Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Von Afghanistan nach Oberuzwil: Ein neues Leben in der Fremde

Hossain Walizada aus Oberuzwil hat geschafft, was nicht jedem Flüchtling gelingt: Er hat eine Lehre begonnen.
Tobias Söldi
Zuhause in Oberuzwil: Hossain Walizade wohnt seit 2016 in der Gemeinde. (Bild: Tobias Söldi)

Zuhause in Oberuzwil: Hossain Walizade wohnt seit 2016 in der Gemeinde. (Bild: Tobias Söldi)

Wenn Hossain Walizada aus seinem Leben erzählt, tut er das in prägnanten Formulierungen, in einprägsamen Bildern. «Ich war am Boden zerstört, als ich hier angekommen bin. Aber die Schweiz hat mich bei der Hand genommen und mir geholfen, aufzustehen.» Auch wenn die Grammatik nicht immer ganz perfekt sitzt, mit der deutschen Sprache weiss der 23-jährige Afghane umzugehen.

Und zu erzählen hat er einiges. Walizada ist seit bald vier Jahren in der Schweiz. Mit 19 Jahren floh er aus Afghanistan, einen Monat lang war er unterwegs, reiste durch Pakistan, Iran, die Türkei und Griechenland. «Ich habe Dinge gesehen, die ich nie sehen wollte», sagt er. Konkreter wird er aber nicht. Im Oktober 2015 kam er in Altstätten im St.Galler Rheintal im Asylzentrum an.

«Ich habe mein Land für eine bessere Zukunft verlassen, zu Hause gab es keine Sicherheit. Niemand lässt seine Familie freiwillig zurück.»

Mit der Lehre ein Ziel vor Augen

Die Familie: Immer wieder erwähnt Hossain sie, sie bedeutet ihm viel. Seit seiner Flucht hat er seine Eltern und seine vier Geschwister, eine Schwester und drei Brüder, nie mehr gesehen. Ab und an telefoniert er mit ihnen. Wann und ob er sie je wiedersehen wird, weiss er nicht. Walizada sagt: «Die Schweiz hat mir alles gegeben. Aber etwas habe ich verloren: meine Familie.»

In den Jahren seit seiner Ankunft hat er sich in der Schweiz ein neues Leben aufgebaut. Ein Leben weit weg von seiner Heimat, in einem fremden Land mit einer eigenen Kultur und einer anderen Sprache, einem Land, von dessen Existenz er vorher kaum wusste. Heute kann er sagen: «Die Schweiz ist mein zweites Zuhause geworden.»

Walizada wohnt in Oberuzwil, in einem Haus gleich neben dem Gemeindehaus, gemeinsam mit zwei Afghanen, die 2016 mit ihm Oberuzwil zugewiesen worden sind. Walizada hat einen F-Ausweis, hat also den Status als vorläufig Aufgenommener. Das ermöglicht es ihm auch, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Der Kundenkontakt ist ihm am liebsten

Und das macht er. Im August hat Walizada eine zwei Jahre dauernde Lehre als Verkäufer beim Migros Do it+Garden in St.Fiden begonnen. Nach einem halben Jahr Praktikum im selben Betrieb hat ihm die Migros die Ausbildung angeboten. Er ist einer von wenigen: Aktuell stehen fünf Menschen mit Asylhintergrund bei der Migros Ostschweiz in Ausbildung. «Ich bin froh darüber, dass ich diese Lehre machen darf. Ich weiss jetzt, was ich mit meinem Leben hier anfange, und habe ein Ziel vor Augen.» In Afghanistan arbeitete Walizada als Automechaniker und Autolackierer. Die neue Arbeit gefällt ihm. «Am liebsten habe ich den Kundenkontakt.»

Aus Walizadas Worten spricht viel Dankbarkeit: für das Sozialamt von Oberuzwil, das ihn bei der Arbeitssuche unterstützt hat; für die Migros, die ihm «eine Tür aufgemacht hat»; für seine Arbeitskollegen und Vorgesetzten; für die positiven Begegnungen mit Schweizerinnen und Schweizern; für die neuen Freunde.

Ohne Motivation geht es nicht

Deutlich wird aber auch: Ohne starken inneren Antrieb wäre Walizada nicht dahin gekommen, wo er jetzt ist. «Wenn du etwas willst, dann kannst du es», sagt er. Es ist sein Motto, sein Credo. «Und dann geben dir die Leute auch die Chance.» Das war beim Deutschlernen so, das war bei der Migros so. Schon im Asylheim habe er Deutsch zu lernen begonnen, mit Hilfe des Smartphones, auf Youtube. Danach hat er ein Jahr im Solihaus in St.Gallen gebüffelt.

«Wer eine Sprache spricht, kann seine Probleme lösen.»

Und wie geht es weiter? Ausbildung, Weiterbildung, vielleicht irgendwann sogar sein eigener Chef sein. «Ich denke positiv und schaue geduldig in die Zukunft», sagt Walizada. Manchmal kann er es kaum fassen, wo sein Leben ihn zuletzt hingeführt hat. «In ein Land ohne Probleme. Das ist unglaublich.» Und wenn er die Natur bestaunt, die Wälder und Pflanzen, beschleicht ihn ein Verdacht: «Es ist wie ein Gemälde. Das kann doch nicht die Wahrheit sein.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.