Vom Zwinglidorf in den Zwinglisaal

Seine Reime sind unnachahmlich, seine Aussagen voller Schalk. Hans Ruedi Fischer – kurz «fis» – erzählte und dichtete am Treff-60-plus-Nachmittag der Reformierten Kirchgemeinde Flawil und unterhielt dabei aufmerksame Zuhörer.

Kathrin Meier-Gross
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Ein begabter Beobachter: Hans Ruedi Fischer las beim Treff 60 plus aus seinem Gedichtband «Sonnenlachen – Regenlachen». (Bild: Kathrin Meier-Gross)

Ein begabter Beobachter: Hans Ruedi Fischer las beim Treff 60 plus aus seinem Gedichtband «Sonnenlachen – Regenlachen». (Bild: Kathrin Meier-Gross)

FLAWIL. Hier ein herzlicher Händedruck, dort eine Umarmung: Hans Ruedi Fischer, bekannt unter dem Kürzel «fis», konnte sich am Dienstag in seiner alten Heimat Flawil fast «en famille» fühlen. «Wenn ich an die Gottesdienste denke, könnte ich angesichts der vielen Leute beinahe neidisch werden», schmunzelte Pfarrer Willi Egger. Dieser Treff- 60-plus-Dienstag war nicht nur für die Gäste ein Freudentag, sondern auch für Fischer. Exakt vor 45 Jahren hatte er seine Frau Sylvia vor den Traualtar geführt. Im Gedicht «Hochzeit-hohe Zeit-frohe Zeit» drückte er seine Gedanken zum grossen Tag aus.

Geniesse den 60er-Takt

«Fis», der gelernte Schriftsetzer, Werbetexter und Journalist, hatte von 1979 bis 1995 mit seiner Familie in Flawil gelebt. Ab 1987 bis zu seiner Pensionierung war er Kommunikationsbeauftragter der Evangelischen Kantonalkirchen St. Gallen und Thurgau gewesen. Zwar lebt das Ehepaar Fischer seit 1995 in Wildhaus, die Verbindung nach Flawil aber ist nie gerissen. «Fis» hatte sogar ein passendes Gedicht zum Treff 60 plus, das mit den Worten schloss: «Geniesse von Lebenslust gepackt exakt den 60er-Takt.» Die Sommerzeit mit der jährlich wiederkehrenden Frage «vörschi oder hinderschi» führte zur ehrfürchtigen Aussage: «Mis Stündli stoht i diner Hand, und zwor nöd nu zur Sommerszyt.»

Immer im Bild

Zu den Erinnerungen an die Flawiler Zeit gehört für Fischer ein tierisch-heiterer Abend mit dem Orchesterverein im Magdenauer Rössli, bei dem Dirigent Kalberer und sein Orchester für einen «Heidenspass» im Auditorium gesorgt hatten. Ein Vergnügen, das weit in den Alltag hinein gestrahlt habe. Von seinem verstorbenen Freund Pius Walliser zitierte er die Worte «alli ämol anäluägä». Dann erzählte er Anekdoten vom umtriebigen Fotografen, der während 45 Jahren im «Rössli» ein Fotostudio betrieben hatte. Viele Feste waren mit Walliser gefeiert, und auch der Funkensonntag war dank dessen Initiative wieder aktiviert worden. «Pius ist selten auf, aber immer im Bild gewesen.» Eine Hommage, die mit Applaus bekräftigt wurde.

Mit drei Gedichten aus seinem Buch «Sonnenlachen – Regenlachen» erlebten die Zuhörer noch einmal die ganze Bandbreite von Fischers Wortakrobatik und seinen manchmal fast schon philosophischen Gedankengängen. In «Meinrad auf dem Einrad» trieb er kalauernd Schabernack mit Worten. «So viel Blödsinn för dä Moment», meinte der Urheber und gestand, dass er schon seit fünf Jahren an diesen Versen feile.

Seine tiefe Verwurzelung im Glauben kam bei «Passionszeit» und «Pilgerfahrt» zum Vorschein. «Fis» hat den ganzen Weg bis Santiago de Compostela unter die Füsse genommen. Seine Reise vom Zwinglidorf Wildhaus in den Zwinglisaal Flawil wurde von den Besuchern geschätzt und genossen.

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