«Von der Landkarte zum GPS»

Unter der Erdoberfläche gibt es diverse Leitungen für Wasser, Abwasser, Gas und Strom. Doch wo genau? Die Pläne sind bis zu 40 Jahre alt und zu wenig genau. Die Regionalwasserversorgung Mittelthurgau-Süd digitalisiert nun ihr Netz.

Simon Dudle
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In einem Bettwiesner Schacht: Betriebswart-Chef Willi Meienberger und RVM-Süd-Präsident Andreas Widmer analysieren das Leitungsnetz. (Bild: sdu.)

In einem Bettwiesner Schacht: Betriebswart-Chef Willi Meienberger und RVM-Süd-Präsident Andreas Widmer analysieren das Leitungsnetz. (Bild: sdu.)

REGION. Wer ein Haus bauen will oder einen Anbau plant, der wird sofort mit der Frage konfrontiert: Wo genau verlaufen die Leitungen? Teilweise geht es dabei um Zentimeter, und der genaue Blick in den Grundbuchplan lohnt sich. Das Beispiel der Regionalwasserversorgung Mittelthurgau-Süd (RMV-Süd), welche die Stadt Wil, Bronschhofen und die meisten umliegenden Thurgauer Gemeinden mit Wasser bedient, zeigt jedoch eine gewisse Ungenauigkeit auf diesen Karten. Diese wurden vor bis zu 40 Jahren manuell und oft noch ohne technische Hilfsmittel erstellt. «Wir wissen nicht ganz genau, wo die Leitungen verlaufen. Die Pläne sind für die heutigen Verhältnisse ungenügend», sagt RVM-Süd-Präsident Andreas Widmer dazu.

Genau bestimmt werden können sichtbare Fixpunkte, zu denen etwa 120 teilweise begehbare Schächte und Reservoirs gehören. Wo genau die Leitungen aber verlaufen, kann zwar eingegrenzt, aber nicht mit abschliessender Sicherheit gesagt werden. Um die Ungenauigkeit auf den Karten bezüglich Leitungen und Steuerkabeln aus der Welt zu schaffen, hat sich der RMV-Süd entschieden, sein Netz in den nächsten Monaten zu digitalisieren.

Leitungen orten

Für die Arbeiten hat die Firma Wälli Ingenieure mit Hauptsitz in Arbon, die auf diesem Gebiet spezialisiert ist, den Zuschlag erhalten. Ab übermorgen Montag werden zuerst während dreier Tage alle sichtbaren Objekte, also die Schächte, erfasst. Im Oktober geht es dann darum, schritt- und tageweise alle Leitungen zu orten. Dies ist mit einem Ortungsgerät möglich, da die 40 Zentimeter breiten, meist etwa 1,5 Meter unter der Erde verlaufenden Leitungen der RVM-Süd aus Stahl sind.

Die Daten werden dann in den Wintermonaten auf den Computer übertragen und im System erfasst, so dass der Auftrag im Frühling abgeschlossen werden kann. «Aus Landkarten entsteht nun ein GPS», sagt Andreas Widmer anschaulich. Die Kosten für diese Digitalisierung sind mit 60 000 Franken veranschlagt.

Im Schadenfall wichtig

Die Ingenieure müssen aber nur fast das ganze Netz digitalisieren. An jenen Orten, wo in den vergangenen Jahren gebaut worden ist, wie zum Beispiel bei der Firma Sonderegger in Bronschhofen, ist dies bereits geschehen. Dies betrifft hauptsächlich jene kurzen Abschnitte, auf denen die Leitungen offen- und umgelegt werden mussten.

Doch ist dieser Aufwand überhaupt nötig? «In den vergangenen 40 Jahren hat sich viel geändert, und die Bauzonen sind viel grösser geworden. Dem müssen wir Rechnung tragen», sagt Andreas Widmer. Und er ergänzt: «Wenn irgendwo ein Problem mit einer Leitung auftreten sollte, ist es wichtig, zu wissen, wo diese genau verläuft.» Auch Willi Meienberger, Chef-Betriebswart der RVM-Süd aus Märwil, findet die Digitalisierung durchaus sinnvoll: «Sobald es um Bauvorhaben geht, brauchen wir ganz genaue Angaben», sagt er.