Vom Wesen eines Wilers

WIL. Am Freitagabend konnten 67 neue Wiler Bürgerinnen und Bürger aus den Händen von Stadtpräsident Bruno Gähwiler den Bürgerbrief entgegennehmen. Zuvor traf sich eine deutlich kleinere Gruppe zur Altstadtführung.

Christof Lampart
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Auf besonders grosses Interesse stiess bei den neuen Wilern Bürgerinnen und Bürgern die Führung durchs Baronenhaus. (Bild: art.)

Auf besonders grosses Interesse stiess bei den neuen Wilern Bürgerinnen und Bürgern die Führung durchs Baronenhaus. (Bild: art.)

Die Bürgerbriefüberreichung im Gerichtssaal war der Höhepunkt, den sich kaum jemand nehmen liess. Auch eine junge Frau nicht, die dem Stadtpräsidenten beim vermeintlichen Small Talk während des Apéros deutlich zu verstehen gab, was sie von einer Fusion mit Bronschhofen halte: nämlich gar nichts. Schon alleine der Ausgangslage wegen. «Wir haben die tolle Obere Bahnhofsstrasse und die Altstadt, und was haben die Bronschhofer? Nichts!», beschied die junge Frau dem verdutzten Stadtvater.

Für Gähwiler jedoch nicht weiter schlimm. «Es freut mich zu sehen, wie sich die neuen Bürgerinnen und Bürger mit dem Wiler-Sein identifizieren», so Gähwiler.

Neue, «echte» Wiler

Vor dem «Sich-Identifizieren» war jedoch ein kollektives Frieren angesagt, denn über eine Stunde früher versammelte sich ein harter Kern an neuen Wilerinnen und Wilern auf dem «Goldenen Boden», wo Renate Rohrer zur Altstadtführung einlud.

Der neue Hof mit seiner gelungenen Kombination aus historischer Bausubstanz und moderner Renovation weiss zu gefallen.

Eine Frau erklärt, sogar schon des Öfteren nur wegen des ehemaligen Fürstabt-Sitzes hierhergekommen zu sein. «Dieses Gebäude ist wirklich ein geschichtlicher Schatz, um den uns andere Orte vergleichbarer Grösse sicherlich beneiden dürften», erklärt sie im Gespräch.

Es wird deutlich: Hier sind keine «Papier»-Wiler auf dem Rundgang, sondern die Liebe zur neuen Bürgergemeinde eint die Gruppe.

Bei garstiger Witterung geht es ins Baronenhaus, wo die feinen Täfer und die zahlreichen Intarsienarbeiten ebenso grosses Staunen hervorriefen wie die Erklärung, dass Mitte des 20. Jahrhunderts das Ganze auf der Kippe stand.

«Als die Ärztefamilie, welche das Haus besass, dieses verkaufen wollte, interessierte sich auch ein Warenhaus für diesen Standort», so Rohrer. Einen solchen Gedanken traut sich wohl heute kaum mehr jemand zu denken.

Blumen giessen für Mietvertrag

Doch trauen lassen können sich die Wilerinnen und Wiler (als auch Auswärtige) nach wie vor im Baronenhaus.

Das Trauungszimmer ist besonders schön herausgeputzt und zieht vor allem die Bewunderung der Frauen auf sich. Einem Herrn haben es hingegen die Kabinette angetan, die Möbel im Empire-Stil und die gewirkten Vorhänge: Er erkundigt sich nach einer Mietmöglichkeit. «Das ginge nur, wenn Sie die Blumen giessen würden», erklärt die Führerin trocken. Der Mann stutzt kurz, die Gruppe lacht.

Emotionaler Höhepunkt

Danach geht es wieder raus ins Freie, wo es mittlerweile eingenachtet und die Kälte zugenommen hat. Gleich wird die Gerichtsstube erreicht sein, wo ein Gläschen Wein auf die neuen Wilerinnen und Wiler wartet. Und alle wissen: Auf einen interessanten Anfang wird nun gleich ein emotionaler Höhepunkt folgen. Wen wundert es, könnte die Stimmung doch kaum besser sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass das «Wir-sind-alle-Wiler»-Gefühl, das dieser Anlass ausstrahlte, noch eine ganze Weile anhalten möge. Ganz egal, ob Bronschhofen nun dazukommen wird oder nicht.

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