Von der Wiler Textilindustrie gibt es Erfolgsgeschichten zu erzählen

Die Wiler standen den Handwerkern in der Stadt St.Gallen um einiges nach bei der Herstellung und dem Handel von Tuch. Dennoch gibt es einige Namen wie Jakob Josef Müller und Josef Marin Morel, die bis heute bekannt sind.

Adrian Zeller
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Das ehemalige Müller-Fabrikgebäude.

Das ehemalige Müller-Fabrikgebäude.

Bild. Adrian Zeller

Verglichen mit der Stadt St. Gallen war den Äbtestädtern im Leinwandgewerbe wenig Glück beschieden, sie mochten punkto Qualität und beim Handelsgeschick nicht dauerhaft zu den Mitbewerbern aufschliessen.

Doch von der Wiler Textilbranche gibt es auch Erfolgsgeschichten zu erzählen: Jakob Josef Müller (1729–1801) war ein weltgewandter Mann. Er ist der Schöpfer des Deckengemäldes in der Kirche Maria Dreibrunnen. Er war nicht nur ein begabter Künstler, er war auch Wiler Schultheiss. Und er, der in Rom und Madrid Kunst studiert hatte, war oft unterwegs. Dabei betätigte er sich auch als Handelsreisender, der unter anderem farbige Schnupftücher aus Herisau an die Kundschaft brachte.

Josef Marin Morel, der Erbauer des heutigen Rathauses

Josef Marin Morel (1735–1820) liess sich in Wil als Tuchhändler nieder.

Josef Marin Morel (1735–1820) liess sich in Wil als Tuchhändler nieder.

Bild: PD

Der Kaufmann Josef Marin Morel (1735–1820), gebürtig aus Savoyen, liess sich in Wil als Tuchhändler nieder. Sein Geschäft florierte, er kaufte in Wil einige Immobilien und auch Land. Er errichtete an der Marktgasse das heutige Rathaus, das er seinerzeit zu Geschäfts- und Wohnzwecken nutzte. Auf dem Ölberg liess er sich ein Sommerlogis bauen, aus dem später das ehemalige Restaurant Ölberg wurde.

Die Familie Müller, ursprünglich aus Mosnang stammend, etablierte sich in Wil als Inhaber des ehemaligen Hotels Schöntal. Sie ist nicht verwandt mit der Familie aus der der oben erwähnte Jakob Josef Müller entstammt. Zusätzlich stieg sie in die Textilbranche ein. Am Friedtalweg entstand hinter dem heutigen Centralhof nach und nach ein ganzer Industriekomplex. Es war eine der grössten Buntwebereien im Land.

Die Müller, Pioniere bei mechanischen Webstühlen

Die Müllersche Fabrik beschäftigte in seiner Spitzenzeit 200 bis 300 Mitarbeitende. Sie exportierte ihre Produkte bis nach Indien, Japan und Afrika. Die Söhne brachten zusätzliche Fachkompetenz in den Betrieb ein: Johann Baptist Müller Junior sammelte nach einer kaufmännischen Lehre in Genf und in Lyon Berufserfahrungen. Er setzte als Pionier auf mechanische Webstühle. Sein jüngerer Bruder Johann Fridolin Müller absolvierte im elterlichen Betrieb eine Ausbildung. In England und in Schottland studierte er die Technologie der Webmaschinen und brachte seine Kenntnisse in die Wiler Fabrik ein.

In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gerieten die Textilprodukte aus Wil aus dem Hause Müller gegen die Konkurrenz England und aus Japan zunehmend ins Hintertreffen. Zudem kam es zu erheblichen Wechselkursverlusten. Und dann brannte 1895 auch noch die Fabrik ab.

Nachdem die erfolgreichen Jahre vorbei waren, musste ein neues Geschäftsfeld gefunden werden. Man setzte künftig auf die Herstellung von hochwertigen Filzen. So entstand aus der ehemaligen Buntweberei eine Filzfabrik.