 für den FC Wil

Charles Amoah spielte in der Saison 1998/99 für den FC Wil

Bild: Rainer Bolliger

Hätte der FC St. Gallen eine Hall of Fame, der Name Charles Amoah würde sicher nicht fehlen. In der Wiler Hall of Fame sucht man den Stürmer jedoch vergeblich. Wie die Klubverantwortlichen am Pressetermin jedoch betonten, sei die Hall of Fame noch nicht komplett. Amoah hätte einen Platz dort auf jeden Fall verdient, auch wenn er nur eine Saison für den FC Wil auflief. Bevor der Ghanaer gemeinsam mit Trainer Marcel Koller in die Kantonshauptstadt wechselte, traf er in 33 Spielen mit den Wilern 20 Mal. In der Fogesaison wurde Amoah bei den St. Gallern mit seinen 25 Treffern Torschützenkönig der Nationalliga A und hatte wesentlichen Anteil am ersten Meistertitel der Espen seit 96 Jahren. Nach zwei Saisons beim FC St. Gallen wechselte er zu Sturm Graz. Dort wollte ihm der Durchbruch aber nie wirklich gelingen.