Vom Traum, im KKL zu spielen

Joanna Thalmann aus Niederwil ist 20jährig und eine virtuose Harfenistin. Als Achtjährige fand sie zu diesem Instrument, nun bereitet sie sich für einen der wichtigsten Harfen-Wettbewerbe der Welt vor.

Zita Meienhofer
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Seit zwölf Jahren ist die Harfe ihre ständige Begleiterin. Joanna Thalmann aus Niederwil gehört zu den talentiertesten Harfenistinnen. (Bild: zVg)

Seit zwölf Jahren ist die Harfe ihre ständige Begleiterin. Joanna Thalmann aus Niederwil gehört zu den talentiertesten Harfenistinnen. (Bild: zVg)

NIEDERWIL. Die grössten Harfenisten der Welt spielen im KKL (Kultur- und Kongresszentrum) in Luzern oder in der Carnegie Hall in New York. Dort zu spielen, das ist eines der Ziele, einer der Träume von Joanna Thalmann. Und, soweit entfernt davon dürfte sie nicht sein.

Die 20jährige Harfenistin hat mit acht Jahren – am Tag der offenen Tür der Musikschule Fürstenland – ihre Liebe zur Harfe entdeckt. Diese Liebe hat sie nicht mehr losgelassen. Bereits sechs Jahre später – als jüngste Teilnehmerin – absolvierte sie einen Meisterkurs bei Isabelle Perrin, einer der gefragtesten Harfenistinnen der Welt. Wenige Jahre später begann sie als jüngste Studentin ihre Ausbildung an der Musikhochschule in Luzern.

Musikerin oder Lehrerin

«Joanna hat Talent, sie lernt schnell, aber sie übt auch sehr viel», sagt ihre Mutter Yvonne, die ebenfalls Freude an der Musik hat und selber Geige und Keyboard spielte. Ohne sie drängen zu müssen, sei ihre Tochter jeweils schon früh am Morgen an die Harfe gesessen und habe geübt. Die Lehrerin Christine Baumann erkannte Joanna Thalmanns Talent, förderte sie und meldete sie zu Wettbewerben an.

Dann folgte die Zeit des Lernens an der Kantonsschule, Zweifel kamen hoch, ob nun die Musik wirklich die richtige Wahl war, ob es nicht der Lehrberuf sein sollte. Doch Joanna Thalmann liebte ihre Harfe zu sehr und hielt an ihrem Weg, ein Musikstudium zu absolvieren, fest. Nun fühlt sie sich an der Musikhochschule wohl, übt sehr viel, konzertiert, bestreitet Wettbewerbe, nimmt an Meisterkursen teil und ist an der Musikschule Schwyz angestellt.

Geschenk einer Schülerin

Joanna Thalmann ist also doch noch Lehrerin geworden. Sie unterrichtet sieben Schüler im Alter zwischen fünf und 15 Jahren in Harfe. «Es gefällt mir, die Verantwortung zu übernehmen, die Kinder zum Üben zu bewegen und für das Instrument zu begeistern», erklärt sie. Sie ertappe sich auch, dass sie die Muster ihrer Lehrerin übernehme, sich oft an ihre eigenen Probleme zurückerinnere. Von einer Schülerin hat die Niederwilerin mit Wohnsitz in Luzern ein besonderes Geschenk bekommen. Diese hat während der Ferien ein Stück eingeübt und es ihr in der ersten Lektion nach den Ferien präsentiert. «Ich war baff.»

Mehr als ein Jahr Vorbereitung

Üben muss auch Joanna Thalmann, sechs bis sieben Stunden täglich sind es auf ihrer Doppelpedalharfe. «Länger ist nicht möglich, sonst bekomme ich Blasen an den Fingern», erklärt sie. In den vergangenen Jahren wurde sie im Umgang mit dem eigenen Körper achtsamer, hat gelernt, vorsichtig zu sein, ihre Hände zu schonen. Das Hantieren mit scharfen Messern meidet sie, das Snowboarden hat sie aufgegeben. Jedoch schwimmt sie viel, das stärkt die Rückenmuskulatur. Das braucht sie, vor allem für ihre kommende Herausforderung: die USA International Harp Competition in Bloomington, der grösste Harfen-Wettbewerb der Welt. Da muss sie ein Programm von über drei Stunden vorlegen. Seit mehr als einem Jahr bereitete sie sich darauf vor – und kommt so ihrem Ziel, als Solistin im KKL aufzutreten, immer näher.