Vom Zollhaus zur Wirtschaft

Die Ursprünge der Thurbrücke bei Schwarzenbach liegen über ein halbes Jahrhundert zurück. Der neuralgische Punkt an der Thur hat eine lange Geschichte von Gast- und Wirtschaftlichkeit.

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schwarzenbach. In den Quellen wird die Brücke bei Schwarzenbach erstmals 1649 in einer Pergamenturkunde des Pfalzrates Wil erwähnt. Die Brücke stand dazumal gänzlich auf Jonschwiler Boden. Aufgrund des kostspieligen Unterhaltes ersuchten die Jonschwiler die Abtei in St. Gallen um finanzielle Unterstützung. Nach mehreren Anläufen sah die Abtei vor, dass die Jonschwiler an der Brücke Zollbeträge auf Handelswaren erheben durften. Diese Zolleinnahmen gingen an die Abtei, flossen für den Brückenunterhalt aber teilweise zurück.

1672 trat Johann Lichtensteiger als erster Schwarzenbacher Zöllner in den Dienst des Klosters. Dafür stand ihm das Recht des Weinausschanks, des Verkaufs von warmem Essen und der Beherbergung von Reisenden zu. Er bewohnte das eigens dafür erbaute Zollhaus bei der Brücke.

Die Rolle des Klosters

Trotz des Zustupfs in Form von Zinsen aus dem Brückenkapital fühlten sich die Jonschwiler durch die Kosten des Brückenunterhalts weiterhin überfordert. 1722 überreichten sie dem Abt in St. Gallen ein Memorial, in dem sie darlegten, es sei ihnen finanziell unmöglich «solch kostbahre brugg in Ehren zuhalten». Gedrängt durch Beschwerden von St. Galler Handelsleuten, entschloss sich die Klosterverwaltung im Jahre 1724, in Zukunft selber für den Unterhalt der Brücke zu sorgen.

Die Brückensanierung durch die Abtei St. Gallen im Jahre 1726 mochte den Anforderungen jedoch nicht lange standzuhalten. Für die schweren Güterwagen der St. Galler Kaufleute war die Thurbrücke bald zu schwach, und Hochwasser setzten ihr immer wieder stark zu.

Man dachte darum schon nach wenigen Jahren daran, die Brücke an einen geeigneteren Standort zu verschieben. Ein solcher bot sich etwas weiter flussabwärts an, wo steile Ufer die Thur auf eine geringere Breite zusammendrängten. Die Gemeinde Jonschwil wehrte sich jedoch gegen diesen Plan, da sie die zu erwartenden hohen Baukosten fürchtete.

Fürstenlandstrasse

Eine ähnliche, von Sparsamkeit beseelte Haltung vertraten alle Gemeinden des unteren Toggenburgs in den 1770er-Jahren, als der Abt die Strasse Rorschach–St. Gallen–Wil gründlich sanieren wollte. Die Gemeinden lehnten es grundsätzlich ab, dieses Projekt zu unterstützen. Abt Beda Angehrn plagte sich nicht lange mit den widerspenstigen Toggenburgern herum, sondern liess seine Baumeister eine völlig neue Strasse ausstecken, die nicht mehr durch toggenburgisches Gebiet ging. Es war dies die berühmte Fürstenlandstrasse, die von Gossau über Oberbüren nach Wil führte.

Brücke am heutigen Standort

Aufgrund der neuen Fürstenlandstrasse nahm der Verkehr über Schwarzenbach deutlich ab, und die Toggenburger sahen sich wirtschaftlich gezwungen, ebenfalls die Strassen auszubauen. Zunächst verbot der Abt jedoch den Ausbau der alten Landstrasse von Schwarzenbach nach Flawil. Erst nach Zahlung eines beträchtlichen Schadenersatzes für die zu erwartenden Mindereinnahmen beim Zoll im Fürstenland erhielten die Toggenburger die Erlaubnis zugesprochen. Diese Strassensanierung war nur sinnvoll, wenn gleichzeitig die viel zu schwache Thurbrücke bei Schwarzenbach ersetzt wurde. Wieder bestürmten die Toggenburger den Abt, er möchte das alte Projekt der Verlegung und des Neubaus der Brücke nun doch ausführen lassen.

So entstand 1787/1788 rund 300 Meter nördlich des alten Standorts – gerade dort, wo schon seit zehn Jahren ein neues Zollhaus stand – die neue, fünfbogige Holzbrücke. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1805 übernahm der Kanton St. Gallen die Unterhaltspflicht an der Schwarzenbacher Brücke. In der Bundesverfassung wurden 1848 alle Binnenzölle und Verkehrsabgaben aufgehoben.

«Zur Schwarzenbacherbrücke»

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wahrte das Haus «Zur Schwarzenbacherbrücke» seine Funktion als Zollhaus. Als 1848 die Binnenzollschranken fielen, wurde für das stattliche Gebäude eine andere Zweckbestimmung gesucht. Der Kanton bot das Haus der Bauernschaft zum Kauf an. Nachdem es noch vergrössert worden war, wurde das ehemalige Zollhaus in ein Restaurant mit Wohnräumen umgewandelt.

Als einfache Pinte konzipiert

Erstmals 1871 wird die Wirtschaft «Zur Schwarzenbacherbrücke» erwähnt, unter Wirt Johann Jakob Gygax. Sie war als einfache Pinte konzipiert und erlebte bald einen gewaltigen Aufschwung. Hochzeiten, Taufen oder auch Erntedankfeste wurden vermehrt dort abgehalten. 1918 erwarb Martin Trunz aus Niederhelfenschwil die Wirtschaft. Die zweite Eigentümer-Generation Trunz führte 1959 eine umfassende Renovation aus. Das Haus befindet sich noch heute im Besitz der Familie Trunz. (pd.)

Quelle: Bruno Krapf: Die Thurbrücken bei Schwarzenbach, Toggenburger Annalen 1985, Bazenheid.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wahrte das Haus «Zur Schwarzenbacherbrücke» seine Funktion als Zollhaus. Dann wurde es in ein Restaurant umgestaltet. Auf der Fassade steht geschrieben: «Beda von Gottes Gnaden, Fürstabt von St. Gallen, befahl die Errichtung dieses Hauses im Jahre 1777.» (Bilder: Philipp Stutz)

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wahrte das Haus «Zur Schwarzenbacherbrücke» seine Funktion als Zollhaus. Dann wurde es in ein Restaurant umgestaltet. Auf der Fassade steht geschrieben: «Beda von Gottes Gnaden, Fürstabt von St. Gallen, befahl die Errichtung dieses Hauses im Jahre 1777.» (Bilder: Philipp Stutz)