Vom Zimmermann zum Informatikstudenten: Wiler IT-Firma geht bei der Nachwuchsförderung neue Wege

Aus zwei Praktikanten zum Start wurden sechs Praktikanten und acht Werkstudenten. Bei der Wiler Firma EPS hat sich eine Erfolgsgeschichte entwickelt.

Adrian Zeller
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Informatik-Werkstudent Cedric Wehli (links) und Informatik-Praktikant Gian-Luca Vogel gehören zum Team, das eine Software-Applikation für Unternehmen betreut.

Informatik-Werkstudent Cedric Wehli (links) und Informatik-Praktikant Gian-Luca Vogel gehören zum Team, das eine Software-Applikation für Unternehmen betreut.

Bild: PD

Er habe anfänglich nicht gedacht, dass sich daraus eine derartige Erfolgsgeschichte entwickeln würde, sagt Stephan Sutter. Mit einem Schmunzeln fügt der Geschäftsführer der Firma EPS an: «Gehofft habe ich es.» Vor vier Jahren begann sie mit zwei Praktikanten. Mittlerweile ist daraus ein Team aus sechs Praktikanten und acht Werkstudenten entstanden. Sie machen «Learning by doing», wie sich Gian-Luca Vogel ausdrückt.

Der gelernte Zimmermann aus Mosnang bereitet sich als Praktikant bei EPS auf ein Informatikstudium vor. Zusammen mit seinen Teamkollegen betreut er eine spezielle Software-Applikation für Unternehmen. Der besondere Reiz ist es für ihn, direkt mit einem in der Praxis angewendeten IT-Instrument zu arbeiten.

Ehemalige Praktikanten betreuen die aktuellen

Aus zahlreichen Ländern treffen Fragen und Rückmeldungen von Kunden ein. Gian-Luca Vogel und seine Kollegen müssen diese meistens in Englisch beantworten. Die Praktikanten und die Werkstudenten wirken auch an der Weiterentwicklung der Software mit und konnten auch deren Erscheinungsbild sowie deren Namen mitbeeinflussen. «Es ist sehr schön, ab und zu von einem Anwender ein Dankeschön für den schnellen Support zu erhalten», erzählt Cedric Wehli. Der Rapperswiler hat ursprünglich ebenfalls als Praktikant bei der Firma EPS angefangen. Mittlerweile ist er im Informatikstudium an der Fachhochschule Rapperswil weit fortgeschritten. Im Softwareunternehmen in Wil wirkt er bei der Betreuung der Praktikanten mit.

Es sei eine sehr gute Lösung, wenn ehemalige Praktikanten die aktuellen betreuen, betont Stephan Sutter, Elektroingenieur HTL. «Sie kennen die Situation aus eigener Erfahrung und wissen am besten, was sie in ihrer Situation benötigen.» «In der ersten Zeit sind es sehr viele neuen Informationen, die man aufnehmen und verarbeiten muss», berichtet Gian-Luca Vogel von seinen Erfahrungen. Ehemals arbeitete er mit viel Körpereinsatz auf Baustellen, nun sitzt er täglich acht Stunden am Computer, dies erfordert Anpassung. Trotz den grossen Herausforderungen macht ihm sein Praktikum Spass, wie er betont.

Ausbildungsprojekt finanziert sich teils selbst

Spass macht Stephan Sutter die Entwicklung bei der Nachfrage nach der Softwareanwendung, welche die Praktikanten und Werkstudenten betreuen. «Mittlerweile haben wir weltweit rund 1,3 Millionen Nutzer.» Dies führt zu einer Win-win-Situation: Das Ausbildungsprojekt der EPS wird zu einem erheblichen Teil durch Erlöse finanziert, welche die Werkstudenten und Praktikanten erwirtschaften. Diese wiederum können zahlreiche Erfahrungen in der Praxis sammeln. Und die IT-Branche insgesamt wird mit zusätzlichen Fachkräften versorgt. «Die Nachwuchsförderung ist uns eine Herzensangelegenheit», betont Stephan Sutter.